Nachtrag 20. August 2025: Vor acht Jahren habe ich mir vorgenommen, das Besucherzentrum der Pivovary Staropramen mal zu besuchen. Acht Jahre, in denen so viel passiert ist. Nur eines nicht: Dass ich mal mit genügend Zeit in Prag unterwegs gewesen wäre.
Aber heute, heute gilt es. Die Tickets sind schnell gekauft, und schon geht die Führung los. Eine sogenannte „self guided tour“, man läuft also selbständig durch die Ausstellung, und in allen Räumen, die man betritt, wird man von einer Multimedia-Installation empfangen. Das hat den Vorteil, dass es keine große Personalbindung gibt. Man wünscht sich eine bestimmte Sprache, und zum zur Sprache passenden Zeitfenster öffnen sich die Türen und man geht los.
Der Nachteil ist: Das Timing ist streng vorgegeben. Ist man zu schnell, liegt der folgende Ausstellungsraum noch im halbdunklen Dämmerlicht, und man muss warten, bis die Installation zum Leben erweckt wird. Ist man zu langsam und verpasst die Ansage, in den nächsten Raum zu gehen, dimmt sich das Licht runter, und man bekommt das Gefühl, gleich eingeschlossen zu werden. Was natürlich nicht stimmt, aber ein gewisses Unwohlsein breitet sich unterbewusst schon aus.
Die Inhalte der Führung selbst sind soweit in Ordnung. Eine ordentliche Portion Selbstbeweihräucherung gehört bei Brauereien dieser Größenordnung dazu, und immer wieder hören wir vom hervorragenden Wasser, dem erlesenen Hopfen, den allerbesten Malzsorten und der quicklebendigen Reinzuchthefe.

schöne, wenn auch nicht mehr genutzte Kupferkessel
Der Rundgang orientiert sich am Verlauf der Zeit, wir sehen alte Gerätschaften und Aufzeichnungen, blicken in ein altes Labor und können uns an den großen, nicht mehr genutzten Kupferkesseln der Brauerei erfreuen. Eine umgebaute Abfüllanlage simuliert die Flaschenabfüllung in einem sinnleeren Kreislauf bei infernalischem Lärm – letzterer ist immerhin echt und realitätsnah.
Nach etwas mehr als einer Stunde führt uns der Rundgang in einen Taproom, wo wir gegen Vorzeigen unserer Eintrittskarte eine kleine Bierprobe bekommen – sechs verschiedene Biere, die hier in der Brauerei gebraut werden, aber nicht alle unter dem Handelsnamen Staropramen verkauft werden. Der Konzern Molson Coors, zu dem Staropramen seit 2012 gehört, lässt hier in Prag eine ganze Reihe unterschiedlicher Biere brauen. In unseren Gläsern finden sich das 12° Staropramen Lager, das Staropramen Weizen, das rote Granát, das dunkle Černá Barbora, das Mustang Hořký und das Blue Moon Belgian Wit. Flink gezapft, flink serviert, aber dann werden wir ohne weitere Erläuterung mit den Bieren allein gelassen. Zu groß ist der Andrang, als dass man sich mit detaillierten Informationen zu den Bieren aufhalten könnte – schnell weiter an den nächsten Tisch.
Empfehlenswert?
Ja, für den, der überall mal gewesen sein muss, auf alle Fälle. Ist schon gut gemacht.
Wer von Bier noch gar keine Ahnung hat, wird an vielen Stellen mit Halbwissen geläutert herauskommen, aber nicht wirklich was gelernt haben.
Wer detaillierte Informationen erwartet und gerne Biergeschichten hört, bei denen aus dem Nähkästchen geplaudert wird, der wird enttäuscht sein.
Pivovary Staropramen
Ein kleiner Spaziergang durch den Prager Ortsteil Smíchov nur, von einer Straßenbahnhaltestelle zur anderen, um ein wenig frische Luft zu schnappen. Und da sehe ich sie vor mir: Vor dem tiefschwarzen Nachthimmel leuchtet die Neonleuchtreklame in Grün und Rot.
Staropramen ® – Založeno na Smíchově – 1869 (Staropramen ® – in Smíchov gegründet – 1869)

die große Neonleuchtreklame
Und sie erinnert mich daran: Neben den mehr als zwei Dutzend kleinen und Kleinstbrauereien, die es in Prag gibt und die mich immer wieder in ihren Bann ziehen, gibt es auch noch die große, alte Bierfabrik, die Pivovary Staropramen, mit ihrem Besucherzentrum.
Irgendwann, wenn ich es geschafft habe, alle Prager Kleinbrauereien besucht zu haben, dann werde ich mir auch einmal ein wenig Zeit nehmen, hier durch das Besucherzentrum zu laufen und mir zeigen zu lassen, auf welch wirtschaftlich erfolgreiche Zeit diese Bierfabrik zurückblickt.
Irgendwann.
Heute aber, am 18. November 2017, nicht.
Pivovary Staropramen s.r.o.
Pivovarska
150 00 Praha
Tschechien

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