Arne Grunau, Thomas Klawunn
Bier selbst gebraut, eine praxisorientierte Anleitung für den Hausgebrauch

Alt und vergilbt fällt mir dieses Heftchen in die Hand. Bräunliches Papier, ein umlaufender, aufwändig gezeichneter, aber in seiner Symbolik nichtssagender Rahmen, altmodische Frakturschrift, Verkaufspreis 7,80 DM, ein umständlicher Titel: „Bier selbst gebraut, eine praxisorientierte Anleitung für den Hausgebrauch“.

Arne Grunau, Thomas Klawunn
Bier selbst gebraut, eine praxisorientierte Anleitung für den Hausgebrauch

Meine Güte, wie alt mag dieses Heftchen sein? Ich schaue genauer hin: 1997 steht auf dem Titel. Das ist jetzt fast 25 Jahre her, und die Anmutung war sicherlich damals schon altmodisch.

Die erste Seite verrät mir, dass es sich um eine „limitierte Sonderauflage von 2000 Exemplaren zum 10-jährigen Jubiläum“ handelt, die Inhalte also von 1987 stammen. Fast 35 Jahre …

Entsprechend altbacken liest sich das Heftchen leider auch. Umständliche Formulierungen, man spürt zwischen den Zeilen immer den erhobenen Zeigefinger des dozierenden Wissensträgers, wenn er dem Unwissenden die Geheimnisse des Brauprozesses darlegen möchte. Da passt es bestens ins Bild, dass bereits im Vorwort, im kurzen Text an die „lieben Leser“, in Großdruck darauf hingewiesen wird, „daß die nach dieser Anleitung gebrauten Biere selbstverständlich dem Deutschen Reinheitsgebot von 1516 entsprechen“. Warum das wichtig sei, wird nicht erklärt, es genügt ja, wenn die Oberlehrer, äh, nein, die Autoren feststellen, dass dies selbstverständlich ist. Punkt. Also: Merken, und basta!

die Anleitung als solche ist gar nicht so schlecht

Die dann folgende Anleitung, die den Großteil der 30 Seiten starken Broschüre ausmacht, ist dann aber deutlich besser und hilfreicher, als es der erste Eindruck vermuten lässt. Mit dem minimal notwendigen Detaillierungsgrad wird der Brauprozess so beschrieben, dass mit recht einfachem Material ein Bier dabei herauskommt, das im Geschmack den kommerziellen Produkten möglichst ähnlich ist. Oder ähnlich sein soll: „… lassen sich mit einiger Sorgfalt Biere erzeugen, die sowohl vom Alkohol- und CO2-Gehalt als auch von Farbe und Geschmack den kommerziellen Bieren gleichkommen.“ Was allerdings die Frage nach dem Geruch offen lässt.

Mancher Prozessschritt mag etwas ungewöhnlich vorkommen, so zum Beispiel das Läutern durch Gardinenstoff, mit dem ein Plastikeimer ausgelegt wird, aber in der Summe sind alle Tätigkeiten so beschrieben, dass am Ende wirklich ein ordentliches und trinkbares Bier herauskommen sollte.

Läutern durch Gardinenstoff

Ein bisschen nostalgisch macht mich dieses Heftchen, gerade angesichts der heute verfügbaren umfangreichen und detaillierten, eindrucksvoll bebilderten Literatur und der, wenn auch gelegentlich recht teuren, nahezu professionellen Ausstattung, die es mittlerweile überall zu kaufen gibt. Aber die Nostalgie hat auch ihre negativen Seiten. Hier geht es um trinkbares Bier, aber weder darum, etwas wirklich Besonderes zu schaffen, noch darum, einen bestimmten Stil zu realisieren. Ein gewisser Zweckpessimismus schwingt schon mit: „Bleibt zu hoffen, daß das Endergebnis zufriedenstellend ist“. Eine nicht wirklich vertrauenerweckende Aussage …

Arne Grunau, Thomas Klawunn
Bier selbst gebraut, eine praxisorientierte Anleitung für den Hausgebrauch
Verlag Karin Schulz
Göttingen, 1997
ISBN 3-926620-04-8

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.