Privatbrauerei Pfesch
Pfendhub
AUT

Pfendhub? Wie bitte? Noch nie gehört?

Ach, keine Sorge, ich auch nicht …

Es ist vielleicht nicht am Ende der Welt, aber gefühlt kann man es von Pfendhub aus schon sehen … Jedenfalls kommt es mir so vor, als uns das Navi immer weiter hinaus ins Grüne führt. Und zwar wörtlich: Der Onlinekarten-Ausschnitt ist komplett grün, mit ein paar Ortsnamen und einigen, wenigen Straßen, aber grau hinterlegte Bereiche für Bebauung sind keine mehr zu sehen …

Und doch gibt es hier, mitten im Innviertel, einen netten Hof, auf dem der Martin Erlinger mit seiner Familie 2014 eine kleine Brauerei eingerichtet hat und sie seitdem mit Erfolg betreibt, die Privatbrauerei Pfesch.

„Kommt rein, schaut Euch alles an“, begrüßt er uns herzlich, und wir gehen direkt ins Sudhaus. Rechts die stählernen Sudkessel, links hinter einem durchsichtigen Staubschutzvorhang die teils stehenden, teils liegenden Gär- und Lagertanks. Dazwischen, wir trauen unseren Augen kaum, eine zwar winzige, aber vollautomatische Flaschenabfüllstraße.

Die ganze Familie ist gerade dabei, das Sudhaus auf Vordermann zu bringen und als auf Hochglanz zu wienern. Selbst der fast Vierjährige fasst mit an, und zwischen unseren Füßen wuselt ein Wischroboter hin und her.

blitzsauber – hier könnte man vom Boden essen

„Angefangen habe ich mit einem 200 Liter großen Speidel Braumeister, das waren tolle Erfahrungen zu Beginn“, erzählt Martin. „Aber die Investition in eine noch größere Anlage war dann doch recht bald nötig. Damit mache ich manchmal Doppelsude für die großen Tanks, oft auch Einfachsude für die eher speziellen Biere.“

„Kommt mit!“ Er führt uns in die Scheune nebenan, in der er – aus Platzgründen vom Rest der Produktion getrennt – eine automatische Etikettieranlage stehen hat. Auch das, ähnlich wie der Flaschenfüller, ein erstaunlich professionelles Gerät für eine Kleinbrauerei. „War zwar teuer, aber Ihr glaubt gar nicht, wie sehr das den Prozess verschlankt. Abfüllen und Etikettieren per Hand, das ist so unendlich zeitaufwändig, da können noch so viele Nachbarn und Freunde mit helfen, das bleibt ätzend.“

Die Begeisterung ist ihm anzumerken. Er zeigt uns alle Details, fachsimpelt über Etikettiertechniken, Füllhöhen, Schrotungsgrade und Malzkonditionierung, aber irgendwann – zum Glück … – fällt ihm ein: „Wollt Ihr eigentlich das Bier mal probieren?“

der kleine, aber ansprechende Verkostungs- und Seminarraum

„Ach, nein, wir trinken doch kein Bier“, scherzen wir und folgen Martin in den kleinen Verkostungsraum. „Hier mache ich Braukurse, Verkostungen und solche Sachen“, erzählt Martin und schenkt uns zunächst das Helle ein. 5,1% Alkohol, leicht trüb und gut durchtrinkbar. Wie alle Biere in einer kleinen 0,33-l-Stubbie-Flasche abgefüllt. Es folgt das etwas stärkere Keller, mit 5,5%, und dann kramt er aus dem Kühlschrank was Besonderes hervor.

„Der Osterbock. 6²/4+. Wenn Ihr das ausrechnet, kommt Ihr auf den Alkoholgehalt. Also sechs mal sechs geteilt durch vier und etwas mehr.“ Statt zu rechnen, schauen wir auf’s Etikett. 10,7%! Passt schon. Ein Jahr lang werde das Bier gelagert, erzählt Martin noch, bevor es in den Verkauf ginge. „Erst dann ist es so richtig schön weich und rund.“

Jawoll, damit hat er recht. Wunderbar weich, rund, vollmundig. Mit Noten von Dörrpflaumen, etwas Schokolade und einem Hauch Kaffee im Abgang. Was für ein schönes Bier.

Wir gehen gemeinsam in den kleinen Hofladen, in dem die Familie Erlinger nicht nur ihr Bier verkauft. Einen Four-Pack des Bocks nehme ich mir mit, da kann ich nicht widerstehen. Gar zu fein hat der geschmeckt. Und erst auf dem Weg zum Hotel fällt mir ein, dass ich die Heimreise ja mit der Bahn antreten werde. Oh je, oh je, das wird dann eine Herausforderung, die Koffer zu packen.

Aber eine Herausforderung, die ich gerne annehme!

Der Hofladen der Privatbrauerei Pfesch ist täglich von 08:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, nur sonntags ist zu. Das Bier gibt es aber auch im Online-Shop, zu finden ebenso wie die Brauseminare, Verkostungen und Bierpicknicks auf der Website der Brauerei. Zu erreichen ist die Brauerei nur mit dem Auto. Anders kommt man da nicht sinnvoll hin.

Bildergalerie

Privatbrauerei Pfesch OG
Pfendhub 3
5272 Treubach
Österreich

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