Mescan Brewery
Cartoor (IRL)

[Blick zurück auf Juni 2026]

„Eigentlich war ich Tierarzt aus Überzeugung“, erzählt Cillian Ó Móráin, lacht und streicht sich durch seinen schneeweißen Bart. „Aber dann hat sich hier, in den Foothills unseres heiligen Bergs Croagh Patrick / Cruach Phádraig, etwas geändert. Mehr und mehr Schafzüchter betrieben ihr Geschäft nur noch als Nebenjob und kümmerten sich nur noch abends und am Wochenende um ihre Schafe.“

Er nimmt einen Schluck Bier. „Und das hieß in Konsequenz auch, dass die Anrufe, dass ein Schaf krank oder verletzt sei, auch nur noch abends, nachts und am Wochenende kamen und ich auf einmal überhaupt keine Zeit mehr für mich selbst hatte. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen.“

„Tja“, fährt er fort und lacht wieder. „In der Zeit, es ist ungefähr fünfzehn Jahre her, habe ich mit meinem Freund Bart Adons, einem Belgier, zusammen Bier gebraut, in Fünfzig-Liter-Kesseln in der Garage, und wir haben uns auf typisch belgische Bierstile spezialisiert. Dann kam der verrückte Gedanke: Was, wenn wir den Job als Tierarzt an den Nagel hängen und eine Brauerei gründen?“

„Völlig absurd, oder?“ Cillian kriegt sich vor Lachen nicht ein. „Wir haben es trotzdem gemacht, und jetzt steht Ihr hier in meinem Lebenswerk, der Mescan Brewery. Echte belgische Biere, gebraut am Ende der Welt, kurz vor Westport in Irland.“

das ansteckendste Lachen der ganzen grünen Insel

Wir sehen uns fasziniert um. Eine große Scheune beherbergt das Sudwerk, daneben stehen ein paar Biertische und -bänke, an denen wir Platz nehmen. Ein paar Gär- und Lagertanks stehen ebenfalls in der Scheune, einige aber auch draußen auf dem Hof, unter freiem Himmel.

„Frostgefahr haben wir hier in Irland ja nicht, da geht das schon, dass ein Teil des Equipments draußen steht. Ist ja alles rostfreier Stahl! Aber genug der Geschichten, lasst uns doch die Biere verkosten und ein paar selbstgemachte oder in der Region produzierte Spezialitäten dazu genießen!“

Es beginnt ein bunter Reigen von spannenden Bieren und perfekt auf das jeweilige Bier abgestimmten kleinen Snacks. Ob es Käsestückchen mit Chutney sind, frisch geschnittenes Rohgemüse, kandierte Rote Bete, Wurst vom örtlichen Metzger oder selbstgemachte Humus-Dips – jeder Snack ist eine Offenbarung – genau wie das Bier, zu dem er serviert wird.

  • N° 77 – 7 Virtues – Lager (4,8%)
  • N° 68 – Westport Blond (4,8%)
  • N° 72 – Westport Saison (5,8%)
  • N° 83 – Gold / Óir (5,7%)
  • N° 70 – Kriek / Silín (6,0%)
  • N° 61 – Red Tripel (8,0%)
  • N° 67 – Westport Extra (8,5%)
  • Spéartha Dorcha Oyster Stout (4,7%)

Ein Bier besser als das andere, finden wir, mit dem Saison und dem Red Tripel mit nur geringem Abstand an der Spitze. Eine ganz besondere Spezialität ist das letzte Bier, das Oyster Stout, das nur zu besonderen Gelegenheiten gebraut und ausgeschenkt wird, deswegen keine Nummer trägt, und zu dessen Zubereitung pro Sud acht Kilogramm Austern verarbeitet werden. Sechs Kilogramm ganze Austern und von zwei Kilogramm nur die Schalen.

„Nur die Schalen?“ Wir runzeln fragend die Stirn.

Cillian lacht wieder sein unvergleichliches, mitreißendes Lachen. „Na klar, die zwei Kilogramm haben wir gegessen! Die Gelegenheit mussten wir doch nutzen!“

Wir schauen ihn an. Prustend vor Lachen, die schwarzweiße Brauereikatze auf dem Schoß, vor sich ein fantastisches Bier, dazu Zartbitterschokolade mit Meersalz, und seine Partnerin steht neben ihm und lehnt sich an ihn. Das Glück in Person!

Katze, Bier, Glücksgefühl …

Das Gefühl, hier jemanden getroffen zu haben, der sein Leben einmal komplett auf den Kopf gestellt und nun sein Glück gefunden hat, lässt uns für den Rest unserer Reise nicht los. Die Mescan Brewery hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Benannt ist sie übrigens nach dem Mönch Mescan, einem Weggefährten des irischen Nationalheiligen Saint Patrick – der Legende nach war er auch ein Brauer. Ein passender Name für diese wunderbare kleine belgische Brauerei mitten im Nirgendwo des irischen Westens.

Die Mescan Brewery bietet freitags um 15:30 Uhr offene Brauereiführungen an; eine Reservierung über die Website ist aber dringend nötig – die Touren sind fast immer ausverkauft. Für Gruppen gibt es auch andere Termine nach Absprache. Zu erreichen ist die Brauerei eigentlich nur mit dem Auto – stur den Anweisungen des Navis folgen und ganz am Schluss noch eine ewig lange und schmale Einfahrt in den Hof entlang fahren.

Bildergalerie

Mescan Brewery
Cartoor
Kilsallagh
Co. Mayo, F28 FW70
Irland

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