[Blick zurück auf Mai 2026]
Ich bummele mit einer lieben Freundin durch ihre Heimatstadt Kassel, und sie macht große Augen. Womit sie nämlich nicht gerechnet hat, war, dass ich als Auswärtiger sie in eine kleine Brauerei mit Taproom einlade, in der sie vorher noch nie war, von deren Existenz sie noch nicht einmal was gehört hatte. Direkt am Pferdemarkt etwas nördlich der Altstadt befindet sich nämlich in einer kleinen Gasse das Steckenpferd, genauer gesagt die Braumanufaktur Steckenpferd.
Gegründet wurde sie vor zehn Jahren von Erik Schäfer und Johannes Alt, die hier in dem kleinen Ladenlokal, das früher wohl mal eine Metzgerei beherbergt hatte, auf einer winzigen Anlage begannen, spannende Biere zu kreieren und direkt vor Ort zu verkaufen.

spannende Biere
Offensichtlich mit Erfolg, den rasch wurde die Brauerei zu klein, und auch das Ladenlokal platzte aus allen Nähten. Erik und Johannes machten sich auf die Suche, haben mittlerweile eine separate Halle angemietet, in der sie ihre Biere lagern, lassen ihre Rezepte, die sie unverändert weiter auf der kleinen Anlage entwickeln, bei befreundeten Brauereien als Lohnsude brauen und haben das Ladenlokal verpachtet. Arturo Leyton betreibt es nun als einen Mix aus Steckenpferd-Taproom und südamerikanischem Restaurant.
Neugierig betreten wir den Innenraum und sind sofort in einer Mischung aus Faszination, Begeisterung und Überforderung gefangen. Alles ist bunt dekoriert, als wäre gerade erst eine lateinamerikanische Karnevalsfeier zu Ende gegangen; die kleinen Nebenräume, in denen man ebenfalls in kleinerer Runde sitzen kann, sind mit einem bunten Sammelsurium von Reststücken möbliert, die wahlweise vom Abverkauf bei Rudis Resterampe oder von der letzten Sperrmüllsammlung stammen könnten.
Witzig und in seiner Skurrilität schon wieder schön.

witzig und skurril eingerichtet
Zwei der Steckenpferdbiere gibt es vom Fass, etwa ein halbes Dutzend weitere aus der Flasche. Gegessen haben wir gerade schon, insofern gibt es für jeden noch ein Bier zum Abrunden des Abends – und aus Gründen muss es auch bei dem einen Bier pro Person bleiben.
Wir genießen das „läuft.“, ein schön fruchtiges, sehr herbes Single Hop Pale Ale mit 5,4% Alkohol, und ganz hinten im Kühlschrank entdeckt die nette junge Dame vom Service noch eine Flasche Winterbier, ein seeehr malzbetontes Brown Ale mit 6,1% Alkohol. Nicht gerade jahreszeitgerecht – heute Mittag hat das Thermometer in Kassel das erste Mal für dieses Jahr die 30°C-Marke geknackt. Aber schmackhaft.
Wir genießen die bunte und fröhliche Atmosphäre – sowohl drinnen als auch draußen, wo Klappstühle, Tische, Bierbänke und Hocker in fröhlichem Durcheinander auf dem Bürgersteig stehen, sitzen vorwiegend junge Leute. Innerlich fühlen wir uns genauso jung und genießen Bier, Sonne und Lachen am frühen Abend.
Der Taproom (und das ehemalige „Sudhaus“) der Braumanufaktur Steckenpferd ist dienstags bis samstags ab 17:00 Uhr geöffnet; sonntags und montags ist Ruhetag. Vom „Stern“, also der zentralen Bus- und Straßenbahnhaltestelle „Am Stern“ sind es drei oder vier Minuten zu Fuß in ostwärtiger Richtung.
Braumanufaktur Steckenpferd
Kastenalsgasse 8
34 117 Kassel
Hessen
Deutschland

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