[Blick zurück auf Juni2026]
Newtown Mount Kennedy – eine Kleinstadt mit einem Namen, länger als die Hauptstraße durch das Dorf. Und mit einer eigenen Brauerei. Was in Irland, dem Land, dessen Bierkultur seit Jahrzehnten vom Diageo-Konzern mit Guinness dominiert wird, nicht selbstverständlich ist.
Ein kleines Stückchen außerhalb liegt sie, die Wicklow Wolf Brewery, die auf ihrer Website auch immer stolz angibt, einen Taproom zu haben. Das, was für uns in Deutschland selbstverständlich ist, nämlich, dass man in einer kleinen Handwerksbrauerei die vor Ort produzierten Biere auch im Rampenverkauf erwerben und meistens auch direkt an Ort und Stelle trinken und genießen kann, ist in Irland rechtlich sehr kompliziert. Um ihr eigenes Bier auf dem Gelände der Brauerei verkaufen oder sogar ausschenken zu dürfen, ist eine besondere Lizenz notwendig, die nicht nur teuer, sondern auch nur sehr restriktiv zu bekommen ist.
Wicklow Wolf hat aber eine!

Blick auf das Sudhaus
Insofern bekommen wir hier nicht nur eine ausführliche und sehr detaillierte Führung durch die noch ziemlich neue Halle, sondern anschließend auch noch eine feine Bierprobe. Und das alles schon vor dem Mittagessen …
Wicklow Wolf hat sich Nachhaltigkeit ins Lastenheft geschrieben und lebt dies auch. Schritt für Schritt entwickelt sich die Brauerei zu einer gewissen Ressourcenunabhängigkeit, erfahren wir während der Führung. Ob es Solarpaneele auf dem Dach sind, der weitgehende Verzicht auf Malz in Kunststoffsäcken oder die Ver- und Entsorgung mit Wasser – überall gibt es Potenzial zur Verbesserung der Nachhaltigkeit, und es wird genutzt!
Aus dem gleichen Grund erfolgt die Abfüllung zunehmend öfter in Dosen, die der Einweg-Glasflasche ökologisch überlegen sind. Es gibt in Irland kein funktionierendes System für Mehrweg-Glasflaschen.
Der Anbau von eigenen Hopfenpflanzen geht grundsätzlich ebenfalls in diese Richtung – aber von einer Versorgungsautarkie durch diesen Anbau ist die Brauerei meilenweit entfernt. Dazu ist der Hopfenbedarf zu groß, der Anbau zu aufwendig und die Sortenvielfalt im Alleingang nicht zu bewältigen.
Die Biere, die wir verkosten, sind durchweg sehr solide und vor allem höchst durchtrinkbar, ein Aspekt, der bei vielen Craftbrauereien schnell mal in Vergessenheit gerät:
- Elevation Pale Ale (4,8%)
- Arcadia Gluten Free Lager (4,3%)
- Wildfire Red Ale (4,6%)
- Sugarloaf Juicy IPA (4,3%)
- Eclipse Stout (4,2%)
- POG Sour (5,2%)

spannende Biere zum Verkosten
Klar, dass wir nach so einer gelungenen Präsentation und Verkostung nicht widerstehen können und uns im Laden auch noch mit ein bisschen Bier-Souvenirs eindecken – ein schönes Paar Biersocken musste bei mir drin sein …
Ein bisschen Storytelling rund um die Brauerei gibt es natürlich auch – wir erfahren, dass einer der beiden Gründer der Brauerei als Gärtner bei Bono von U2 gearbeitet hat und dass Bonos Interesse an Craftbier und an der Brauerei seines Gärtners sicherlich nicht schädlich ist. Man denke an notwendige Investitionen zur Erweiterung oder einen Anschub in Form einer Kapitalspritze. Mit einem solchen, na, quasi schon fast Business Angel im Rücken und einer konsequent konsistenten Bierqualität hat es Wicklow Wolf mittlerweile auf einen Ausstoß von rund 25.000 hl gebracht und plant, weiter zu wachsen.
Der Taproom der Wicklow Wolf Brewery, der eigentlich eher ein Rampenverkauf ist, in dem man aber die Biere auch direkt verzehren kann, ist montags bis mittwochs von 08:00 bis 15:00 Uhr, donnerstags bis samstags von 08:00 bis 19:00 Uhr und sonntags von 09:00 bis 19:00 Uhr geöffnet. Zu erreichen ist die Brauerei mit dem Linienbus, Haltestelle Newtown Business Centre, und von dort aus sind es etwa fünf Minuten zu Fuß in westlicher Richtung.
Wicklow Wolf Brewery & Taproom
Moneycarroll
Newtown Mount Kennedy
Co. Wicklow, A63 A243
Irland

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