dia’lεgd – Ølbar
København
DNK

Wir befinden uns im Jahre 2017. Die ganze Viktoriagade ist von Mikkellern besetzt… Die ganze Viktoriagade? Nein! Eine von der unbeugsamen Bryggeriet Refsvindinge betriebene Bar hört nicht auf, Widerstand zu leisten: die dia’lεgd – Ølbar.

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dia’lεgd – Ølbar

Geht man in Richtung Norden durch die Viktoriagade, dann liegen linker Hand wie Perlen auf der Schnur die Mikkeller-Bars und -Restaurants aufgereiht. Zunächst die Mikkeller Bar, gewissermaßen die Keimzelle des Mikkeller-Imperiums. Direkt danach dann das ØL & BRØD, Mikkellers Feinschmecker-Restaurant für Beer & Food Pairing. Und schließlich die Hyggestund, Mikkellers All-Day Frühstücksrestaurant. Mit Bier natürlich. Und mit Hygge.

Hygge, das dänische Wort für etwas, das angeblich mit Gemütlichkeit nur unvollkommen umschrieben werden kann. Oft beschrieben als diese besondere Atmosphäre des sich Wohlfühlens, des irgendwie daheim Ankommens, des Verzichts auf Streben und des sich Fallenlassens. Ein Konzept, das mich auf keiner meiner Dänemark-Reisen überzeugt hat. Ich empfinde es immer eher als willkommene Ausrede von Hotel-, Bar- und Restaurantbetreibern dafür, das Hirn ausschalten zu dürfen, nicht mehr mitdenken zu müssen und beim Service nachlässig sein zu können. Bei gleichbleibend hohen Preisen, natürlich!

Aber ich schweife ab…

Zurück in die Viktoriagade.

Wir lassen Bar, Restaurant, Frühstück und Hygge links liegen und wenden uns stattdessen der rechten Seite der kleinen Straße zu und finden … die dia’lεgd – Ølbar. Zwei kleine Laternen stehen links und rechts der Treppe auf dem Bürgersteig, in der Dämmerung verleihen sie der nüchtern weiß gestrichenen Hauswand ein besonders einladendes Flair. Die Stehtische sind im Regen verwaist, und so gehen wir die paar Stufen hinab in den Keller, in die kleine Bar. In einfachem Grau gestrichen, schlichtes Holzmobiliar, und überall an den Wänden hängen Familienfotos und Porträts aus längst vergangenen Zeiten.

Linker Hand befindet sich die kleine Bar mit einer ziemlich langen Bierliste, aber nur wenigen Zapfhähnen; sie ist umlagert von jungen Leuten, fröhlich, gut gelaunt, in Unterhaltungen vertieft. Eine freundliche und einladende Atmosphäre.

Der junge Barmann fragt nach unseren Wünschen, und während wir noch ein wenig ratlos durch die Bierliste irren und versuchen, die uns völlig unbekannten Namen der Biere irgendwie einzusortieren, klärt er uns auf: Eigentlich seien alle Biere, die er uns anbieten könne, in der kleinen Bryggeriet Refsvindinge auf der Insel Fyn gebraut, die dia’lεgd – Ølbar sei gewissermaßen eine Art Brauereiausschank. Einige wenige Biere habe er vom Fass, aber die meisten in der Flasche. Kleine Drittelliterflaschen, also gerade recht, um mehrere verkosten zu können.

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Bier aus der Familienbrauerei Refsvindinge

Mehrere verkosten? Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen, suchen uns einen kleinen Tisch nicht zu weit von der Theke entfernt, und machen uns an die Arbeit. Zum Auftakt ein Fassbier – das Humle Pilsener, das merkwürdigerweise auch als India Pale Ale bezeichnet wird. Leuchtend orangefarben, kräftig, aber nicht übermäßig gehopft, feine Fruchtaromen, ein klassisch balancierender Malzkörper – es passt. Ein guter Auftakt. Wenn uns auch nicht ganz einleuchtet, wie man ein Ale (obergärig) auch als Pilsener (untergärig) bezeichnen kann.

DIPA, das Dia’lεgd India Pale Ale, kommt als nächstes – und zwar in der Flasche. Ein relativ schlichtes Etikett, nicht so schreiend poppig bunt wie viele andere der neuen Brauereiszene, sondern einfach nur mit einer großen Hopfendolde in der Mitte. Eine klare Botschaft. Aroma und Geschmack des Biers können mithalten – Hopfenaromen und -bittere sind stets präsent, die typische India Pale Ale Charakteristik wird lediglich dadurch gestört, dass das Bier klar ist, als sei es gefiltert.

Es folgt das Bedstemors Stout. 5,7% Alkohol, leicht röstige Herbe, aber verhältnismäßig zurückhaltend in der Aromatik. Nichts, das uns in Entzücken versetzen würde, lediglich ein solides Trinkbier.

Das nächste Bier überrascht in mehrerlei Hinsicht. Zuerst mit dem Namen. Martin Luther. Im Jubiläumsjahr der Reformation vielleicht nicht ganz überraschend, das eine Brauerei auf diesen Zug aufspringt, aber wenn es denn schon ein Martin-Luther-Bier geben soll, warum dann als English Pale Ale? Und wenn es denn schon als English Pale Ale betitelt wird, warum schmeckt es dann eher wie ein klassisches deutsches Bockbier? Fragen über Fragen, und während wir darüber sinnieren, ist die Flasche auch schon wieder leer. Malzig, vollmundig, süffig war’s.

Das Cat Porter ist dann wieder viel interessanter. Ein Porter mit röstigen und schokoladigen, kakao-artigen Aromen. Fein. Und dazu eine deutliche Rauchnote. Kräftiger, rauer Rauch. Scheinbar nicht nur mit Buchenholz, sondern vielleicht auch mit einer kleinen Menge Torf geräuchert? Spannend! Mit 7,4% Alkohol aber auch für den langsamen Genuss.

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Biere in Reih’ und Glied

Und für den soliden Abschluss. Fünf Biere haben wir jetzt probiert – nachdem wir vorher schon gegenüber im ØL & BRØD gut gegessen und getrunken haben, reicht es für heute. Die Gesundheit und unser Wohlbefinden morgen früh werden es uns danken.

Die dia’lεgd – Ølbar ist nach wie vor gut gefüllt. Die Stimmung ist ausgezeichnet, die jungen Leute fühlen sich wohl. Der Lärmpegel ist hoch, aber nicht belastend. Nur lautes Lachen und Gläserklirren, kein wüstes Geschrei, keine lautstarke Musik, gegen die man anschreien muss. Sehr angenehm. Dazu eine Bierauswahl, die – obwohl nur aus einer Brauerei stammend – sehr interessant ist. Jederzeit wieder. Gerne auch wieder als letztes Tagesziel, für einen finalen Absacker.

Die dia’lεgd – Ølbar ist nur von mittwochs bis sonnabends geöffnet, jeden Tag ein bisschen früher: mittwochs ab 18:00 Uhr, donnerstags ab 17:00 Uhr, freitags ab 16:00 Uhr und sonnabends ab 15:00 Uhr. An den anderen Tagen ist geschlossen. Vom Hauptbahnhof aus ist sie mit einem zehnminütigen Fußweg in westlicher Richtung bequem zu erreichen.

Bilder

dia’lεgd – Ølbar
Viktoriagade 1
1655 København
Dänemark

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