Tapperiet BRUS
København
DNK

Brus? Was ist das denn? Eine Verballhornung von Brews? Oder eine Abkürzung? Immerhin ist es ja großgeschrieben: BRUS. Beer rating under stress? Oder ist es irgendein dänisches Wort? Ich rätsle eine Weile herum, was sich hinter dem Namen Tapperiet BRUS wohl verbergen mag. Zapferei BRUS. Was man wohl ausschließen kann, das sind der österreichische Maler und die serbische Stadt gleichen Namens. Das hätte mit Bier schließlich überhaupt nichts zu tun.

Ach, für den Moment egal, wir gehen da jetzt erstmal rein, bestellen uns ein Bier, und dann können wir immer noch Onkel Google oder Tante Cortana befragen, ob die das wissen.

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eine ehemalige Fabrikhalle?

Wir betreten das große Gebäude, das von außen an eine alte Fabrikhalle erinnert, und stellen fest: Von innen auch. Eine endlose Halle, und hinten drin das Sudwerk, freistehend. Die Gär- und Lagertanks sind rundherum verteilt, und in stabilen Metallrahmen stehen überall große Holzfässer herum. Zwischen Außenwand und Brauerei ziehen sich auf ‘zig Metern Reihen von einfachen Holztischen und Bänken entlang, Reihen, die sich auch draußen fortsetzen. Insgesamt, wenn man schön zusammenrückt, bestimmt mehrere hundert Sitzplätze.

An einer Trennwand zwischen Sudwerk und Schankraum sind die Zapfhähne angebracht, insgesamt 32 Stück. Davor eine schmale Theke mit ein paar Barhockern und … eine lange Schlange.

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Blick in die große Halle

Wir machen das, was man in so einer Situation halt macht: Wir stellen uns an und warten geduldig. Nicht jeder der Gäste weiß sofort, was er bestellen möchte. Mancher lässt sich ausgiebig beraten; andere sind völlig überrascht, wenn sie an der Reihe sind und fangen dann erst an, die große Tafel mit den angeschriebenen Biersorten zu studieren. Die jungen Männer und Frauen hinter der Theke müssen mit einer Engelsgeduld ausgestattet sein, um hier arbeiten zu können. Mindestens jeder zweite Gast scheint das Hirn erst einzuschalten und langsam hochzufahren, wenn er gezielt gefragt wird, was er denn gerne trinken würde. „Äh, öh, was habt Ihr denn?“, heißt es dann, und während der Barmann auf die übersichtliche Holztafel zeigt und, gut erzogen wie er ist, gleichzeitig die Biersorten runterrattert, dreht sich der Gast um, hört gar nicht zu, sondern ruft durch den Raum zu seiner Begleitung, die irgendwo am Tisch sitzt: „Hör mal, was trinkst Du denn? Ein Bier? Pass auf, hier gibt es mehrere, warte mal, ich frage mal den Zapfer!“ Und zum Barmann gewandt: „Was habt Ihr denn für Biersorten?“ Der junge Barmann kann einen Seufzer nicht unterdrücken und wiederholt, was er gerade schon gesagt hat. Rattert die ersten zehn, fünfzehn Sorten erneut herunter, zeigt, fast schon verzweifelt, auf die Tafel hinter sich und wird doch wieder unterbrochen: „Also, ich will ein einfaches Pils. Habt Ihr Tuborg?“

Das ist der spannende Moment, wo üblicherweise irgendeiner der Wartenden nicht mehr an sich halten kann und sich vordrängt. „Tuborg gibt’s hier nicht“, heißt es energisch und, zum Barmann gewandt: „Ich möchte ein Imperial Mexican Biscotti Cake Break Imperial Stout und ein kleines No Sky in the Clouds Berliner with Cloudberries.“ Wahre Kennerschaft zeigt sich in der Fähigkeit, die originellen Biernamen stotter- und fehlerfrei über die Lippen zu bringen und damit den Tuborg-Fan immerhin soweit aus dem Konzept zu bringen, dass dieser vergisst, sich darüber zu beschweren, dass der Man Bun tragende Hipstertyp sich gerade ungeduldig und unhöflich vorgedrängt hat.

Wir finden das Warten in der Schlange mittlerweile gar nicht mehr so schlimm. Zum einen ist es offensichtlich sehr unterhaltsam – für das kleine Schauspiel gerade müsste man im Theater vermutlich richtig Geld bezahlen. Hier bekommt man es gratis. Zum anderen gibt uns die Warterei die Chance, nicht nur die große Tafel sorgfältig zu studieren, sondern auch, mal eben im schlauen Telefon nachzuschauen, wofür BRUS den nun steht. Und da haben wir es schon: Brausen, Rauschen, sagt das Wörterbuch, und „BRUS refers to the sparkling quality liquid obtains when carbonated; the frizzy feeling of great brew“, erläutert uns die Website der Tapperiet BRUS. Na also, da haben wir wieder etwas hinzugelernt.

Endlich ist es soweit, und wir können unsere Bestellung loswerden. Brav haben wir die Tafel studiert, und so ordern wir, zwar nicht ganz stotterfrei, aber doch zügig ein Weiss Day for a Beer und ein Zartes Blümchen, schnappen uns die frisch gezapften Gläser und suchen uns einen freien Platz.

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Stillleben: Zwei Biere vor Lagertanks

Wir haben Glück, am anderen Ende der Theke wird ein Platz frei, und wir können uns setzen. Von hier aus haben wir eine gute Übersicht über die ganze Halle. Wir sehen die Bierbänke, das Sudwerk und auch die Kochtheke, an der man sich kleine und große Leckereien bestellen kann. Frisch zubereitet, fast wie eine Art stationäres Streetfood. Alles ist in hellem Holz eingerichtet und wirkt angenehm, freundlich und entspannend, ein gewisses Hipstertum ist trotzdem zu verspüren. Und das, obwohl im Herrenklo groß und deutlich, golden glänzend steht „FUCK U HIPSTERS!“:

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Selbstironie?

Die beiden Biere sind fein. Das Weiss Day for a Beer soll ein kaltgehopftes Weißbier sein, von einer Weißbieraromatik spürt man aber nicht viel. Kräftige und fruchtige Hopfenaromen, eine deutliche Aprikosennote, aber wenig phenolische Aromen und auch nur eine recht geringe Spritzigkeit. Trotzdem ein sehr ordentliches Bier, 5,4% Alkohol und viel Geschmack. Das Zarte Blümchen als American Pale Ale (glutenreduziert) ist sehr ausgewogen gehopft. Leichte Fruchtnoten, ein paar Kräuter glaube ich identifizieren zu können. Dann ein schlanker Körper und ein sauberer, frischer Abgang. 4,9%. Warum es Zartes Blümchen heißt? Ich habe keinen blassen Schimmer, lediglich unanständige Assoziationen, die angesichts der Blähungen, die glutenempfindliche Personen von glutenhaltigen Speisen und Getränken bekommen, zart mit empfindsam gleichsetzen, und Rosetten als Blümchen kategorisieren…

Die Halle, in der sich die Tapperiet BRUS befindet, so lernen wir aus unserem schlauen Telefon weiter, war einmal eine Eisengießerei und Lokomotivenfabrik. Heute, wo die Stadt um diese alte Halle herumgewachsen ist und die Wohnhäuser direkt nebenan stehen, mag dies merkwürdig klingen – ein so schmutziges und lautes Gewerbe an diesem Ort, aber seinerzeit hat man das vermutlich als völlig normal empfunden. Nun jedenfalls ist hier eine Brauerei entstanden. Die Jungs hinter der Brauerei To Øl haben sich hier einen Traum verwirklicht, und so ist es denn auch kein Zufall, dass neben den hier gebrauten BRUS-Bieren vor allem To-Øl-Produkte auf der Getränketafel zu finden sind.

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das Sudwerk

Neben Brauerei, Ausschank, In-Door-Biergarten und Foodcourt befindet sich auch noch ein kleiner Laden in der Halle, in dem man nicht nur die BRUS-Biere, sondern auch allerlei Produkte rund ums Bier und – vor allem – leckere Lebensmittel kaufen kann. Ein Rundum-Erlebnis.

Uns gefällt’s, und so bleiben wir noch eine Weile sitzen, genießen den Trubel und die gleichzeitig entspannende Atmosphäre und tanken ein wenig Kraft für den langen Spaziergang zurück zum Hotel.

Die Tapperiet BRUS ist montags bis donnerstags ab 15:00 Uhr, freitags bis sonntags ab 12:00 Uhr geöffnet; kein Ruhetag. Der Shop ist immer ab 12:00 Uhr offen. Die Buslinie 5C bringt den durstigen Gast recht nahe an die Brauerei heran – von der Haltestelle Kapelvej (Nørrebrogade) liegt etwa 150 m südlich der ehemaligen Fabrikhalle.

Bilder

Tapperiet BRUS
Guldbergsgade 29
2200 København
Dänemark

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