Homburger Brauhaus Karl-Heinz Wierz GmbH
Homburg
DEU

Mehr als 35 Jahre ist es mittlerweile her, dass ein frischer Wind durch die alte, staubige Kneipenlandschaft in Deutschland wehte. Waren bis dato Kneipen und Gastwirtschaften entweder unendlich altmodisch (Ratskeller-Prinzip) oder nur auf eine bestimmte und begrenzte Zielgruppe zugeschnitten (Studentenkneipe, Rockerbar), begannen plötzlich überall sogenannte Konzeptkneipen zu entstehen – Pupasch und Pflaumenbaum waren vielleicht die bekanntesten Vertreter dieser Systemgastronomie, die es für einige Jahre ziemlich erfolgreich geschafft haben, generationen- und zielgruppenübergreifend die Menschen gemeinsam an die Theke zu bringen. Wohl jeder erinnert sich noch an die typische Inneneinrichtung dieser Ketten. Nach rund 15 Jahren begann sich der Trend totzulaufen, und mittlerweile gibt es nur noch einige wenige dieser einst so erfolgreichen Kettenkneipen.

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das Homburger Brauhaus

An diese Zeit der Systemgastronomie muss ich zurückdenken, als ich das Homburger Brauhaus betrete. Irgendwie erinnern mich Stil und Location dieser Gasthausbrauerei an damals. Mitten in einem Einkaufszentrum, zwischen Modegeschäften und Lottoannahmestelle gelegen, künstliches Grün, Elemente rustikaler Gemütlichkeit und Bausteine moderner Architektur. Das Ganze kleinteilig, hell, aber nicht zu hell, mit kleinen Sitzecken, größeren Sitzbereichen und genügend Tischen für Stehbiertrinker.

Merkwürdig altmodisch wirkt es, aber nicht im Sinne der Glorifizierung längst vergangener Jahrhunderte, sondern eher im Sinne einer vielleicht jetzt auch langsam abebbenden Modewelle.

Fast dreißig Jahre ist es her, dass ich hier in Homburg einmal gewohnt habe und im Saar-Pfalz-Center gelegentlich meine Einkäufe erledigt habe. Kaum dass ich weggezogen war, fast, wie um mich zu ärgern, eröffnete hier 1990 das Homburger Brauhaus – eine kleine Gasthausbrauerei, die im Stil an die Mode der Systemgastronomie anzuknüpfen schien, aber die abebbende Lust auf Pupasch-Konzept durch das Angebot selbstgebrauten Biers kompensierte.

Offensichtlich erfolgreich, denn auch jetzt, 27 Jahre später, ist das Brauhaus gut besucht. Trotz dass es Nachmittag ist, keine richtige Kneipenzeit, sondern eher die Zeit für ein paar Einkäufe, sitzen einige Gäste hier, und viele machen den Eindruck, als warten sie auf den Rest der Clique, der hoffentlich bald hier eintreffen wird.

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zeitlose (?) Einrichtung

Die Einrichtung wirkt, als habe sich seit der Eröffnung nichts verändert. Am Stirnende des großen Schankraums, direkt vor den Fenstern zur Straße, steht das kupferne Sudwerk. Daneben eine Tür, die auf die Terrasse führt, auf der man im Sommer sitzen und warme Abende mit Blick auf die Kupferkessel genießen kann. Heute, im Dezember, natürlich verwaist. Lediglich der eine oder andere Raucher steht fröstelnd für ein paar Minuten im kalten Nieselregen.

Drinnen sind direkt vor dem Sudwerk noch einige Stehtische frei, und ich stelle mich mit Blick auf Theke und Brauerei auf. Ein bisschen müde bin ich, und so überrasche ich den freundlichen Kellner mit einer Kombibestellung: Einen Kaffee und ein kleines Bockbier. Er hebt fragend die Augenbrauen, aber auf mein Nicken hin geht er achselzuckend zurück zur Bar, und nur wenige Augenblicke später steht das Gewünschte vor mir.

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das Bockbier – Etikett und Bier haben die gleiche trübe Kupferfärbung

Helles und Dunkles wären die Alternativen zum Bockbier gewesen – das sind die beiden Standardbiere, die hier jahrein, jahraus serviert werden. Zusätzlich variiert das Angebot zaghaft zwischen Weißbier im Sommer, Bockbier im Winter und Märzen zur Saison. Sehr zurückhaltend, sehr klassisch, um nicht zu sagen, langweilig.

Heute also das Bockbier. Dazu eine Tasse Kaffee. Kräftig kupferfarben ist das Bockbier, und sehr, sehr trübe. Skeptisch halte ich das Glas gegen das Licht. Bei angemessen langer Lagerung müsste es eigentlich ein wenig klarer sein. Oder zumindest etwas weniger trüb. Ich schnuppere am Glas, und es wirkt ein wenig dumpf, erdig. Der erste Schluck bestätigt dies leider. Keine Offenbarung! Eine recht hohe Restsüße, das kann bei einem Bockbier in Ordnung gehen, aber gleichzeitig dieser tendenziell erdig-muffelige Geschmack. Bei meinen eigenen Hausbräus habe ich gelegentlich ähnliche Fehlaromen und -geschmäcker erzielt, wenn ich aus falscher Sparsamkeit altes Malz und alte Hefe genommen habe, oder, schlimmer noch, die alte Hefe zusätzlich noch nicht ausreichend belüftet habe. Dann kamen üblicherweise genau diese Aromen dabei heraus.

Schade, ich bin ein wenig enttäuscht. Die Atmosphäre ist ja nett, der Service durchaus aufmerksam, und der Blick durch die Glasscheibe in den Gärkeller gefällt mir auch gut. Aber dann ein so langweiliges Bierangebot und so ein, tja, irgendwie lustlos gebraut wirkendes Bockbier? Hm…

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der Blickfang: das kupferne Sudwerk

Schnell bin ich gedanklich wieder beim Thema Konzeptgastronomie. Vielleicht läuft sich das Konzept Gasthausbrauerei auch bald tot? Im Zuge der Bierrevolution, während der überall spannende und interessante Bierkreationen auftauchen, ist vielleicht ein erzkonservatives Angebot Hell und Dunkel und ab und an mal ein Spezialbier, das so spezial aber gar nicht ist, nicht wirklich aufregend. Hat man mittlerweile hundert Mal gesehen. Und gefühlt die Hälfte der Male ist man vom muffigen Hausgeschmack nicht wirklich begeistert gewesen. Ärgerlich, wenn sich auch das Homburger Brauhaus hier einreiht.

Das Homburger Brauhaus ist von montags bis sonnabends ab 09:00 Uhr (!) durchgehend geöffnet (eine schöne Adresse für ein Frühstück!); sonntags nur ab 16:00 Uhr. An Feiertagen ist geschlossen. Es liegt in der Mitte der Stadt im Einkaufzentrum Saar-Pfalz-Center; direkt gegenüber kann man parken. Kommt man mit der Bahn, so sind es vom Bahnhof aus etwa fünf bis sieben Minuten zu Fuß in südlicher Richtung.

Bilder

Homburger Brauhaus Karl-Heinz Wierz GmbH
Talstraße 38 d
66 424 Homburg
Saarland
Deutschland

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