FIRST Craft Beer & BBQ
Budapest
HUN

„The Boss of Craft Beer“ – das ist schon eine recht selbstbewusste Behauptung. Wenn man so auf die Pauke haut, dann muss man damit rechnen, dass das eine gewisse Erwartungshaltung erzeugt.

Ich stehe in der Dob Straße in Budapest und schaue auf die lange Reihe von grauen Fensterläden, hinter denen sich erst seit wenigen Monaten die Bierbar FIRST Craft Beer & BBQ befindet. Jeder einzelne Fensterladen ist beschriftet. 19 Fassbiere. Frisches Bier direkt aus der Brauerei. Über 200 verschiedene Flaschenbiere. BBQ Smoker im Haus. Alles Behauptungen, die vermutlich den Tatsachen entsprechen. Dann aber auch große Sprüche, die auf dicke Hose machen: „We are the First“ und, na klar, „The Boss of Craft Beer“.

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eine lange Reihe von grauen Fensterläden macht auf die Bar aufmerksam

Na, da bin ich aber mal gespannt. Es ist Mittagszeit, etwas zu essen wäre jetzt nicht schlecht, und ein leckeres Bier dazu lasse ich mir zu dieser Zeit auch gerne schon schmecken. Rein geht’s!

Keine Überraschung: Der Schankraum ist schmal und langgestreckt, zieht sich all die Fensterläden entlang, die ich draußen schon bewundert habe. An der Theke, ebenso langgestreckt, die Reihe der Zapfhähne. 20 Stück. Moment Mal – stand draußen nicht etwas von 19 Bieren vom Fass? Ein etwas genauerer Blick löst diesen scheinbaren Widerspruch auf. In der Tat, 19 Biere sind vom Fass, die zwanzigste Sorte kommt aus dem Tank. Rot illuminiert liegt der Tank unter der Theke, durch ein Glasscheibe vom Schankraum her einsehbar. Das Bier kommt frisch aus der Brauerei, direkt in den Tank. Ohne Umwege über die Fassabfüllung. Also sind es doch zwanzig gezapfte Biere, 19 + 1.

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die BBQ Theke

Links neben der langen Theke kommt eine zweite, kleinere Theke – hier werden die BBQ Spezialitäten angeboten. Zu früher Mittagsstunde ist hier aber noch alles verwaist, lediglich eine stilisierte Zeichnung eines Rinds klärt den Besucher darüber auf, von welcher Stelle des Tiers welche Fleischstücke stammen.

Jetzt bin ich aber auf die Biere gespannt. Immerhin stammen zwölf der zwanzig Biere aus eigener Herstellung, aus der Brauerei FIRST The Craft Beer Co. Die anderen acht sind bekannte europäische Größen, BrewDog, beispielsweise, Omnipollo oder To Øl.

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die langgestreckte Bar

„The Boss of Craft Beer”? Wer so argumentiert, der muss auch in der Lage sein, erfolgreich einen der schwierigsten Bierstile überhaupt zu brauen, ein einfaches Pilsener. Schlank und dezent hopfig aromatisch, und vor allem: Keine Fisimatenten, die eventuelle Braufehler überdecken können. Am Pilsener zeigt sich, wer wirklich brauen kann, oder wer stattdessen einfach nur viel von allem nimmt und hofft, dass das Ergebnis irgendwie schon passt. Ich bestelle also ein kleines Glas vom hiesigen Pilsener.

Ordentlich gezapft, mit einem festen, weißen Schaum steht das Glas bald vor mir. Golden schimmert das Bier; es ist gefiltert und blank. Der Duft ist sauber. Feines, leicht heuartiges und duftiges Hopfenaroma, ein Hauch von Malz, sonst nichts. Der Antrunk ebenfalls sauber und frisch. Eine ordentliche Herbe wird im Schluck spürbar, bleibt aber nicht allzu lange haften und ist, vor allem, auch weich und nicht kratzig. Test bestanden. Das Pils ist prima. Lediglich eine noch etwas blumigere und verspieltere Hopfennote hätte gefehlt, um meine Höchstwertung zu erreichen.

Mittlerweile kommt mein Essen, ich hatte mir einfaches Chili con Carne bestellt. Vorsichtig probiere ich die ersten Löffel. Uih, scharf! Aber was habe ich in Ungarn, im Land der Paprika, erwartet? Würzig und aromatisch ist es, feurig-scharf brennt es auf der Zunge. Eine kleine, rote Chilischote schwimmt unschuldig am Rand. Vorsichtig beiße ich die Spitze ab, und es passiert genau das, was ich mir hätte denken können. Mit bricht der Schweiß aus, die Augen tränen; es brennt auf der Zunge und noch mehr im Hals. Schnell, ein weiteres Bier!

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Mosaic-Pilsener, das Bier mit der wundersamen Aromenwandlung

Heiser bestelle ich das Mosaic-Pilsener, und zum Glück geht das Zapfen schnell. Kernig und knackig gehopft ist es. Dem normalen Pilsener ähnlich, aber diesmal stark vom Mosaic-Hopfen dominiert. Zitronige und leicht harzige Noten in der Nase. Ich nehme erst einmal einen großen Schluck gegen das Brennen der Chili. Und siehe da: Zum ersten Mal erfahre ich in dieser Kombination, Chili und Mosaic, das Gefühl, von dem mir schon einige Biertrinker berichtet haben, dass nämlich die zitronigen und harzigen Noten des Mosaic-Hopfens plötzlich, je nach Konzentration und je nach Kombination mit anderen Aromen und Geschmäckern, umschlagen können und stattdessen kräuterig werden, nach Petersilie und nach Liebstöckel schmecken.

Mein frisches Mosaic-Pilsener wird plötzlich zum Petersilienbier. Nicht, dass das nun nicht passen würde, ganz im Gegenteil, es ist eine außerordentlich gelungene Kombination mit dem scharfen Chili con Carne, aber doch ein wirklich ungewöhnlicher Effekt. Amüsiert genieße ich diesen Effekt, esse das Chili langsam zu Ende und trinke, Schluck für Schluck, das kräuterige Mosaic-Pilsener dazu. Nur die angebissene Chili-Schote, die bleibt jetzt am Rand des Tellers liegen.

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und alles, was bleibt, ist eine angebissene Chili-Schote

Langsam beginnt sich die Bierbar jetzt zu füllen. Die Stimmen hallen unter dem Ziegelgewölbe, die warme, gelbliche Beleuchtung kommt jetzt erst so richtig zur Geltung. Der knallrote Neon-Schriftzug CRAFT BEER setzt ein paar gemütliche Akzente, und es entsteht genau die Atmosphäre, in der ich nun noch für ein paar weitere Biere sitzen könnte – die Auswahl wäre ja groß genug. Soll es noch ein Pale Ale oder ein IPA sein? Ein Belgian Wit oder ein Sour Cherry? Lieber Blueberry oder Belgian Cherry? Oder gar ein Chocolate Vanilla Russian Imperial Stout? Die Macher der Brauerei FIRST The Craft Beer Co. scheinen sehr kreativ zu sein.

Ich frage den jungen Kellner, wo die Brauerei denn sei, und er gibt mir nicht nur die Adresse, sondern auch den Hinweis, dass das durchaus noch in Reichweite der öffentlichen Verkehrsmittel sei; mit dem Bus käme man da ganz gut hin. Und: Es gebe einen Taproom dort, der heute, am Sonnabendnachmittag, auch geöffnet sei.

Da steht der Entschluss schnell fest: Hier trinke ich jetzt kein weiteres Bier mehr, sondern ich nutze die Gelegenheit und besuche das Mutterhaus. Dafür reicht die Zeit.

Die Bierbar FIRST Craft Beer & BBQ ist täglich ab 12:00 Uhr bis mindestens 01:00 Uhr morgens geöffnet; kein Ruhetag. Sie liegt am Südende der Dob Straße, von der Straßenbahn- und Metro-Station Astoria (Metro M2, Straßenbahn 47, 48 und 49) nur etwa zweieinhalb Minuten entfernt.

Bilder

FIRST Craft Beer & BBQ
Dob Utca 3.
1074 Budapest
Ungarn

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