Martin Droschke & Norbert Krines
111 deutsche Craft Biere die man getrunken haben muss

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111 deutsche Craft Biere die man getrunken haben muss

„Martin, Norbert, ich hoffe, Ihr sitzt bereits wieder beisammen und schreibt schon am nächsten Buch! Es ist höchste Zeit!“, habe ich am 22. Oktober 2016 in meiner Rezension des Buchs 111 fränkische Biere die man getrunken haben muss geschrieben. Und jetzt ist die gute Nachricht da: Ja, sie haben bereits wieder zusammen gesessen, und ihr neuestes Produkt ist seit Ende Februar 2018 auf dem Markt: 111 deutsche Craft Biere die man getrunken haben muss.

Ich halte das Buch in der Hand und freue mich wie ein kleines Kind. Ich blättere mal hierhin und mal dorthin. Entdecke hier ein Bier, das ich liebe (Heidenpeters Thirsty Lady, Seite 98), dort eines, dass ich noch nicht getrunken habe, es aber immer schon wollte (Hechtbräu Amberella, Seite 94), und dort schließlich eines, von dem ich bisher noch nicht einmal gehört habe (B(r)auhof Saar Cherry meets Ginger, Seite 42). Die ersten zwei Minuten sind um, ich habe noch nicht richtig angefangen, zu lesen, aber ich bin mir nach diesen drei zufällig aufgeblätterten Seiten bereits sicher: Das ist es! Da werde ich wieder, statt zu arbeiten, lesen, lesen und lesen.

Tja, genau so kommt es auch. Keine zwei Tage dauert es vom Beginn der Lektüre bis zum Ende des Buchs. 111 Doppelseiten, alle einheitlich gestaltet. Auf der linken Seite ein wie immer erfrischend und unterhaltsam geschriebener Text – Anekdoten, Geschichten, Erlebnisse. Auf der rechten Seite ein ganzseitiges, randloses Farbfoto in bester und vor allem Appetit machender Qualität mit einem Querbalken, in dem Daten, Zahlen und Fakten zu Bier und Brauerei und immer auch ein Tipp zu weiterführenden Erlebnissen enthalten sind.

Ich blättere die letzte Seite um. Fertig! Zwei Gedanken beherrschen mich jetzt. Erstens möchte ich sofort in den Zug steigen und losfahren, die nächstbeste der beschriebenen Brauereien aufsuchen, das Bier frisch aus der Produktion trinken, mit der Brauerin oder dem Brauer schnacken und einfach nur Spaß haben. Zweitens rechne ich in Gedanken, wie lange es wohl dauern wird, bis die beiden Autoren mit dem nächsten Buch auf den Markt kommen. Frühestens in zwei Jahren? Ach, viel zu lang.

Martin, Norbert, da ist Euch wieder etwas gelungen, das Seinesgleichen sucht. Eine hervorragende Bierauswahl, die nicht nur exotische Biere umfasst, sondern auch, ganz im Sinne von Craft = Handwerk, eher klassische Bierstile mit einschließt, die handwerklich und gut gebraut sind. Auch der Spagat zwischen Klein- und Kleinstbrauern auf der einen Seite und den Bierfabriken, die mittlerweile auch mit guten Kreativbieren auf den Markt drängen (zum Beispiel Köstritzer mit der Serie Meisterwerke, Seite 116, oder Bitburger mit der Marke Craftwerk Brewing, Seite 68) ist gelungen. Wanderbrauer, Gipsy Brewer oder Kuckucksbrauer – wie auch immer man die Brauer ohne eigene Hardware nennen mag, die sich in anderen Brauereien einmieten – sind ebenso enthalten.

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jedes Bier bekommt eine Doppelseite

Und als kleiner Beweis, dass ich in diesen knapp zwei Tagen tatsächlich das ganze Buch gelesen und nicht nur mit dem Daumen durchgeblättert habe: Auf Seite 113 wird ein Besuch im The British Pub in Hamburg empfohlen. Der hat leider wohl genau in der Phase zwischen Abgabe des finalisierten Manuskripts und der Drucklegung zugemacht. Diese Empfehlung geht leider ins Leere. So schnell wandelt sich die Szene. Und auf Seite 139 ist der Brauer von Mashsee in Hannover mit einem „a“ zu viel benamst worden: Gigala statt Gigla. Kleinigkeiten, deren Erwähnung nur meiner Pedanterie geschuldet ist, und keinesfalls die Meisterleistung der Autoren schmälern soll.

Ich habe großes Glück: Während der zwei Tage, an denen ich das Buch lese, findet in Fürth in der Kofferfabrik eine Bierdegustation statt, bei der einer der beiden Autoren (Norbert) unter anderem auch aus diesem Buch liest. Die perfekte Gelegenheit, ihm eine direkte Rückkopplung zu geben und natürlich auch eine persönliche Widmung zu ergattern.

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Widmung ergattert!

Eine rundum gute Sache. Ausdrückliche Kaufempfehlung!

Damit jetzt aber niemand denkt, diese meine Begeisterung wäre gekauft (dadurch, dass ich das Buch als Rezensionsexemplar kostenfrei erhalten habe, oder dadurch, dass ich mit Norbert bei der Bierdegustation gemeinsam viel Bier getrunken und später die Widmung bekommen habe), noch ein paar kritische Anmerkungen an den Emons Verlag:

Ganz klasse, dass der Umschlag komplett neu gestaltet wurde und der „Corporate Identity“ der Serie 111 Dinge die man machen muss, nicht mehr folgt oder folgen muss. Wir erinnern uns: Das Buch 111 fränkische Biere die man getrunken haben muss, hatte, wie der Rest der Serie auch, ein Layout, das aussah, als hätte es der noch nicht ausgebildete Aushilfspraktikant in der Grafikabteilung nach Feierabend alleine zusammengehunzt. Die neue Ausgabe ist da viel besser. Ein schönes, stimmiges Design, ohne Anfängerfehler, individuell aus der Serie herausstechend, durch den Prägedruck auch in der Haptik ganz wunderbar. Jetzt muss sich der Verlag nur noch dazu durchringen, den albernen goldenen Aufkleber „Das Original“ wegzulassen. Der wirkt nach wie vor marktschreierisch-billig, als müsse man mit diesem Buch auf dem Grabbeltisch bei Woolworth konkurrieren. Mensch, Leute, natürlich ist es das Original, was soll es denn sonst sein? Die chinesische Fälschung „Murtin Draschke und Nörbert Krenes – 112 deutsche Industriebiere, die man eher nicht getrunken haben muss“, ist mir nämlich trotz intensiver Recherche noch nicht untergekommen. Obwohl ich sie als Sammler der Vollständigkeit halber auch gerne hätte.

Also, Spaß und Spott beiseite, lieber Verlag: Lasst den Quatsch doch weg. Ist doch albern. Wir sind alle erwachsen! Ist doch auch so ein ganz hervorragendes Buch, das diesen Aufkleber nicht nötig hat.

Zurück zum Inhalt: Martin und Norbert, sehr gut gemacht, Ihr könnt Euch wieder setzen. Eine glatte Eins!

Martin Droschke & Norbert Krines
111 deutsche Craft Biere die man getrunken haben muss
Emons Verlag GmbH
Köln, 2018
ISBN 978-3-7408-0338-4

Anmerkung: Das Buch wurde mir vom Verlag zu Rezensionszwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Ich glaube, ich habe mich davon nicht beeinflussen lassen.

Nachtrag 11. März 2018: Der Teufel ist ein Eichhörnchen. Jetzt hatte ich in meiner Rezension behauptet, das Buch in Gänze gelesen zu haben, und dies auch geglaubt. Und jetzt entdecke ich, dass ich im Rahmen der Signierstunde am 9. März in Fürth beim Fränkischen Bierdegustationsabend mindestens zwei Doppelseiten mit Bier verklebt (also, vermutlich war es Bier – Saft jedenfalls nicht) und die dann natürlich nicht gelesen habe. Bei der einen ist es nicht weiter schlimm. Bei der anderen jedoch schon (Straßenbräu Little Bichos, Seite 196).

Warum es schlimm ist, ausgerechnet diese Seite, weil verklebt, nicht gelesen zu haben? Ganz klar, weil dort Folgendes steht (Achtung, kurze Leseprobe):

„Und was meint der Gaumen zur Vergärung dieses multinationalen Warenkorbes? ‚Das Bier ist lecker. Richtig lecker‘, schwärmt der Kosmopolit der deutschen Berufstrinker, Volker Quante, auf seinem unbedingt empfehlenswerten Blog ‚Brunnenbräu‘. ‚Ohne es ausdrücklich verlangt zu haben, bekomme ich es in einem großen Rotweinglas serviert. Ideal für diese Art von Bier. Eine dicke, fast sämige Konsistenz, kräftige Röst- und Kakaoaromen, eine deutlich spürbare, aber nicht zu dominierende Bittere.‘

Volker Quante hat das Little Bichos in Madrid im Slow Mex (Calle de San Vicente Ferrer 33) getrunken, einer Craft-Beer-Bar mit Zapfhähnen, unzähligen Flaschenbieren und mexikanischer Küche. Spanien hat Deutschland in Sachen Kreativbier schon vor Jahren abgehängt.“

Ich lasse das jetzt mal unkommentiert stehen und freue mich still und leise.

Und grüble noch eine Weile, was der Zufall mir damit sagen wollte, ausgerechnet diese Seite meinem zeitgerechten Lesezugriff entzogen zu haben…

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