Ottakringer Braukultur-Wochen 2018
Gusswerk
Wien
AUT

An zwei aufeinanderfolgenden Tage in der Ottakringer Brauerei AG bei den Ottakringer Braukultur-Wochen? Ist das nicht langweilig?

Aber keineswegs. Zum einen ist ein Tag gar nicht genug, um alle Streetfood-Stände auszuprobieren und sich durch die Biere der Ottakringer Brauerei und des dazugehörigen Brauwerks zu verkosten, und zum anderen wird nach jeweils drei Tagen im Rahmen des Partnerprogramms auch eine neue Kleinbrauerei als Gast auf dem Fest begrüßt. War es gestern noch die Brauerei Gara Guzu aus der Türkei, die am letzten ihrer drei Tage fast schon trocken getrunken war ob der Beliebtheit ihrer Biere, so ist es heute das Brauhaus Gusswerk aus Salzburg.

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der Biergarten war zu früher Stunde schon voll

Der Biergarten ist schon ziemlich voll – viele Gäste warten gar nicht erst auf die Gastbrauerei, sondern schlagen schon bei der Happy Hour von 17:00 bis 18:00 Uhr zu, bei der es das Bier der Ottakringer Brauerei um einen Euro pro Seidl gibt. Da können die Gusswerk-Biere noch so spannend und aufregend sein, am Ende zählt der Preis doch mehr als die Neugier. Lieber ein bekanntes Bier für fast umsonst (nur Freibier ist billiger), als ein unbekanntes Bier für einen normalen Preis.

Glück für uns, die wir deshalb auf der anderen Seite des Platzes ohne lange Warteschlange die Spezialitäten aus Salzburg genießen können und uns gleich zu Anfang mit einem Nicobar India Pale Ale erfreuen können. Eigentlich ja ein Bier, das mit seinen 6,4% bei der Bullenhitze dieses Sommers zu stark ist, andererseits … es sind ja kleine Gläser, eines geht da schon!

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heute dominiert das Brauhaus Gusswerk

Es folgt ein feines Red Ale mit nur 4,7% Alkohol, und insofern schon deutlich besser an das Wetter angepasst.

Im Biergarten ist Selbstbedienung angesagt, und um so größer ist mein Erstaunen, als mir plötzlich ein leuchtend rotes Bier am Tisch serviert wird. Ich sehe auf und blicke Mike Neureiter ins Gesicht, dem Brauer vom Brauwerk, der kleinen Handwerksbrauerei als Ableger der großen Ottakringer Brauerei. „Kennst mich noch? Du musst mal unsere Berliner Weisse mit Sauerkirsch probieren!“ Er stellt das Glas vor mich hin und verschwindet wieder im Menschengewühl.

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eine leuchtend rote Berliner Weisse mit Sauerkirsch

Das Bier ist ausgezeichnet. Frisch säuerlich und spritzig, schön fruchtig, mit nur einem Hauch Sauerkirsche, nicht zu dominant. Keine Restsüße (meine Berliner Freunde würden sagen: „furztrocken“), nur wenig Alkohol (3,2%). Jawoll, ein perfekter Durstlöscher für den Hochsommer.

Eine ganze Reihe von Berliner Weissen habe er angesetzt, erzählt mir Mike einen Moment später, als ich ihn an seinem Brauwerk-Stand besuche. Lauter verschiedene Zutaten habe er verwendet, und er würde nun nach und nach immer ein anderes Fass anstechen. Die Sauerkirsche sei aber besonders gut gelungen.

Inzwischen ist es nicht mehr lang bis 18:00 Uhr. Die Happy Hour endet, und auf der Bühne wird die Vorstellung von Reini Barta, dem Brauer vom Gusswerk, vorbereitet. Ein großes Fass Freibier wird bereitgestellt (es geht also doch noch billiger als während der Happy Hour), und nach ein paar Begrüßungsworten der Gastgeber und einer kurzen Rede von Reini wird es angestochen – was natürlich nicht ohne das übliche Gepansche vonstattengeht.

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Fassanstich

Blitzschnell bildet sich eine lange Schlange, Freibier ist ein Stichwort, das die Massen bewegt!

Es dauert nicht lange, bis das Fass leer ist und wieder ein wenig Ruhe einkehrt. Jetzt wächst auch die Schlange am Gusswerk-Stand auf; das Angebot ist allerdings auch einladend groß. Wir genießen das Austrian Amber Ale, ein fast schon klassisches Bier mit 5,4%, danach dann die Green Betty, ein dunkles Bier, das mit ebenfalls 5,4% zunächst nach nichts Besonderem aussieht, aber nach dem ersten Schluck mit herrlichen Kräuteraromen aufwartet. Wermuth, Gundlrebe, Girsch und Mädesüß sind in diesem Bier verbraut und verleihen ihm einen ganz eigenen Charakter – fein kräuterig, geradezu gesund wirkend, aber keinesfalls medizinisch schmeckend. Wohl ausbalanciert. Sehr schön!

Wenn ich persönlich es auch für esoterischen Humbug halte, so probiere ich das Jacobsgold doch trotzdem: Bei Vollmond gebraut, angeblich deswegen mit besonderer „Kraft und Magie“. Ist zwar alles Quatsch, aber das Bier selbst schmeckt trotzdem ausgezeichnet. Wunderbar weich und ausgewogen, ein feiner Gaumenschmeichler mit 4,9%.

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hier geht es zu Reini und seinen Bieren

Mittlerweile stehen wir mit mehreren Bierkennern rund um Reini herum und hören uns Geschichten aus der Anfangszeit der Brauerei an. Seine ersten Erfahrungen als Brauer hier in Ottakring, später dann die Gründung der eigenen Brauerei im Gusswerk am Stadtrand von Salzburg, dann der Umzug vor die Tore der Stadt nach Hof. Eine schöne Erfolgsgeschichte.

Zu schönen Geschichten gehören auch schöne Biere, und wir werden mit tiefersinkender Sonne immer mutiger. Wir wagen uns an das neunprozentige Horny Betty, ein weiches und rundes Starkbier, dass seinen Namen vom in geringer Dosierung verwendeten Horny Goat Weed bekommen hat, vom Elfenblumenkraut. Angeblich ein leichtes Aphrodisiakum. Schmecken tut’s ganz hervorragend; ob es als Aphrodisiakum auch wirkt, bleibt angesichts der Sommerhitze allerdings unbeantwortet – ich muss an Ideal denken, die Berliner Band der frühen Achtziger, und ihren Song Sex in der Wüste: „Jeder denkt das eine, doch dafür ist’s zu heiß…“

Ganz mutig, geradezu übermütig ist es, nun noch das Krinnawible zu probieren. 14,5% Alkohol, mit Whiskymalz gebraut, ein hammerhartes Bier. Bei der Hitze nicht zu empfehlen, auch wenn es noch so gut schmeckt. Und auch wenn Reinis Geschichte über den Namen noch so spannend ist, denn es ist in einem alten Bergstollen gelagert worden, in einem Berg, in dem angeblich das Krinnawible umgeht, ein Geist in Gestalt eines alten Weibs (Wible), der Wanderer verschreckt, Vieh verscheucht und auch sonst allerhand Unfug anstellt.

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Ottakringer und Gusswerk

Lecker war’s, und auch die Geschichten sind spannend, aber der Alkohol gepaart mit der Sommerhitze zeigt Wirkung. Nur noch von fern dringen die Worte zu uns durch, und der Restverstand mahnt: Wenn Ihr jetzt noch ein weiteres Bier trinkt, dann ist der Tag morgen gelaufen. Noch könnt Ihr mit einem fröhlichen Rausch heimlaufen, aber jeder Schluck mehr ist Übermut. Und so beschließen wir den Tag und das Brauereifest.

Wieder einmal leckere Biere, gute Gespräche, viel Spaß – prima war’s!

Die Ottakringer Braukultur-Wochen 2018 finden auf dem Gelände der Ottakringer Brauerei AG statt, und zwar vom 28. Juni bis 29. August 2018, täglich (außer sonntags) ab 16:00 Uhr. Vom 2. bis zum 4. August 2018 war das Brauhaus Gusswerk die Gastbrauerei des Festivals. Zu erreichen ist die Brauerei am besten mit der Straßenbahnlinie 9, Haltestelle Johann-Nepomuk-Berger Platz, direkt vor dem Eingang zur Brauerei.

Bilder

Ottakringer Braukultur-Wochen 2018
Gusswerk
Ottakringer Platz 1
1160 Wien
Österreich

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