Browar Stu Mostów
Wrocław
POL

„Best brewery in town!”

Nur Sekunden, nachdem ich in den Social Media meinen Status aktualisiert habe, poppt die kurze Nachricht eines Wiener Bierfreunds auf dem Display meines Telefons auf.

Aha! Na, das erweckt natürlich eine gewisse Erwartungshaltung, und entsprechend neugierig stiefeln wir die steile Treppe in das obere Stockwerk des alten Ziegelbaus der Browar Stu Mostów hoch.

Browar Stu Mostów – Brauerei der hundert Brücken. Es waren allerdings keine hundert Brücken, die wir überqueren mussten, um von der Altstadt hierher zu kommen, sondern vielleicht nur sieben, und der problemlose und gut organisierte öffentliche Nahverkehr (Ewige Suche nach Ticketautomaten und Kleingeld? Nicht in Wrocław – hier steigt man einfach ein, tippt mit der Kreditkarte an den Kartenleser am Eingang des Busses oder der Straßenbahn und fertig…) hat uns in weniger als zehn Minuten hierhergebracht. Ein paar Meter Fußweg noch, und schon stehen wir vor dem alten Ziegelbau.

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früher befand sich hier ein Kino

Früher war hier das Kino Wodomierz untergebracht, später dann stand das Gebäude verlassen und leer und begann, zu verkommen. Ein paar Jahre vorher schon (2004) hatte die altehrwürdige Breslauer Brauerei Browar Piastowski geschlossen, und die Stadt stand nach Jahrhunderten großartiger Brauereitradition plötzlich ohne Brauerei da. Naja, fast ohne, denn es gab noch die Minibrowar Spiż im Rathauskeller, aber das ist bis heute nur eine touristisch orientierte Gasthausbrauerei, deren Biere einen sehr zweifelhaften Ruf haben. Und auch die Bierhalle, die ja eigentlich nur ausschenkt und woanders braut, und den Złoty Pies, die noch relativ junge Gasthausbrauerei am Markt, kann man nicht wirklich ernst nehmen.

Gregorz und Arletta Ziemian sahen hier die Chance, ihre Träume zu verwirklichen. Ursprünglich aus einer anderen Branche kommend, haben sie auf ihren vielen Reisen die neue und kreative Bierszene kennen und lieben gelernt und den Plan gefasst, eine eigene Handwerksbrauerei zu eröffnen. Das alte Kinogebäude direkt am Ufer der Alten Oder bot dafür eine gute Möglichkeit, und dann ging alles Schlag auf Schlag.

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ein Traum wurde Wirklichkeit

2014 wurde die Brauerei eröffnet; gerade erst feierte sie ihren vierten Geburtstag, unter anderem mit einem ganz besonderen Bier, nämlich dem WRCLW Imperial Stout Nitro Bourbon Barrel Aged 2018. Ein typisches Szene-Bier, bei dem der Name allein schon zwei Zeilen auf dem schwarzen Brett an der Theke einnimmt…

Soweit also das, war wir uns im Vorfeld schon erhört und erlesen hatten – und jetzt kommt der Abgleich mit der Realität.

Am Ende der steilen Treppe stehen wir in einem offenen Schankraum. Mittendrin die Theke mit zehn Zapfhähnen, sieben davon mit eigenen Bieren bestückt, drei mit hochwertigen Gastbieren. Hinter den Zapfhähnen auf wenigen Quadratmetern nur eine winzige Kochnische, in der zwei junge Männer dicht an dicht stehend ein paar leckere Kleinigkeiten zum Bier bereiten, und vor der Theke ein halbes Dutzend kleinerer Tische mit aus verzinktem Blech gedengelten Tischplatten.

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im Taproom

Wir nehmen an einem der Tische Platz und stellen fest, dass wir von hier aus den perfekten Blick in das Sudhaus haben. Direkt senkrecht unter uns stehen die beiden Edelstahlgeräte der 20-hl-Anlage aus dem Hause BrauKon, und in der großen Halle verteilen sich die Gär- und Lagertanks und sonstigen Gerätschaften. Kommt man an einem normalen Arbeitstag, so kann man während des Biergenusses hier den Brauern bei der Arbeit zusehen; heute, am Sonntag, ist natürlich alles ruhig.

Während ich mir noch den Hals verrenke und versuche, die Details im Sudhaus zu erkennen, schäkert meine holde Ehefrau schon mit der jungen Kellnerin und bestellt erstmal ein Probierbrett mit vier kleinen Gläsern. „Ich hab dann mal die ersten vier Biere genommen, wir nehmen danach noch ein zweites Brettchen, und dann sind wir mit dem Angebot fast durch“, erzählt sie zufrieden.

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ein buntes Angebot

Gut gemacht! Augenblicke später steht das Brettchen vor uns, und wir verkosten uns durch die Welt der hellen Biere: WRCLW Pils (5,0%), Salamander Pale Ale (4,8%), Salamander Brut IPA (6,3%) und Salamander AIPA (6,8%). Mit Ausnahme des Brut IPA, das durch seinen absichtlich knochentrockenen Charakter die Hopfenbitter ein wenig überbetont, schmecken sie uns ganz vorzüglich. Null Fehlgeschmäcker, sehr stilgetreu – es gibt eigentlich nichts zu meckern, und auch das Brut IPA ist schon okay, unsere Unzufriedenheit gilt eher dem Stil als diesem konkreten Bier. Obwohl, wenn man sich nach ein paar Schlucken an den knochentrockenen Charakter gewöhnt hat, ist es fast schon wieder gut.

Mit dem Bier kommt der Hunger. Es ist immer dasselbe. Wir nehmen uns vor, wenig und gesund zu essen, und kaum haben wir ein oder zwei Bierchen probiert, schlagen wir alle guten Vorsätze in den Wind. Die dicken Kroketten mit den feinen Soßen schmecken als Snack zum Bier aber auch gar zu gut…

Jetzt kommt Brett Nummer 2, und es wird bunter auf dem Tisch. Das WRCLW Hefeweizen (4,5%) enttäuscht uns ein wenig, weil es sich nicht zwischen Weißbier und Wit entscheiden kann und etwas fahl und leicht oxidiert daherkommt, aber die anderen drei Biere machen es wieder wett. Das Salamander Blackcurrant Milkshake IPA (5,9%) bringt leuchtende Farbe und angenehm fruchtige Säure auf den Tisch, das Hot Smokey Sanchez (7,0%), ein Porter mit Chipotle Peppers, gebraut in einer Kollaboration zwischen den Spaniern von La Quince und den niederländischen Kaapse Brouwers bringt Exotik ins Spiel, und das Jubiläumsbier der Gastgeber, das oben schon erwähnte WRCLW Imperial Stout Nitro Bourbon Barrel Aged 2018 mit 11,0% Alkohol beeindruckt uns auf der ganzen Linie. Ein wuchtiges Bier, bei dem aber alles stimmt. Schwer und mächtig, dabei samtweich, und die Aromen von der Fasslagerung bringen eine gewaltige Komplexität. Vorzüglich.

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Bierbrett 2 bringt Farbe auf den Tisch

Damit könnten wir es eigentlich gut sein lassen, aber nun packt uns der Übermut, auch noch das 10,5%ige Feasting with Panthers der englischen Wylam Brewery probieren zu wollen. Zum Glück lässt sich die junge Dame überreden, uns nur ein ganz kleines Glas zu servieren, so dass wir den uneingeschränkten Genuss (denn das ist es fürwahr!) nicht hinterher bereuen.

Einen herrlichen Sonntagnachmittag verbringen wir hier. Die Atmosphäre ist sehr angenehm, die Jungs und Mädels (alle ganz jung) sind unwahrscheinlich freundlich, die Biere sind mit ganz wenigen Ausnahmen exzellent und das Essen dazu, insbesondere angesichts der winzigen Kochnische, ganz vorzüglich.

„Best brewery in town?” Ich glaube, mein Bierfreund aus Wien hat recht. Die Browar Stu Mostów ist ein Muss, wenn man in Wrocław ist!

Die Browar Stu Mostów mit ihrem integrierten Schankraum ist täglich ab 12:00 Uhr durchgehend geöffnet, sonnabends und sonntags erst ab 14:00 Uhr. Während der Woche gibt es preiswerte Mittagsmenüs. Zu erreichen sind Brauerei und Taproom mit den Straßenbahnen 6, 11 und 23 oder den Bussen 106, 115, 128, 148, 246, 251, 904, 914, 924, A und N, Haltestelle Kromera. Von dort aus sind es drei bis vier Minuten zu Fuß.

Bilder

Browar Stu Mostów
Jana Długosza 2
51-162 Wrocław
Polen

4 Kommentare

  1. Beste Brauerei Breslaus? Würd‘ ich nie laut sagen, um’s mir mit Browar Profesja nicht zu verderben… 🙂 Aber die machen da schon eine ganze Menge richtig am rechten Oderufer. Mein Herz haben sie spätestens erobert, indem sie sich in die Breslauer Biergeschichte eingearbeitet und einen Schöps ins reguläre Sortiment aufgenommen haben. Sie scheinen auch erste Versuche mit einem Vertrieb in Deutschland zu machen, meine LIebste hat neulich zwei Biere aus der Salamander-Serie (in 0,33l-Flaschen, also eher untypisch) in einem Getränkemarkt gefunden!

    Nebenbei: Ihr müsst ja ganz hervorragend zu Fuß sein, wir haben damals definitiv länger gebraucht als 3–4 Minuten von der Tramhaltestelle. Allein schon, um über diese grauenvolle Kreuzung zu kommen… 5–7 Minuten darf man gerne einplanen, find‘ ich, da muss man sich auch noch nicht für schämen, oder? 🙂

    • Tja, Gerrit, jetzt war ich halt so frech und habe es zwar nicht laut gesagt, aber immerhin geschrieben… Ist wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen, was die Qualität der Biere anbelangt. Die Brauerei selbst habe ich bei Profesja noch nicht gesehen – das haben wir zeitlich nicht hingekriegt.

      Was die drei bis vier Minuten anbelangt: Wir sind mit dem Bus hingefahren, der hält bereits auf der richtigen Seite der Straßenkreuzung – das macht den Unterschied aus. Und als wir zurückgefahren sind, haben wir die Straßenbahn kommen gesehen und uns im polnischen Nationalsport geübt: Diagonal im Laufschritt über alle Straßen und roten Ampeln, um sie noch zu kriegen. Das lief dann ebenfalls auf höchstens vier Minuten raus…

      Mit bestem Gruß nach Hamburg, und lasst es Euch über die Feiertage gut gehen!

      VQ

  2. Cześć, cieszę się że spodobało Wam się i zasmakowało w Browarze Stu Mostów – byliśmy w 2017 we trójkę z Piotrusiem, a w 2018 tylko we dwoje i również jesteśmy pod wrażeniem – budynku, piw, jedzenia i obsługi.
    Tylko by dać przeciwwagę dla „Best brewery in town!“ polecamy wizytę w Warsztacie Piwowarskim – to „tylko“ browar rzemieślniczy, bez wyszynku, ale piwo na wynos możesz kupić.
    A w Spiżu w 2017 było zdecydowanie lepiej niż w 2012 😉
    pozdrawiam,
    KT

    • Cześć, Krzyśku, dziękuję bardzo za miłe słowa.

      Oczywiście „best brewery in town“ to mocne stwierdzenie. Przecież nie pisałem „best beer in town“, hehe. Dobry bar to zawsze obowiązkową częścią dobrego browaru. W sumie zawsze chodzi o całość – dobre piwo, dobra obsługa i dobry bar.

      Mam nadzieję, że w tym roku spotkamy się na reszcie znów osobiście. Pozdrowienia dla was wszystkich trzech,

      VQ

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