Maison BAPBAP
Paris
FRA

[Blick zurück auf den 4. Januar 2020]

Eine kleine Seitenstraße irgendwo in Paris. Maison BAPBAP steht über der Glasfront, und eine Metallstange, die mit ihrer Rostpatina auf den ersten Blick wie ein kerzengerade gewachsener Baumstamm aussieht, markiert den Eingang in den Taproom, der jetzt, am frühen Nachmittag, verwaist aussieht. Ob da wohl offen ist?

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die Metallsäule sieht fast wie ein Baumstamm aus

Wir drücken die Glastür auf und betreten den Raum. Ein bärtiger junger Mann in blauer Latzhose, weißem T-Shirt und knallorange leuchtender Pudelmütze ruft uns bedauernd etwas zu. Hm, vielleicht ist doch geschlossen? Ich blicke ihn fragend an und erkläre, dass ich leider kein Französisch verstünde. „No problem“, kommt zurück, „I just wanted to tell you that you missed the brewery tour by five minutes.”

Ich schaue ihn etwas enttäuscht an. „No worries, if you don’t speak French, it wouldn’t have been a pleasure at all, because this tour was in French language only”, versucht mich der Barmann wieder aufzumuntern. „Wanna have a beer?“

Da kann ich natürlich nicht nein sagen. Ich schau zu meiner holden Ehefrau, meiner Tochter und meinem Enkel. „Ein Bier geht doch, oder?“ Ich erhalte ein gnädiges Nicken zur Antwort und wende mich der Bierliste hinter der kleinen Bar zu. Auf Holzleisten stehen dort mit auswechselbaren Buchstaben, Dominosteinen gleich, die Biernamen. Ein bunter Mix aus verschiedenen Stilen. Porter, Saison, Wit, IPA, Pale Ale, Altbier, … Die Wahl fällt schwer.

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acht verschiedene Biere sind im Angebot

„Ich würde Dir ja das Saison empfehlen“, sagt der Barmann. „Aber das ist das stärkste Bier im Angebot, ich weiß nicht, ob Du am frühen Nachmittag schon ein starkes Bier möchtest.“

Ach, was soll’s. Wenn es bei einem Bier bleiben soll, dann darf es ruhig auch das etwas Stärkere sein, denke ich mir. Saison gehört sowieso zu meinen Lieblingsstilen, und es gibt schließlich auch kleine Gläser mit nur 25 cl. „Ja, mach mal!“

Während der Barmann zapft, schaue ich mich im Taproom der Brauerei BAPBAP um. Ein Durcheinander von Stilen und Dekoration. Hier helles Holz, dort dunkelblaugrau gestrichene Wände und Regale. Dann wieder schneeweiß und glänzender Edelstahl. Reste einer alten Einbauküche mit simplen Spanplatten als Ablage. Ein paar ganz simple Stühle und Tische. Zwei Sessel und ein Couchtisch, die wirken, als seien sie gerade vor der Sperrmüllabfuhr gerettet worden. Teile der Wände sind weiß gefliest, als ob hier vorher eine Bäckerei oder Fleischerei gewesen wäre. Das ist jetzt wirklich kein gewollt provozierendes Dekor, sondern offensichtlich aus Sparsamkeit zusammengetragene Einrichtung für wenig Geld.

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die Einrichtung ist sehr spartanisch

BAPBAP, der merkwürdige Name der Brauerei, steht für „Brassée à Paris, Bue à Paris“ – gebraut in Paris, getrunken in Paris. Letzteres mache ich jetzt auch mit dem Saison, das mittlerweile vor mir steht: Ich trinke es in Paris.

Transalpine Saison heißt es, hat 6,5% Alkohol und steht in hellem Gelb; nur leicht trüb und mit wenig Schaum vor mir im Glas. Kräftige, stiltypische Phenolnoten rieche ich, auf der Zunge ist der Geschmack etwas rau und ungestüm, aber nicht unangenehm. Die Saison-Hefe hat ganze Arbeit geleistet und diesem Bier ihren Charakter aufgezwungen. Nach dem Schluck bleibt für einen Moment noch eine kräftige, aber nicht kratzige Biere hängen. Mir gefällt’s.

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Transalpine Saison

2005 sei die Brauerei eröffnet worden, erzählt der Barmann, und im Frühjahr wolle man das Fünfjährige feiern. Von Anfang an haben die Besitzer und Brauer wert darauf gelegt, eine offen zugängliche Brauerei zu sein. Besucher könnten im Taproom ihre Biere genießen, fachsimpeln, und ab und an würden eben auch Brauereiführungen angeboten. Zu schade, dass ich nicht rechtzeitig gekommen sei. Ob ich denn nicht morgen Zeit hätte, noch einmal vorbeizukommen?

Bedauernd schüttle ich den Kopf. Morgen fahren wir bereits fort, das geht nicht. Aber ein andermal, wenn wir wieder in Paris sind, gerne.

Verstohlen blicke ich auf meine Familie, die es sich auf den Sesseln gemütlich gemacht hat. Der Enkel kuschelt sich in Mamas Arme und döst. Das ist die Chance, noch ein zweites Bier zu trinken – schließlich möchte ich ihn doch jetzt nicht aufwecken und zum Gehen mahnen.

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der Taproom

Das schlicht und einfach Altbier genannte, gleichmäßig trübe Altbier hat 5,5% Alkohol, eine schöne Bernsteinfarbe, nur wenig Schaum. Ein paar herbe Noten vom Hopfen rieche ich, aber auch eine dezente Säure. Auf der Zunge ist das Bier zunächst süßlich malzig, dann gleichzeitig herb und leicht säuerlich, und ich sinniere, ob das jetzt Absicht ist. Das Münsterländer Altbier, besonders bekannt das Pinkus Müller, ist leicht milchsauer, aber im Ausland eigentlich völlig unbekannt. Ob das als Vorbild gedient haben mag? Das Düsseldorfer Altbier ist eher kräftig gehopft und ziemlich bitter, aber völlig ohne Säure.

Der Barmann kann es mir auch nicht sagen. So genau habe er sich mit diesem Bierstil noch nicht befasst. Ob es mir etwa nicht schmecken würde? Nein, so weit, dass ich das Bier reklamieren möchte, würde ich nicht gehen, aber es ist eben auch kein Bier, von dem ich mir einen ganzen Sixpack mitnehmen würde.

Ein Weilchen stehen wir noch und klönen, der Barmann und ich. Es sind keine weiteren Gäste da, nur für einen Moment unterbricht uns ein Kunde, der seine Einkaufstasche mit ein paar Bierflaschen zum Mitnehmen füllt.

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zu jedem Bier der passende Bierdeckel

Auch ich packe mir eine Auswahl der BAPBAP-Biere in den Rucksack, und begeistert gibt mir der Barmann zu jedem Bier einen passenden Bierdeckel mit. Den Luxus gönnt man sich hier – eine ganze Serie verschiedener Bierdeckel zu drucken. „Viel Spaß mit den Bieren“, wünscht er mir noch, „und bis bald mal zu einer Brauereibesichtigung. Am besten sonnabends!“

Fröhlich winkend verlassen wir den Taproom und stehen wieder in der Kälte der winterlichen Straßen von Paris. So eine schmale Straße, so ein schmales Haus, aber offensichtlich findet im Hinterhof oder in der zweiten Reihe eine ganze Brauerei Platz. Ich sollte wirklich bei nächster Gelegenheit noch einmal herkommen, um auch das Sudhaus zu sehen. Der Plan ist gefasst!

Das Maison BAPBAP, der Taproom der gleichnamigen Brauerei, ist montags bis mittwochs von 16:00 bis 20:00 Uhr, donnerstags von 16:00 bis 22:00 Uhr, freitags von 15:00 bis 22:00 Uhr und sonnabends von 14:00 bis 22:00 Uhr geöffnet; sonntags ist zu. Führungen werden standardmäßig an Sonnabenden angeboten. Die Brauerei liegt etwa 100 m westlich von der U-Bahn-Station Rue Saint-Maur (Linie 3).

Bilder

Maison BAPBAP
79 Rue Saint-Maur
75 011 Paris
Frankreich

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