Brauerei Pinkus Müller
Münster (DEU)

Nachtrag 8. Januar 2026: Puh, ist das kalt! Nach einem zweistündigen Spaziergang kreuz und quer durch Münster sind Hände und Füße eiskalt geworden – jetzt ist eine Pause angesagt. Zwar noch nicht zum Mittagessen, dazu war das Hotelfrühstück einfach zu üppig, aber ein kleines Bier darf es schon sein.

In Pinkus‘ Altbierküche, die gerade eben erst aufgemacht hat, ist es schön kuschelig warm – und wir sind zu dieser frühen Stunde die einzigen Gäste. Der junge Mann hinter der Theke begrüßt uns freundlich und zeigt mit seinem ausgestreckten Arm einmal durch die ganze Gaststube: „Ihr habt freie Auswahl. Wir sind zwar ausreserviert, aber erst heute Abend. Bis dahin: Sucht Euch aus, wo Ihr sitzen mögt!“

Wie schön, denn so finden wir die Kombination aus „am warmen Radiator“ und „am Fenster“ – besser könnte es jetzt nicht sein. Und: Dadurch, dass außer uns noch keine weiteren Gäste da sind, kann ich noch in Ruhe Fotos machen und die gesamte Gaststube mit allen Nebenräumen erkunden. Wie schön!

die neugestaltete Bierkarte

Jetzt aber erstmal der Blick in die Bierkarte. Die ist seit meinem letzten Besuch vor über sechs Jahren neu gestaltet worden, und wenn mich nicht alles täuscht, auch noch ein wenig umfangreicher geworden. Da! Es gibt ein Bockbier zur Winterzeit! Das wäre doch jetzt was. Aber … vielleicht ist ein halber Liter doch etwas viel?

„Hier steht das Bockbier nur in großen Gläsern angeboten – habt Ihr nicht auch ein kleines für mich?“

Der junge Mann lacht. „Na klar, kein Problem, ich gebe Dir ein Null-Dreier, okay?“

Passt! Und zwar rundum. Nicht nur die Portionsgröße, sondern auch der volle und runde und dennoch angenehm bittere Geschmack des Bockbiers. Das war ja eine hervorragende Wahl.

Nur … gerade weil es so gut schmeckt, ist das Glas viel zu schnell leer. Ob ich nicht doch besser ein Großes genommen hätte?

Ach, nicht schlimm, denn so kann ich mir noch ein kleines Altbier gönnen. Gewissermaßen als Dessert. Der junge Mann grinst, als er es serviert. Als hätte er sich das vorher schon so gedacht …

Das Münstersch Alt, wie es sich nennt, ist anders als alle Altbiere aus Düsseldorf, nämlich blond und nicht dunkel, und es ist eher weinig als röstig-bitter. Es ist aber auch anders, als ich es in Erinnerung habe. Die recht ausgeprägte Säure, die ich in diesem Bier nie so richtig als harmonisch eingebunden empfunden habe, ist fast verschwunden – nur ein Hauch ist noch zu ahnen. Die aromatische Komplexität, insbesondere der würzige, kernige Duft sind aber erhalten geblieben, und so gefällt mir das Bier noch viel besser als früher.

Mit breitem und zufriedenem Grinsen im Gesicht leere ich das Glas.

Nun ist uns nicht mehr kalt, Durst haben wir jetzt auch erstmal nicht mehr, und so brechen wir wieder auf. Münster bietet noch so viel, dass es zu erkunden gilt.

Schön war’s!

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Brauerei Pinkus Müller

Nachtrag 27. August 2019: Nach über zwanzig Jahren führt mich mein Weg einmal wieder hier vorbei. Viel hat sich seitdem geändert, und trotzdem ist alles gleich geblieben.

Die bereits 1993 in Betrieb genommene Abfüllerei in Laer ist mittlerweile zu einer Außenstelle der Brauerei mit Sudhaus und Lagerkeller erweitert worden. Seit 2006 wird nicht nur in Münster, sondern auch in Laer gebraut, allerdings entstehen die Bierspezialitäten, die in kleineren Mengen gebraut werden, nach wie vor im Mutterhaus in Münster.

ab hier gibt‘s Pinkus Bier, informiert uns das Schild am Eingang des Biergartens

Und vor diesem stehen wir jetzt. Neben der Einfahrt in das alte Brauhaus befindet sich ein kleiner Biergarten, aber heute, wo trotz Sommerhitze dicke Wolken tief am Himmel hängen und drohen, jeden Moment ihre nasse Fracht abzuladen, sind die Tische und Bänke verwaist. Wir gehen also an der Backsteinmauer entlang und kommen nach wenigen Schritten zur Altbierküche, dem Brauereiausschank. Hier können wir direkt vor dem Haus sitzen, und im Bedarfsfall in wenigen Sekunden vor dem Regen ins Innere flüchten.

Neugierig werfe ich schon einmal einen Blick in den Innenraum. Weißblaue Fliesen, ein großer Kachelofen und dicke, schwarze Holzbalken verleihen ihm ein rustikal-gemütliches Flair. Für einen Moment überlege ich, ob wir nicht von Anfang an hier drinnen sitzen sollten, aber andererseits: Wie oft ist es im Münsterland schon so schön, dass man draußen sitzen und den vorbeiflanierenden Menschen nachschauen kann?

urig und gemütlich ist es im Innern der Altbierküche

Ich wende mich um und gehe zurück zur Tür, als mein Blick auf die dicke Tischplatte fällt. Generationen von Biertrinkern haben mit mehr oder weniger scharfen Messern versucht, sich in ihr zu verewigen. Initialen finde ich, geheimnisvolle Zahlencodes, Kritzeleien, Liebesschwüre und … einen stilisierten Penis. Den Menschen ist nichts fremd …

nichts Menschliches ist den Gästen fremd

Wieder draußen nehme ich mit dem Rücken zur Wand Platz. Die außerordentlich freundliche und lustige Bedienung bringt in Windeseile das erste Bier – das Extra. Ein ausgezeichnetes, sehr herbes Pils. Kernig im Charakter.

Es dauert nur wenige Schlucke bis das passiert, was mir eigentlich immer passiert, wenn ich stark gehopftes Bier trinke: Ich bekomme Appetit. Eine klassische Kartoffelsuppe mit dicken Mettwurstscheiben erweist sich als die perfekte Begleitung zu diesem Bier, und ich bin mit mir und der Welt im Reinen, als ich immer abwechselnd einen Schluck Pils und einen Löffel Kartoffelsuppe genieße.

Über uns schickt sich eine Wolke an, abzuregnen. Die ersten dicken Tropfen fallen. Reflexartig greifen wir nach unseren Gläsern, aber die Kellnerin lacht nur. „Bleibt grad sitzen“, heißt es, und auf Knopfdruck schiebt sich eine Markise über unseren Tisch. Langsam fährt sie aus, und kaum ist sie in der ausgefahrenen Stellung arretiert, reißt der Himmel wieder auf, der Regen endet, und die Sonne scheint wieder.

das kernig-herbe Extra

Die Kellnerin drückt erneut auf den Knopf, die Markise fährt wieder ein. Suppenteller und Pilsglas werden abgeräumt, stattdessen gibt es jetzt ein Jubilate Dunkelbier. Kaum steht das Glas auf dem Tisch, geht der Regen wieder los. Leise surrt der Motor, die Markise fährt wieder aus.

Ich nehme einen kräftigen Schluck. Süßlich und malzig kommt das Dunkelbier daher, es war quasi als Dessert gedacht. Aber obwohl es stilistisch passt, wirkt es beliebig, langweilig, völlig austauschbar. Keine Ecken, keine Kanten, aber auch nichts, woran man sich nach dem Schluck erinnern würde.

Während ich der Malzsüße hinterhersinniere, kommt die Sonne wieder raus, und die Kellnerin fährt die Markise wieder ein. Ein witziges Rein-Raus-Spielchen.

Aber diesmal hat sich das Einfahren nicht gelohnt. Kaum schaltet der Motor ab, verfinstert sich der Himmel wieder, es tut einen kräftigen Donnerschlag, und ein heftiger Regenguss geht nieder. Schnell ist die Markise wieder ausgefahren, und geduldig sitzen wir nun, geschützt vor dem Regen, mit Blick auf die menschenleere Fußgängerzone.

drinnen wäre es jetzt ganz besonders gemütlich

Keine kurzberockten jungen Mädels mehr, keine in zu eng geschnittene Anzüge gequetschte Businesstypen, keine merkwürdig gekleideten bunten Vögel und auch keine schwätzenden Hausfrauen mehr. Die Aussicht, die eben noch unterhaltsam, fröhlich und abwechslungsreich war, wird trist. Nur ab und an flitzt ein Fußgänger mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze an uns vorbei.

Langsam lassen wir den Spätnachmittag ausklingen. Pinkus Müller, die letzte noch verbliebene Altbierbrauerei in Münsters Altstadt. Hoffentlich dauert es nicht wieder zwanzig Jahre, bis ich erneut hier einkehre …

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Brauerei Pinkus Müller

Seit fast 200 Jahren, genauer gesagt, seit 1816, wird in Münster in der Kreuzstraße Bier gebraut – und zwar heute wie damals als reiner Familienbetrieb. Sicherlich eine Ausnahme in unserer so schnelllebigen Zeit, dass eine Brauerei wirklich über so viele Jahre hinweg in Familienhand bleibt und alle Fährnisse unbeschadet übersteht.

Schade nur, dass die Brauerei Pinkus Müller die letzte Altbier-Brauerei in Münster ist, die übrig geblieben ist. Die Chronik spricht davon, dass es in dieser Stadt einst über 150 Altbier-Brauereien gegeben haben soll. Was für eine paradiesische Vorstellung!

ein Bierdeckel – die einzige Erinnerung an den Besuch im Jahr 1999

Die Brauerei Pinkus Müller ist insbesondere für ihr absolut untypisches Altbier bekannt, das hier gebraut wird. Im Gegensatz zu den Düsseldorfer Altbieren schmeckt das Pinkus Altbier leicht milchsauer – eine Geschmacksnote, die überrascht, ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, aber das Bier zu einem Unikat macht. Und zu einem leckeren!

Neben diesem Altbier werden noch neun andere Spezialitäten angeboten. Neben den eher konservativen Bieren Special, Hefeweizen, Pils, Leicht und Alkoholfrei auch ein Jubilate genanntes, dunkles untergäriges Bier, ein Demeter zertifiziertes Lagerbier und zwei alkoholfreie Malzbiere, eines davon mit Honig. Ein ungewöhnliches Portfolio.

Genauso ungewöhnlich leider auch, dass ich bei meinem Besuch am 26. Juli 1999 keine Kamera dabei hatte und die Dokumentation meines Besuchs somit sehr dürftig ausfiel.

Die Brauerei-Gaststätte Pinkus Müller ist täglich ab 12:00 Uhr mittags geöffnet; Sonn- und Feiertags ist jedoch Ruhetag.

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Brauerei Pinkus Müller GmbH & Co. KG
Altbierküche
Kreuzstraße 4-10
48 143 Münster
Nordrhein-Westfalen
Deutschland

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