The Brickmakers Pub & Kitchen
Wien
AUT

„Zwei Dutzend Biere vom Fass, viele, viele aus der Flasche, dazu ein ausgezeichnetes Essen – was will man eigentlich mehr?“ frage ich mich, als wir am 24. Februar 2016 The Brickmakers Pub & Kitchen nach ein paar Stunden wieder verlassen und langsam zurück zum Hotel schlendern. Aber doch, ich bin nicht recht zufrieden.

„Welche Laus ist Dir denn über die Leber gelaufen?“ Meine Frau schaut mich fragend an. „Kuck nicht so griesgrämig!“ Und nach einem Moment: „Dir hat es nicht wirklich gefallen, stimmt’s?“

Ich nicke. Irgendwie ist der Funke nicht übergesprungen, in dieser Bierbar. Die Biere sind klasse, eine gute Auswahl, sie schmecken auch prima. Und das Essen ist spitze. Pfiffig gewürzt, mit spannenden Kräutern, so dass aus einem potentiellen Allerweltsessen ein toller Genuss wird. Auch die Idee, zwei Industriebiere, das Gold Fassl Pils und das Pilsner Urquell, direkt aus speziellen Tanks zu zapfen, um sie extrem frisch zu servieren und sie dadurch zu einer leckeren Alternative zu den teilweise sehr fordernden, exotischen Craftbieren zu machen – eigentlich prima. Die großen kupfernen Tanks über der Theke sehen toll aus, und manchmal hat man einfach Lust, zum Essen ein großes Bier zu zischen, und nicht sachte zu degustieren.

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Biere frisch aus dem Tank

Aber es waren so viele Kleinigkeiten, die gestört haben. Zum einen das Sportbar-Konzept, das im Brickmakers mitschwingt. Man kann ein Selfie mit einer Pappfigur machen, David Alaba. Ist, glaube ich, ein Fußballer. Flachbildfernseher an der Wand, auf denen die ganze Zeit Fußball läuft. Ohne Ton. Stattdessen Dudelmusik, der keiner zuhört, die wahrscheinlich keiner der Gäste hören möchte, die lediglich dazu zwingt, lauter sprechen zu müssen, um sie zu übertönen. Wenn schon Musik, dann bitte so laut, dass man sie hören kann, und nach einem Themenkonzept gespielt, für Fans einer bestimmten Musikrichtung. Aber dieses unsortierte Gedudel ist nichts als eine Lärmquelle.

Die Getränkekarte, als Zettelsammlung auf einem Klemmbrett. Eigentlich eine prima Idee. Aber leider: Zuoberst eine dicke, matte Plastikfolie, damit die Papierzettel nicht mit Bier verkleckert werden. So dick, dass man die Bierliste nicht mehr aufblättern kann, sondern aufbiegen muss. So matt, dass man in der schummrigen Beleuchtung die erste Seite gar nicht richtig lesen kann. Und dann das Design der Bierliste so wuselig, dass man Brauerei- und Biername erst konzentriert suchen muss. Ein gutes Layout verbindet ein spannendes Design mit guter Lesbarkeit. Dies hier ist kein gutes Layout, da waren Amateure am Werk. Ich befürchte, hochbezahlte…

Wir nehmen die Liste auseinander, der besseren Handhab- und Lesbarkeit wegen, verteilen die Zettel auf dem Tisch. Man kann einen Bierflight bestellen, also vier Mal 100 ml eines beliebigen Fassbiers. Prima, gute Idee! Serviert wird dieser Flight in einem dicken, groben Holzbrettchen, in das die vier Gläser hineingestellt werden. Sieht gut aus. Welches Bier ist jetzt welches? Der erfahrene Bierkenner schmeckt das, er weiß, was er bestellt hat, und die Reihenfolge bekommt er schon selbst heraus. Der unerfahrene Noch-nicht-Bierkenner fragt den Kellner, die Kellnerin. Und wird überrascht. Jeder hat so seine eigene Methode. Der oder die eine hat auswendig gelernt, was er dem Gast gezapft hat und memoriert es herunter. Gerne auch zwei oder drei Mal, bis der Gast genau weiß, was in welcher Reihenfolge vor ihm steht. Der oder die andere hat einen kassenbonartigen Ausdruck dabei, und der oder die dritte einen handschriftlichen Zettel. Ein Konzept dahinter scheint es nicht zu geben.

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ein Bierflight mit Kassenbon

Überhaupt, Konzept… Das junge, internationale Personal ist sehr, sehr freundlich, sehr, sehr fleißig, und deren Arbeit sehr, sehr ineffizient. Einen für ein Service-Konzept verantwortlichen Manager, eine ordnende Hand scheint es nicht zu geben. Man läuft durcheinander, bedient an ein und demselben Tisch mit drei verschiedenen Bedienungen gleichzeitig, überkreuz, parallel… Im Resultat wird der Service langsam und unzuverlässig – aber nicht, weil die jungen Leute sich keine Mühe geben, aber weil die Abläufe nicht definiert sind. Hat sich das Management über den Tagesbetrieb jemals Gedanken gemacht, die jungen Leute einmal strukturiert angeleitet? Wir befürchten, dass nicht…

Und so bekomme ich meinen kompliziert gezapften Bierflight viel eher als meine Frau ihr einfaches Glas Bier, kommt das Essen nicht gleichzeitig, sondern für jeden Gast dann, wenn es gerade fertig ist. Wohlgemerkt, das Team ist ungemein freundlich und fleißig, aber es fehlt ein Teamleader, wenn mir dieser Anglizismus erlaubt ist.

Die Biere sind allerdings gut: Das Beavertown Smog Rocket, ein leicht rauchiges dunkles Bier schön ausdrucksstark; das 8 Ball Rye IPA der gleichen Brauerei paart knackige Hopfung mit leicht viskoser Fülle eines Roggenbiers. Das Bierol Mountain Pale Ale punktet nicht nur mit dem dümmlichsten Brauereinamen überhaupt, sondern zum Glück auch mit frischem, hopfig-herbem Geschmack. Das To Øl Sur Simcoe ist eine Herausforderung. Knackig mit Simcoe gehopft, aber gleichzeitig stark milchsauer. Eine spannende Kombination, die nicht jedem mundet.

Auf geht’s, der zweite Flight: Anchor Liberty Ale und Rogue Dead Guy – Klassiker unter den Craft-Bieren. Über jeden Zweifel erhaben. Das Schremser Doppelmalz ein wenig aufdringlich, das Bevog Tak hingegen ein herrlich frisches und hopfiges Bier. Sehr schön.

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über der Theke

Das Essen ausgezeichnet. Ein Pulled Pork Sandwich mit butterzartem und aromatischem Fleisch, dazu ein mit viel Fenchel abgeschmeckter Rotkohlsalat. Neben mir warmer Wirsing, ebenfalls spannend gewürzt. Richtig lecker!

Die „Trinkbiere“ dazu: Ein schön röstiges O’Hara Stout, ein Gold Fassl Pils aus dem Tank (gab’s als Dreingabe zum Pulled Pork und zischte prima…) und ein Schremser Bio-Roggen, das mit seiner etwas zu aufdringlichen Bananennote nicht wirklich überzeugte.

Preislich? Uff, auch für Wiener Verhältnisse ganz schön happig. Bier- und Speisequalität könnten die hohen Preise rechtfertigen, das Service-Chaos eher nicht.

Fazit: Liest man auf der Homepage des Brickmakers Pub & Kitchen über die Geschichte, wie die noch junge Bar konzeptionell aufgesetzt wurde („Inspired by many trips to London, Ireland, California, Hamburg and Berlin, Brian together with a renowned Irish design team finalised the design of what is now The Brickmakers. After delving deep into the world of craft beer, visiting fairs, pestering brewers for their knowledge, producing a number of beer sommeliers and personally tasting and rating many, many beers, the opening selection of beers and ciders was complete. The final touch was to garnish the place with the spirit of the 7th district. An amazing partner was found in the Austrian coffee brewing champion Nikolaus Hartmann who would take over The Brickmakers in the morning and afternoon with his award-winning coffee pop-up Cafe Atelier. Local artists were commissioned to design the artwork for the interior.”), dann merkt man, dass auf Wertigkeit jedes einzelnen Elements dieser Bar geachtet wurde, es aber nicht gelungen ist, das Ganze stimmig zusammenzuführen. Das Ganze ist halt doch immer mehr als die Summe seiner Teile…

The Brickmakers Pub & Kitchen ist täglich ab 16:00 Uhr, sonnabends und sonntags bereits ab 10:00 Uhr durchgehend geöffnet. Zu erreichen ist es am bestem mit der Straßenbahnlinie 49, die direkt nebenan hält, Haltestelle Westbahnstraße/Zieglergasse.

Nachtrag 22. März 2018: Im Rahmen einer anderen Veranstaltung – Meet the Brewer: Johannes Kugler (BrewAge) und Marina Ebner (Muttermilch Vienna Brewery) – besuchte ich heute erneut The Brickmakers Pub & Kitchen und war erfreut, dass der Service deutlich besser organisiert war als seinerzeit. Freundlich, untereinander besser abgestimmt, zuverlässiger. Selbst die Tatsache, dass die Meet-the-Brewer-Veranstaltung den ganzen Eingangsbereich blockierte, brachte das Team heute nicht aus der Ruhe. Na bitte, jetzt passt es.

Besonders schön auch, zu entdecken, das unter dem Label Me and Uwe Biere im Angebot sind, die von Brian Patton, dem Mann hinter dem Pub, als Gipsy-Brewer eingebraut werden. Das macht einen Besuch hier natürlich noch ein kleines bisschen interessanter.

Bilder

The Brickmakers Pub & Kitchen
Zieglergasse 42
1070 Wien
Österreich

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