Xaver – Die Brauerei
Wien
AUT

Zufrieden sitzen Franz Xaver Lughofer und Thomas Haginger auf dem Erste-Hilfe-Kasten an der Wand und schauen auf das Treiben im kleinen Verkaufsraum der Xaver-Brauerei hinunter. Ein gutes Dutzend Gäste drängt sich hier an zwei kleinen Stehtischen, eingezwängt zwischen leeren Bierkästen, einem gut gefüllten Bierkühlschrank und einem Schreibtisch mit Computer und Registrierkasse. So ein Trubel herrscht hier selten.

MiniaturNaja, eigentlich sind es natürlich nicht Franz Xaver und Thomas, die dort auf dem kleinen Kasten sitzen, sondern zwei kleine Puppen. Wie aus dem Gesicht geschnitten sehen sie den beiden Brauern ähnlich – eine gute Freundin hat sie in geduldiger Handarbeit gefertigt. Und nun sitzen sie dort und überwachen, was ihre realen Vorbilder so den ganzen Tag machen.

Aber, genau das ist die Frage. Was macht der Franz eigentlich? Gerade hat er uns noch seine kleine Brauerei gezeigt und die ersten Biere verkostet, und dann ist er verschwunden. „Ich bin nur mal ganz kurz weg“, hat er gesagt, „Bedient Euch im Kühlschrank, wenn Ihr noch mehr Durst habt.“ Und nun stehen wir hier. Die Kühlschranktür haben wir schon geöffnet und uns nachgeschenkt, das war kein Problem, aber nun steht ein junger Mann vor uns, ein Kunde. Ein bisschen verschüchtert hat er zunächst geschaut, angesichts der großen Gruppe von fröhlichen Biergenießern, dann aber doch nachdrücklich nach Bier verlangt: „Ich hätte gerne sechs Flaschen Pahle Ahle zum Mitnehmen!“

Ratlos blicken wir uns an. Er hat zwar Pahle Ahle gesagt, hat es deutsch und nicht englisch ausgesprochen, aber natürlich wissen wir, was gemeint ist. Was wir nicht wissen ist, wie wir ihm das jetzt verkaufen sollen. Franz, wo bist Du?

Keine Spur, er ist noch nicht wieder da. Und so machen wir es einfach. Geben dem jungen Mann seine sechs Flaschen Pale Ale, und zum Glück hängt an der Wand eine Preisliste, so dass wir auch wissen, was wir dafür verlangen sollen. Der junge Mann ist zufrieden, zieht mit seinem Sixpack ab, und wir sind auch zufrieden, haben schließlich für zusätzlichen Umsatz in der Brauerei gesorgt.

Und als Franz schließlich doch wieder auftaucht, wird alles ordnungsgemäß verbucht, und die Sache hat ihre Richtigkeit.

Xaver – Die Brauerei. Benannt nach dem zweiten Vornamen eines der beiden Brauer. Entstanden vor gerade mal zwei Jahren, und eingerichtet in den vielleicht 50 oder 60 Quadratmetern einer ehemaligen Konditorei.

Eine verrückte Idee von zwei Hobbybrauern war das, damals, aber als dann die Räume der Konditorei für einen akzeptablen Preis zu vermieten waren und sich gleichzeitig mehr oder weniger durch Zufall ergab, dass Günther Thömmes sich von dem kleinen Sudwerk seiner Bierzauberei in Brunn, einem Vorort Wiens, trennen wollte, ging alles ganz schnell. Die schon seit Jahren leerstehende Konditorei wurde ein wenig umgebaut, die Elektrik und die Wasserinstallationen angepasst und insbesondere – auf Verlangen der Gewerbeaufsicht – eine riesige, völlig überdimensionierte Belüftungsanlage installiert. Die ehemalige Bierzauberei wurde in Millimeterarbeit durch die Eingangstür bugsiert, aufgebaut, ein paar Probesude gefahren, und dann ging’s los.

Was sich in der Rückschau so einfach anhört, war natürlich ein gewaltiger Aufwand, und wenn der Zufall nicht mitgespielt hätte, wäre auch nicht alles so reibungslos gelaufen. Eigentlich ist die alte Konditorei zu klein, und nur, weil die ehemalige Bierzauberei so platzsparend konstruiert ist, lässt sie sich hier unter diesen Platzverhältnissen betreiben. Und überhaupt: Eigentlich wollten Franz und Thomas sich beim Bierzauberer nur Rat holen, und es war Zufall, dass Günther Thömmes genau zum gleichen Zeitpunkt seine Anlage verkaufen wollte.

Egal, Glück hat nur der Tüchtige, und nun steht das Sudwerk hier in der Hasnerstraße, und die Xaver-Brauerei darf sich stolz zweitgrößte Brauerei im Stadtteil Ottakring nennen. Direkt nach der großen Industriebrauerei, der Ottakringer Brauerei AG.

Einen eigenen Ausschank, eine eigene Restauration gibt es nicht. Es ist ein reiner Produktionsbetrieb und die Biere werden in der Gastronomie und im Getränkehandel vertrieben. Und im Rampenverkauf direkt ab Brauerei, letzteres aber nur an zwei Tagen in der Woche. Die Brauerei ist Nebenerwerb, viel zu klein, um für zwei Brauer den Vollzeiterwerb darstellen zu können. Ein Hobby gewissermaßen, wenn auch ein ungeheuer zeitaufwändiges.

Sechs Biere standen heute im Kühlschrank, und geduldig probierten wir sie durch. Und, BLUF – bottom line up front – alle sechs waren durch die Bank hervorragend. Sauber gebraut, frisch, aromatisch. Hut ab!

Das Pale Ale mit einer feinen Hopfennase und einer nicht zu übertriebenen Bittere, im klassischen englischen, nicht im amerikanischen Stil gebraut. Das India Pale Ale hingegen knackig hopfig und deutlich fordernder. Das Common, im Stil eines California Steam Beer, ein gefälliges, gut durchtrinkbares Alltagsbier. Das Belgian IPA spannend, mit schönen Kontrasten zwischen klassischer Hopfenattacke und wilden belgischen Hefearomen. Das Alt vielleicht ein wenig zu hell, aber gut trinkbar, und schließlich das Stout, mit recht wenig Alkohol, aber einer schönen, ausgeprägten Röstigkeit.

Man merkt, die beiden Brauer können etwas. Arbeiten sorgfältig und wissen, was sie tun. Nicht mal so eben einen Sud zusammengemischt, wie man es in Gasthausbrauereien gelegentlich antrifft, sondern nach genauer Analyse eines Bierstils diesen dann präzise nachgebraut. Wir sind beeindruckt.

Schnell füllen sich unsere Rucksäcke noch mit Beutestücken – der Kühlschrank ist fast leer, als wir zahlen und nach der ausführlichen Besichtigung die Brauerei wieder verlassen. Einen herzlichen Dank an Franz, der uns geduldig alle Winkel seiner kleinen Brauerei gezeigt und alle unsere Fragen, mit denen wir ihn gelöchert haben, beantwortet hat.

Xaver – Die Brauerei hat freitags von 14:00 bis 17:00 Uhr und sonnabends von 10:00 bis 13:00 Uhr den Rampenverkauf geöffnet. Zu erreichen ist sie am günstigsten per U-Bahn, Linie 6, Station Thaliatraße – dann sind es nur 150 m Fußweg.

Bilder

Xaver – Die Brauerei
Lughofer und Haginger GesbR
Hasnerstraße 14/6-7
1160 Wien
Österreich

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