Hofbräu Berlin
Berlin
DEU

„Muss das sein?“, fragte ich mich unwillkürlich, als wir die Schwelle des Hofbräu Berlin und damit die berlinisch-bayerische Staatsgrenze überschritten. „Ja, es muss, und sei es nur der Vollständigkeit halber!“

Kein anderes Bundesland, ach, vielleicht keine andere Region der Welt ist so emsig zugange, seine eigene Kultur zu exportieren, wie Bayern. Bayerische Biergärten, bayerische Brezeln, bayerische Weißwürste, bayerisches Bier findet man nicht nur in Bayern, sondern auch im Rest des Bundesgebiets, in ganz Europa, ja, sogar in Übersee. Und das ist ja auch schön so.

MiniaturGinge dieser Stolz auf die eigene doch nur nicht so oft mit einer schier unerträglichen Intoleranz des Bayern oder Bayern-Liebhabers gegenüber anderen Kulturen Hand in Hand. Aber das ist ein anderes Thema…

Das Hofbräuhaus in Berlin, nur wenige Schritte vom Alexanderplatz entfernt, ist ein bayerischer Kulturexport, und es ist in der Tat so, als überschreite man eine imaginäre Staatsgrenze, wenn man die Schwemme betritt. Eine riesige Bierhalle, Bänke und Tische im Stil, wie man ihn von München kennt. Bayerische Livemusik, Maßkrüge, Bedienungen im Trachtenoutfit, und auf der Speisekarte krachlederne Schweinefleischgerichte. Man taucht komplett in die bayerische Wirtshauskultur ein.

Drei Biere gibt es vom Fass – das Helle, das Dunkle und das Weißbier.

Ich runzle die Stirn. Woher kommt mir diese Sortenkombination nur bekannt vor?!? Ist das, was ich in der deutschen Gasthausbrauereiszene so oft als Einfallslosigkeit kritisiere, vielleicht auch nur einfach ein exportiertes bayerisches Kulturgut?

Ist es natürlich nicht, sondern in diesem Falle nur eine Koinzidenz.

Neben diesem Triplett gibt es eine ergänzende Auswahl an Flaschenbieren. Plus die bekannten Saisonbiere: Maibock, Doppelbock, Oktoberfestbier, …

Bitteschön, heute ein Dunkles. Aber ein Kleines. Soll heißen, „nur“ ein halber Liter, kein ganzer Maßkrug. Es schmeckt sogar. Malzig und süffig. Ohne Ecken und Kanten, sondern ein Jedermannsbier, aber zum deftigen Essen prima, und ohne Geschmacksfehler. Ein in Jahren, Jahrzehnten entwickeltes, rundes und gefälliges Industrieprodukt. Ein Big Mäck unter den Bieren.

Die Preise sind fair, die Biere durchaus trinkbar, die Bedienungen flott und aufmerksam. Wem es also als Exilbayer oder als heimlichem Möchtegernbayer nach oberbayerischer Kultur gelüstet, bitte sehr. Kann man schon mal hingehen.

Es empfiehlt sich allerdings, vorher einen Blick in den Veranstaltungskalender zu werfen. Wer möchte schon auf der Suche nach bayerischer Kulturkopie plötzlich in einem Livekonzert von Mickie Krause enden? Und dort vielleicht sogar noch gesehen werden? Peeeinlich!

Also, Vorsicht ist angesagt!

Das Hofbräu Berlin ist täglich ab 10:00 Uhr durchgehend geöffnet. Über die Mittagszeit und am Abend spielt eine Kapelle bayerische Dicke-Backen-Musik. Wenn sie nicht gerade von Mickie Krause und Konsorten eine Zwangspause verordnet bekommt. Zu erreichen ist das Hofbräu Berlin problemlos von den vielen Haltestellen am Alexanderplatz – egal, ob U- oder S-Bahn oder Bus, es sind nur wenige Schritte. Und für die Fußballfans (jetzt springe ich mal über meinen Schatten…): Im Obergeschoss werden die Spiele des FC Bayern München auf Großleinwänden live übertragen.

Bilder

Hofbräu Berlin
Karl Liebknecht Straße 30
10 178 Berlin
Berlin
Deutschland

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