Gasthaus „Zum Goldenen Löwen“
Kallmünz
DEU

Es gibt sie noch, die Landgasthöfe in Bayern, die ihr eigenes Bier brauen. Und manche davon sind echte Kleinodien ihrer Zunft.

Miniatur (3)Müde kurvt der Chronist am späten Nachmittag des 7. Dezember 2014 durch die engen Gässchen von Kallmünz, und dann sieht er ihn vor sich, den Brauerstern. Hier muss es also sein. Alles noch recht dunkel, es ist erst ab 18:00 Uhr geöffnet. Doch da, da geht es hinein, zum Gasthaus „Zum Goldenen Löwen“.

Ein hübsch geschmückter Innenhof, mit nett dekorierten Sitzgelegenheiten draußen, selbst jetzt, in der kalten Jahreszeit. Grobes Pflaster, niedrige Dachtraufen, enge Winkel. Alles ist urgemütlich. Und am Ende des Hofes eine große Scheune mit deutlich größeren Fenstern. Tritt man nahe heran, sieht man groß und mächtig, tiefschwarz, zwei Braukessel.

Die Tür steht halb offen, aus dem Seitenraum kommt Licht, man hört leises Klappern. Ich schiebe die Tür ganz auf, und gehe hinein. Mir gehen die Augen über: Große Holzfässer, schwarz lackierte Braukessel aus drei Finger dickem Eisen. Gewaltige alte Elektromotoren. Robuste Technik aus längst vergangener Zeit.

Miniatur (1)Aus dem Nebenraum kommt ein Mann in Gummistiefeln, es ist Richard Luber. Wirt, Küchenchef, Brau- und Brennmeister. Alles in einer Person. Er füllt gerade das frisch vergorene Jungbier vom Gärtank in den Lagertank um. „Schauen Sie sich ruhig um!“, ermuntert er mich. „Es ist eine alte Anlage aus Pottenstein in der Fränkischen Schweiz. Der alte Besitzer wollte sie verschrotten, und da habe ich sie ihm vor fast 25 Jahren abgekauft. Und seitdem braue ich hier mein eigenes Bier!“

Ich bestaune die unkaputtbare Technik. Gebaut für die Ewigkeit. 25 Hektoliter entstehen hier pro Sud, und etwa alle zwei Wochen wird gebraut. Helles, Dunkles, Weizen. Das Bier wird ausschließlich im eigenen Gasthof und Hotel ausgeschenkt, aber „wenn ein Gast unbedingt eine Flasche gefüllt haben will, damit er das Bier mit heim nehmen kann, schlagen wir ihm das natürlich nicht ab“, lacht Luber. Sonderbiere wie zum Beispiel ein Bockbier gibt es nicht. „Die minimale Sudgröße wäre so 15 hl, und das ist dann mehr, als wir von einem Sonderbier ausschenken könnten. Dann wird das Bier zu alt, und am Ende müssten wir es weggießen.“ heißt es.

Verstanden. Akzeptiert. Es muss sich ja irgendwie rechnen.

Ich schaue mir noch die Gär- und Lagertanks an. Alte und moderne Tanks stehen einträchtig nebeneinander. Ein Plattenfilter ist zu sehen. „Und die Kühlung? Gibt es einen Gegenstromkühler?“ – „Nein, auch das machen wir ganz klassisch. Ich habe unter dem Dach ein Kühlschiff, da kommt die Würze über Nacht drauf. Am nächsten Morgen geht sie lauwarm in den Gärtank und wird dann mit den Eiswasserrohren hier außen am Mantel des Gärtanks endgültig heruntergekühlt.“

Miniatur (2)Ich will nicht weiter stören. Im Gärtank schwappt noch der hefige Rest des Jungbiers; es wartet noch viel Arbeit auf Richard Luber, bevor er heute Feierabend machen kann. Aber ich, ich habe jetzt Feierabend, und nach dem anregenden Brauereibesuch auch richtig Durst auf ein frisches Bier.

Die Gaststube hat sich inzwischen gefüllt. Es riecht nach leckerem Essen, und da kommt auch schon das Bier: Das Löwenweizen, überraschend schwach gespundet, keine dominanten Bananenaromen, aber doch ein erfrischendes, leicht weizig-prickelndes Bier. Süffig. Der Rote Löwe, also das Helle. Eher rötlich-kupferfarben, wie schon der Name sagt. Ebenfalls nicht zu hoch gespundet, malzig und rund, kaum Hopfenherbe. Erinnert an die Zwickelbiere in der nahen Oberpfalz. Und schließlich der Schwarze Löwe, ein tiefdunkelbraunes Bier. Kräftig malzig, ein wenig röstig, mit einem sahnigen Schaum.

Drei Biere gegen den großen Durst, wunderbare Begleiter des ausgezeichneten Essens, das hier serviert wird. Keine Degustationsbiere, keine Biere, die sich in einem großen Wettbewerb durchsetzen würden. Aber kernige, süffige Landbiere, die hier vor Ort schmecken und genau hierhin gehören. Herrlich!

Das Gasthaus „Zum Goldenen Löwen“ ist täglich ab 18:00 Uhr geöffnet, sonntagmittags auch von 11:30 bis 14:00 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Er liegt mitten in Kallmünz, und für die Gäste, die mit dem eigenen Auto anreisen, gibt es hinter der Brauereischeune einen Parkplatz. Wer zu viel vom Löwenbier erwischt hat, um noch fahren zu dürfen, kann in den wunderschön eingerichteten Gästezimmern übernachten. Stilvolle alte Möbel, herrlich verwinkelt, großzügige Badezimmer – hier schlummert der Gast tief und fest und träumt vom Löwenbier.

Bilder

Gasthaus „Zum Goldenen Löwen“
Alte Regensburger Straße 18
93 183 Kallmünz
Bayern
Deutschland

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