Die Bierrevolution in Portugal erreicht die Warenhäuser
Lissabon
PRT

Es ist gerade einmal ein paar Jahre her, dass ich das letzte Mal in Lissabon war, und ich erinnere mich noch gut an das Duopol, das den Biermarkt seinerzeit beherrschte, Sagres und Super Bock.

Zugegeben, in manchen touristisch geprägten Bars in der Altstadt oder an den Stränden westlich der Stadt gab es auch schon mal ein deutsches Weißbier oder das unvermeidliche Warsteiner, Löwenbräu oder Beck’s im Angebot. Aber nur selten. Ansonsten Sagres oder Super Bock, Super Bock oder Sagres. Und wenn es nicht ausdrücklich auf dem Zapfhahn, dem Glas und dem Bierdeckel draufgestanden hätte, einen Unterschied hätte ich nicht geschmeckt.

Doch halt, eine Ausnahme hatte es seinerzeit noch gegeben, und zwar die kleine Gasthausbrauerei Lusitana beim Expo-Gelände im Norden Lissabons. Dort gab es tatsächlich portugiesisches Bier abseits des Duopols. Vor Ort hergestellt und gebraut. Mittlerweile aber leider nicht mehr.

Ein halbes Dutzend Jahre später stehe ich erneut in Lissabon, und die Szene hat sich komplett gewandelt. Beginnend mit der Brauerei Sovina in Porto 2011 sind mittlerweile gut fünfzig kleine und kleinste Brauereien entstanden, seien es Brewpubs mitten in der Lissabonner Altstadt oder handwerkliche, auf Flaschenabfüllung spezialisierte Craftbrauer ohne eigenen Ausschank, seien es neue, kleine Brauereien irgendwo auf dem Land. Hinzu kommen Craftbier-Bars überall, und zunehmend mehr Restaurants und Bars bieten statt des langweiligen Einerleis eine gute, solide und geschmacklich breit gefächerte Bierauswahl an.

miniatur-3Selbst das riesige Warenhaus El Corte Inglés überrascht in seiner Lebensmittelabteilung mit einer goßen Auswahl portugiesischer Handwerksbiere aus dem ganzen Land. Wer sich einen raschen Überblick über die etwas etablierteren unter den neuen Brauereien verschaffen möchte (obwohl, darf man nach drei oder vier Jahren überhaupt schon von etabliert sprechen?), kann hier schon einmal anfangen und sich den Rucksack mit ein paar Bierproben vollpacken, und – zurück im Hotel – die Minibar freiräumen, um die neu erworbenen Schätzchen herunter zu kühlen und abends auf der Bettkante zu genießen.

miniatur-2Und es gibt sogar Beratung. Während ich noch unschlüssig vor den Flaschen stehe, überlege, welche im Rucksack Platz finden, und welche ich schweren Herzens stehen lassen muss, weil sowohl der Platz im Rucksack als auch meine Zeit in Lissabon begrenzt sind, spricht mich eine junge Bedienung an, ob sie mir helfen könne, ob ich zu den verschiedenen Bierstilen etwas wissen wolle. Sapperlot, das hätte ich hier nicht erwartet.

miniatur-4Genauso wenig übrigens wie die Pappboxen, die mitten zwischen den Craftbieren stehen. Craftbier im Tetra Pak? So, wie der Rotwein bei Aldi & Co.? Nein, das kann doch wegen der Kohlensäure nicht funktionieren. Tetra Pak für Bier habe ich lediglich ein einziges Mal auf einem Bierfest in Belgien erlebt, als das völlig ausgegorene, kohlensäurefreie Lambic einer kleinen Brauerei tatsächlich aus dem Pappkarton kam.

Was ist es dann? Die Auflösung kommt, während ich noch nach einer der Pappschachteln angele, von der freundlichen Dame: Jede dieser Schachteln enthält genügend Rohstoffe, um sich in wenigen Tagen daheim fünf Liter Bier brauen zu können. Gehopfter Malzextrakt, etwas Hefe, man gibt etwas Wasser hinzu und wartet.

„Und, schmeckt das dann auch?“, möchte ich wissen, provoziere eine ehrliche Antwort. Nun, sie selber habe es noch nicht ausprobiert, zieht sich die Bedienung diplomatisch aus der Affäre, aber es gebe Leute, die das lustig fänden.

Na, lustig fände ich das vielleicht auch – das Hotelzimmer zu einer Kleinbrauerei umzufunktionieren. Egal, wie es hinterher schmeckt, einfach nur, um sagen zu können, ich habe im Hotel in der Innenstadt Bier gebraut.

„Du denkst jetzt nicht ernsthaft darüber nach, so eine Box zu kaufen, oder?“, holt mich meine holde Ehefrau wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. „Hier gibt es mittlerweile genügend Brauereien und Craftbier-Bars, so dass wir jeden Abend etwas Neues erkunden können!“

miniatur-1Womit wir wieder beim Thema wären – die Bierrevolution ist in Portugal angekommen.

Zumindest aber in Lissabon, und so zeugen denn auch genügend Einträge in meinem Bier-Layer von den guten Adressen! Sehr zum (virtuellen) Wohle!

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