The Flying Standard
Coventry
GBR

Einst, aber das ist wirklich schon eine Weile her, war Coventry eine Auto-Stadt. Zwar nicht so wie Wolfsburg ausschließlich für die Auto-Industrie gegründet, aber dennoch von ihr abhängig. Tausende von Arbeitern strömten täglich zu den Werktoren der Autofabriken oder ihrer Zulieferer. Die Maschinerie brummte fleißig vor sich hin, sicherte das Auskommen der Familien und der Stadt einen gewissen Wohlstand.

Eines der erfolgreichsten Werke war Standard, bekannt dafür, preiswerte und zuverlässige Modelle zu bauen. Einfach, ohne Luxus, dafür aber erschwinglich und im Falle eines Falles problemlos zu reparieren. Von 1903 bis in die sechziger Jahre währte der Erfolg der Standard-Autowerke. Vom Modell Motor Victoria 1903 über den Standard Nine 1927 bis zum Flying Standard 1936.

In den sechziger Jahren begann der Niedergang. Nicht nur Standard, sondern auch andere Automarken verschwanden, ihre Werke und die ihrer Zulieferer wurden geschlossen. Heute erinnern eigentlich nur zwei Dinge an die glorreiche Geschichte der Autoproduktion. Zum einen das Coventry Transport Museum. Hier kann man durch die aufwändig angelegte und wirklich interessante Ausstellung wandern (der Eintritt ist sogar frei!) und die Geschichte der Fahrrad- und Autoindustrie Coventrys in allen Einzelheiten kennenlernen. Lohnenswert!

das Wirtshausschild

Und zum anderen ein großes Pub in der Innenstadt. Direkt am Busbahnhof der Trinity Street hält The Flying Standard die Erinnerung an das gleichnamige erfolgreiche Automodell aufrecht. Stolz steht das große und verwinkelte Fachwerkhaus mit seinen unzähligen Giebeln und verglasten Erkern mitten zwischen den klotzigen Bausünden vergangener Jahrzehnte, sein Wirtshausschild zeigt einen graublauen Flying Standard, und mit großen goldenen Lettern steht der Name dieses erfolgreichen Automodells auch über dem Eingang. Einladend sieht es aus – direkt vor der Tür stehen ein paar Sitzgruppen aus Holz, und in der Tat, selbst jetzt, im Februar, bei Temperaturen nur wenig über null Grad, aber immerhin blauem Himmel, stehen und sitzen die ersten Biergenießer draußen und genießen, was sie hier in England Frühling nennen. Vermutlich alles Raucher…

Marston’s Old Empire
India Pale Ale

Drinnen empfängt mich ein großer Schankraum mit einer langen Theke. Ein gutes Dutzend Biere wird es wohl sein, das hier angeboten wird – gleichermaßen vom Cask gepumpt wie auch aus dem KEG gezapft. Rechter Hand ein etwas kleinerer Raum mit zahlreichen Vierertischen und einem Schild: Dining only.

Es ist Mittagszeit, ich habe Hunger, und so darf ich diesen Nebenraum nutzen. Ein Marston’s Old Empire India Pale Ale bestelle ich mir, ein für englische Verhältnisse relativ starkes Ale – 5,7%. Aber zum kräftigen und gewiss nicht kalorienarmen Mittagessen darf es schon einmal ein Strong Ale sein. Mir schmeckt’s. In seiner Balance von kräftigen Malz- wie Hopfennoten gefällt es mir gut. Und das rasch servierte und ein wenig an Fastfood erinnernde Mittagessen ebenfalls.

Der Dining Room ist voll mit Grüppchen älterer Herrschaften, vorwiegend Damen, und Familien. Ein preiswerter Mittagstisch, ein Moment des Aufwärmens, bevor es für alle wieder in den Einkaufstrubel geht, denn direkt gegenüber, hinter dem Busbahnhof ist der Eingang zum großen Einkaufszentrum West Orchards, dessen Ambiente allerdings mit dem romantischen Namen „Westliche Obstgärten“ nur wenig zu tun hat…

Mir aber egal – ich sitze gemütlich, brauche kein Einkaufszentrum, sondern bin zufrieden damit, die Menschen zu beobachten, ihre Gespräche zu belauschen und mein Bier zu genießen.

das Pub in seiner ganzen Pracht

The Flying Standard ist täglich von 08:00 Uhr bis Mitternacht durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln könnte besser nicht sein: Der Busbahnhof Trinity Street, an dem sich alle Linien der Stadt kreuzen, ist direkt vor dem Eingang.

Bilder

The Flying Standard
2–10 Trinity Street
Coventry CV1 1FL
West Midlands
England
Großbritannien

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