Cervezas La Cibeles S.L.
Madrid – Leganes
ESP

„Du bist bald in Madrid? Dann musst Du unbedingt meinen alten Freund David Castro besuchen. Er hat eine Brauerei in Leganes, einem Vorort.“ Mit diesen Worten eines Hausbrau-Freundes hatte die Planung meines heutigen Besuchs begonnen, und nun, rund drei Wochen später, stehe ich nach einer langen U-Bahn-Fahrt vor dem Tor der Brauerei Cervezas La Cibeles S.L..

Eigentlich ja eine Werkshalle wie hunderte andere in den Industriegebieten der Stadt. Eigentlich … Uneigentlich aber empfängt mich ein knallbuntes Gemälde, das eine Phantasie-Landschaft zeigt. Grüne Pflanzen vor einem Ozean aus Bier, der sich bis zu einem Horizont aus Schaum erstreckt, genährt von drei gewaltigen Bierflaschen. Die durstig machende Szenerie ist auf große Kunststoffplatten gemalt, die die Vorderfront der Halle bedecken. Sollen sie das Sudhaus vor der Sommersonne schützen oder eine hässliche Wellblechfront aufhübschen? Ich weiß es nicht, bin aber von der Farbenorgie schon begeistert noch bevor ich die Brauerei betreten habe.

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die knallbunte Werkhalle

Ich klingle am Tor, und nur wenige Sekunden später stehe ich mit David mitten in der Halle. Laut ist es hier. Eine kleine, aber moderne Abfüllanlage rattert, die Bierflaschen scheppern, und ein alter Ghettoblaster bemüht sich nach Kräften, den Lärm mit seinen übersteuerten Lautsprechern zu übertönen. Am einen Ende der Abfüllung stellen zwei junge Leute in stoischer Gleichmäßigkeit leere Flaschen aufs Band, langsam wandern die Flaschen das Band entlang, werden gereinigt, gefüllt, verschlossen und etikettiert. Am Ende des Bandes wieder zwei junge Leute, die geduldig einen Pappkarton nach dem anderen mit dem frischen Bier füllen.

Noch sagt David nicht viel, das ändert sich aber rasch, als wir in einen etwas ruhigeren Bereich der Brauerei vordringen.

„Seit 2010 habe ich die Brauerei“, erzählt er, als wir endlich vor dem Sudwerk stehen. „Und von Anfang an bin ich am Erweitern und Vergrößern!“

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das Sudwerk – 5500 l

Ich betrachte das Sudwerk. Zwei Geräte, ein Heißwassertank, ein Whirlpool. „Ganz schön groß“, staune ich, und David bestätigt mir meinen Eindruck. „Bis zu 55 Hektoliter können wir auf einmal herstellen, aber dann sind auch alle Bottiche und Pfannen randvoll. Angefangen haben wir seinerzeit mit einer Anlage von 10 Hektolitern, die ist aber rasch zu klein geworden.“

Neben dem Sudwerk die Gär- und Lagertanks. Große, hohe zylindrokonische Tanks. 12000 Liter gehen in die großen Tanks. In einer langen Tagschicht würden zwei Sude hintereinander gefahren und so ein Tank gefüllt, erzählt mir David. Aber nur von den Standard-Biersorten. Einige andere Sorten würden in geringerer Menge hergestellt und gören dann auch in kleineren Behältern.

„In diesen hier?“, frage ich und tippe auf einen der kleineren Tanks. „Nein, das sind noch mal extra beschaffte Tanks, nur für die KEG-Füllung“, korrigiert mich David. „Wir pumpen einen Teil in diese kleinen Tanks um und füllen von dort aus die KEGs, nur die Flaschenfüllung läuft über die anderen Tanks. Das ist effizienter.“

Die Masse des Biers wird im Großraum Madrid verkauft, und so hat David keine großen Probleme mit der Distribution und dem Rücklauf seiner KEGs. Im Gegensatz zu vielen kleineren Brauereien spielen Kunststofffässer und PETainer somit bei ihm keine große Rolle.

Aber das meiste Bier geht auf Flaschen. Einwegflaschen. „Hier ist noch Potential zur Verbesserung“, stellt David fest. „Die Flaschenzufuhr müsste man automatisieren, und das Palettieren der befüllten Flaschen auch noch“, erläutert er weiter. „Die jungen Leute, die Du dort an der Flaschenfüllung siehst und die die ganze Zeit ein- und auspacken – das sind hochqualifizierte Mitarbeiter, die ich an anderer Stelle viel besser gebrauchen könnte. Kommt aber alles noch!“

Ich klettere auf den „Kommandostand“ des Sudwerks, um noch einmal einen Überblick über die ganze Halle zu haben. Ganz schön groß. Ich bin beeindruckt. Zumal zu dieser großen Halle auch noch die Keller hinzukommen, in denen das abgefüllte Bier, die KEGs und die Paletten mit den Kartons, stehen.

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die großen zylindro-konischen Gärtanks

„Aber jetzt wollen wir doch mal probieren, oder?“, fragt David, und wir gehen eine kleine Treppe hoch in den ebenfalls überraschend großen Verkostungsraum. Hier ist es endlich etwas ruhiger, und wir können uns unterhalten, ohne uns anschreien zu müssen.

„Einen regelmäßigen Ausschank gibt es hier nicht, dazu müssten wir zu viel in die Infrastruktur investieren und umbauen, und Personal würde es zu viel binden. Nur ab und zu haben wir geschlossene Veranstaltungen hier“, berichtet David, während er uns ein erstes Bier zapft. „Und natürlich nutzen wir den Raum für uns selber, das ist doch klar“, lacht er.

Er stellt zwei Gläser mit Pale Ale vor uns auf die Theke. Ein leckeres, süffiges Bier. Rasch gefolgt von einem zweiten, dem India Pale Ale. Etwas stärker im Aroma und Geschmack, etwas kräftiger im Alkohol. „Ich habe aber nur diese zwei Biere am Fass, jetzt probieren wir noch ein paar andere aus der Flasche!“ Spricht’s und füllt die nächsten Gläser.

Ich komme gar nicht hinterher mit dem Probieren und Verkosten. Zwei Flaschen vom Rubia, dem Standard-Hellen der Brauerei setzt er auf die Theke. Eine frische, und eine, die über ein Jahr alt ist. Ich schmecke einen deutlichen Unterschied. „Die alte Flasche schmeckt metallisch – das kann aber doch nicht von der Alterung kommen!“, stelle ich fest. „Nein, davon kommt es nicht. Du hast recht, wir haben seit letztem Jahr die Technik etwas geändert, es waren ein paar Bauteile in der Produktion, die einen Hauch von metallischem Geschmack hinterlassen haben. Der ist jetzt weg. Und so verbessern wir unsere Biere ständig.“

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im Verkostungsraum

David legt Wert auf die Qualität seiner Biere. Auch das Trigo, das Weizenbier, das wir jetzt noch probieren, ist ausgezeichnet. Saubere Aromen, leckere Geschmäcker, keine Fehlgeschmäcker – bis auf den Hauch von Metall eben in dem alten Bier. Aber wirklich nur ein Hauch.

Was aber überrascht, sind die eigenwilligen Interpretationen der Stile. David gibt nicht viel auf die klassischen Definitionen eines Pale Ales oder eines Hefeweizens. Er nimmt sich die Freiheit, die Stile zu verändern, andere Zutaten hinzuzufügen, die Biere malziger oder trockener, hopfiger oder milder zu machen, und mancher Genießer mag überrascht sein, welche Aromen ihm in seinem Bier begegnen.

Der Erfolg gibt David aber recht. Cervezas La Cibeles S.L. ist eine nach nur sieben Jahren erstaunlich große Brauerei, eine der größten in Madrid, und die Biere sind überall in der Stadt präsent. Benannt ist die Brauerei nach der griechischen Göttin Kybele, der Göttin der Erde, Landwirtschaft und Fruchtbarkeit. Auf einem von Löwen gezogenen Wagen sitzt Kybele als Skulptur in der Mitte der bekannten Plaza de Cibeles vor dem Palacio de Linares im Zentrum der Stadt Madrid. Und ihr Kopf schmückt auch alle Etiketten der Brauerei.

Mittlerweile stehen wir wieder in Davids Büro, in dem unser Rundgang begann. Er packt mir noch einen Pappträger mit leckeren Proben zusammen, bevor er sich wieder seiner Arbeit widmen muss und ich mich auf den Weg zurück ins Hotel mache, den Kopf voller neuer Eindrücke einer noch jungen, aber sehr aufstrebenden Regionalbrauerei.

Die Brauerei Cervezas La Cibeles S.L. ist keine Gasthausbrauerei; ihre Öffnungszeiten (montags bis freitags von 09:00 bis 18:0 Uhr) sind daher Büro-Öffnungszeiten für Händler und Direktkunden. Veranstaltungen wie Bierproben, Besichtigungen, Braukurse oder Konzerte werden im Internet angekündigt. Zu erreichen ist die Brauerei mit der Metro, Linie 10 (dunkelblaue Linie) Station Joaquín Vilumbrales (Achtung – außerhalb des Tarifgebiets A der normalen Tages- oder Wochenkarten!), und von dort noch etwa 500 m zu Fuß.

Bilder

Cervezas La Cibeles S.L.
Calle Petroleo, 34
28918 Madrid – Leganes
Spanien

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