Barley’s Braukeller
Waltenhofen
DEU

Ein bisschen schwierig war es ja schon… Da sind wir, wie fast jedes Jahr im Frühling, für ein paar Tage im Allgäu, und in Vorbereitung der Reise schaue ich natürlich im Internet nach, ob es irgendwelche neue Brauereien zu erkunden gibt. Oder vielleicht auch mal eine etwas ältere, die mir bisher vielleicht durchgerutscht ist. Und siehe da: In Waltenhofen soll es etwas geben. Knallrot steckt dort eine elektronische Stecknadel in der digitalen Landkarte: Barley’s Braukeller. Seit 2015. Aha!

Nun ist das ja mit Ortsangaben in Deutschland seit der Gemeindereform und den fünfstelligen Postleitzahlen so eine Sache. Was in der postalischen Adresse steht, muss mit der empfundenen Realität nicht viel zu tun haben… Und so bedurfte es einiger klärender Klicks, um herauszubekommen, das es sich ja eigentlich um Oberdorf handelte, das wiederum zu Martinszell gehört, und das schließlich zu Waltenhofen.

Auf nach Oberdorf also, mit dem Finger auf der Landkarte, in die Straße Zum Stein 8. Ein paar Klicks, und ich lande auf der Domain allgaeu-zapf.de. Hm, also nicht Barley’s Braukeller? Ich klicke weiter, finde Angebote für Brauanlagen der Firma Brewiks, Tipps, wie man diese bedient, und die Aufforderung, sich eine der Anlagen doch einmal im Betrieb anzusehen. Und zwar unter der obigen Adresse.

Zwei, drei eMails später stand der Termin, und nun stehen wir in Oberdorf, Zum Stein 8, und schauen auf ein ganz normales Wohnhaus. Brauerei? Auf den ersten Blick: Fehlanzeige. Auf den zweiten Blick: Links kommt ein gewaltiges Lüftungsrohr aus dem Erdgeschoss. So sehen heutzutage vielleicht Brüdenabzüge aus. Und auf den dritten Blick: Ein kleines, unauffälliges Schild: Barley’s Braukeller. Na also!

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Barley’s Braukeller

Wir klingeln, aber nichts passiert. Stattdessen rauscht ein Auto in die Einfahrt, ein junger Mann springt heraus, sieht uns und schaut erleichtert: „Da bin ich ja gerade noch pünktlich gekommen! – Ich heiße übrigens Manuel.“ Er schließt auf, und wir betreten das Erdgeschoss, kommen in einen weiß gekachelten Raum mit grauem, versiegelten Estrich, und drinnen steht eine schlichte, aber ansehnliche Edelstahl-Brauerei.

„Das ist mein Showroom“, erzählt Manuel. „Seit anderthalb Jahren habe ich den Europa-Vertrieb für die Brauereien der slowenischen Firma Brewiks, und hier braue ich und kann so den potentiellen Kunden zeigen, wie die Anlage funktioniert. Und nebenbei fällt auch eine Menge Bier an, als erwünschter Nebeneffekt, gewissermaßen“, grinst er.

Manuel Günther hat, wie viele andere Kleinbrauer auch, als Hobbybrauer in der 20-Liter-Klasse angefangen, und zwar mit einer selbstgebauten Anlage in Opas Stadel. Wirtschaftlich war der Braubetrieb allerdings nicht, wie er schnell feststellte. Während eines langen Produktionstags ging letztendlich fast die gleiche Menge durch die durstigen Kehlen aller Helfer und Mitarbeiter, wie gleichzeitig in dem kleinen Sudwerk neu entstand. Eine größere Anlage musste also her.

Mit viel Aufwand wurde das Erdgeschoss des neuen Wohnhauses als Sudhaus hergerichtet, eine 2-hl-Anlage von Brewiks beschafft und installiert, und seit Ende 2015 wird hier in etwas größerem Maßstab gebraut. Pro Sud ginge zwar immer noch eine Kiste Bier als Betriebsstoff für das Personal drauf, stellt Manuel lachend fest, aber unterm Strich bliebe jetzt trotzdem so viel übrig, dass es sich lohne, es auf Flaschen zu füllen und zu verkaufen. Einfache Euroflaschen nehme er, das sei simpel und käme hier in der Region auch gut an. Man sei da konservativ. Spricht’s und drückt mir eine Flasche India Pale Ale in die Hand. „Konservativ, so, so, …“, denke ich. „Und dann ein IPA …“ Ich muss schmunzeln.

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das IPA in der Hand – Cold Crush, Märzen, Bock und Weizen im Tank

Die leuchtend orangene Farbe, die gleichmäßige Trübung, der weiße Schaum, das harzig-fruchtige Aroma, der malzige Körper und die kräftige saubere Bittere im Abgang – bei diesem Bier passt alles zusammen. Der erste Schluck fällt gleich ein wenig größer aus als beabsichtigt!

Mit dem Glas in der Hand schauen wir uns das Sudwerk ein wenig näher an. Auf den ersten Blick: Tolle Verarbeitung. Alles sieht sehr solide aus, saubere Schweißnähte, robuste Armaturen. Begeistert streiche ich über das Metall und die leicht abgerundeten Kanten. Und plötzlich: „Nein“, lässt sich meine holde Ehefrau deutlich vernehmen. „Fang gar nicht erst an, daran zu denken! So ein Teil kommt uns nicht in die Garage! Du hast sowieso keine Zeit, regelmäßig zu brauen…“

Manuel und ich grinsen uns an. Aber das hatte ich im Vorfeld in der eMail schon klar gemacht: Ich komme nicht, um zu kaufen. Nur um zu kucken und zu erzählen.

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Manuel & Volker

Und zum Kucken und Erzählen gibt es genug. Zum Beispiel, dass in die Doppelwandung der Pfanne eine Kühlschlange integriert ist. Konstruktionstechnisch recht aufwändig, aber eine pfiffige Lösung. Oder dass die Gär- und Lagertanks an eine gemeinsame Kühlung angeschlossen sind, die im Bedarfsfall – obergäriges Bier und Allgäuer Winter! – auch zur Heizung genutzt werden kann. Und, und, und, …

Eine schöne und durchdachte Konstruktion, finde ich, und wir beenden das „Verkaufsgespräch“, wenden uns lieber dem Bier zu. „Ein Weizen hätte ich auch noch da“, sagt Manuel, und im Nu habe ich ein neues Glas in der Hand. Strahlendes Gelb, feiner Schaum, leicht fruchtiger Geruch, spritzig im Antrunk. Richtig lecker!

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Weißbieridyll

Wir stellen uns auf die Terrasse, schauen auf die schneebedeckten Berge und die blühenden Wiesen hinter dem gegenüberliegenden Haus. Eine herrliche Lage für eine so kleine Brauerei. „Es ist zum Glück kein reines Wohngebiet, sondern ein Mischgebiet, deswegen war es mit der Anmeldung des Gewerbes auch kein Problem“, freut sich Manuel. „Und mittlerweile verkaufe ich eigentlich meine ganze Produktion hier im Dorf. Entweder auf dem Markt, oder freitagnachmittags hier, da habe ich regulär geöffnet, und dann kommen meine Kunden, viele auf ein schnelles Bier im Stehen, andere kaufen sich ein paar Flaschen oder einen Wochenvorrat zum Mitnehmen.“

Heute ist Donnerstag, aber wie wir so hier stehen, füllt sich die Terrasse dennoch. Manuels Geschäftspartner Florian kommt vorbei, gesellt sich zu uns, dann Manuels Vater, und schließlich fährt noch ein potentieller Kunde aus Österreich vor, der sich die Anlage genauer ansehen möchte. Auf der kleinen Terrasse herrscht plötzlich buntes Treiben.

Einen letzten Blick werfe ich noch in das, was normalerweise die Garage wäre: Das Lager für Fässer, Kisten, Kartons und Zapfanlagen. Aber dann wird es auch wieder Zeit, aufzubrechen.

Während wir langsam wieder in Richtung Schnellstraße rollen, tippe ich ein wenig auf meinem Telefon herum. Und jetzt, wo ich es nicht mehr brauche, jetzt finde ich neben allgaeu-zapf.de auch die etwas eingängigere Domain, nämlich barleys-braukeller.de. Onkel Google hatte sie pfiffiger Weise erst auf der zweiten Seite der Suchergebnisse versteckt…

Barley’s Braukeller ist Showroom und Produktionsbrauerei gleichzeitig und ist freitags von 15:00 bis 18:00 Uhr für den Ausschank und den Rampenverkauf geöffnet. Weitere Termine auf Anfrage. Zu erreichen ist Barley’s Braukeller in drei Minuten von der Schnellstraße B19, Abfahrt Martinszell, in der kleinen Straße kann man recht problemlos parken. Alternativ bietet sich die Bahn an – vom Bahnhof Martinszell sind es auch nur fünf Minuten bis zur Brauerei.

Bilder

Barley’s Braukeller
Zum Stein 8
87 448 Waltenhofen
Bayern
Deutschland

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