my-ale
Roma
ITA

Es ist ja ein ganz kleines bisschen irreführend, diese winzige Bar my-ale zu nennen, liegt doch der Schwerpunkt in diesem kleinen Lädchen auf Panini und Focacce. Aber Bier gibt’s auch. Leckeres Bier sogar und eine gute Auswahl. Zwar nur aus der Flasche, aber immerhin.

Wir bummeln die Via die Cappellari entlang, ein kleines lauschiges Gässchen. Es ist Mai, die Sonne lacht, und trotzdem sehen wir erstaunlich wenig Touristen. Was ist los, haben wir uns im Stadtteil geirrt? Überall nur italienische Stimmen. Die Vespas kurven um die verhältnismäßig wenigen Fußgänger herum, ein etwas älterer Mann zieht einen klappernden Handkarren über das Pflaster, und oben, im Obergeschoss lehnt eine Oma am Fenster und beobachtet genau, was in der Gasse alles passiert. Mitten in Rom und doch so idyllisch.

Rechter Hand sehen wir ein kleines Delikatessenlädchen, das my-ale. Ein winziger Raum nur, diagonal durch die Theke geteilt. Den Raum hinter der Theke, dreieckig, mit der Spitze zur Straße, teilen sich zwei junge Damen und ein Herr, wuseln fleißig hin und her. Schneiden hauchdünne Schinkenstreifen, stellen appetitliche Käseplatten zusammen, backen Fladenbrote auf, sind enorm geschäftig. Als ob vor dem Tresen eine fünf Meter lange Schlange von ungeduldigen Kunden warten würde.

Vor der Theke das komplementäre Dreieck, mit der Spitze nach hinten in den Laden, es ist nur wenig Platz. Drei Barhocker an der Theke, vier an der gegenüberliegenden Wand an einem kleinen Brettchen, auf dem Teller und Gläser abgestellt werden können. Aber alle Plätze sind leer. Jedenfalls bis auf die beiden, auf denen wir jetzt Platz nehmen.

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leckere Schinken und Werbung für das gute Bier

An der Wand hinter der Theke hängen große, luftgetrocknete Schinken, ihr wunderbarer Duft erfüllt den ganzen Raum. Und über den Schinken der Schriftzug my-ale. Tja, ein Bier, das wäre es jetzt. Die Kehle ist staubig, wir sind schon ein Weilchen durch Rom spaziert. Eine der beiden Damen hinter der Theke reicht mir die Bierliste. Knapp zwanzig Positionen, durchweg kreative Biere aus kleinen, italienischen Brauereien. Von BrewFist und Extra Omnes abgesehen, durchweg unbekannte Hersteller. Da könnte ich jetzt ein Weilchen verkosten und viel Neues entdecken.

Ich bitte die nette Bedienung um eine Empfehlung, nicht zu stark im Alkohol, erfrischend, trotzdem aber etwas Besonderes. Sie zögert nicht lang und bringt mir eine Flasche L’Ariccina, ein Saison al Farro, also ein Saison mit Dinkel gebraut. Aus der Birrificio Castelli Romani. Ein prima Tipp! Die Saison-Hefe und der Dinkel sind deutlich, aber nicht zu dominant herauszuschmecken, das Bier ist trotzdem noch leicht und spielerisch, schön erfrischend. Viel zu schnell leert sich das Glas.

Als zweites Bier wähle ich mir das Seta Wit der Birrificio Rurale aus, ein belgisches Wit mit leichten Koriander- und Orangenaromen. Ebenso erfrischend wie das Saison. Zwei wunderbare Sommerbiere, perfekt passend für den Augenblick.

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eine beeindruckende Bierauswahl

Ein gefülltes Brötchen, ein Focaccio, bestelle ich mir dazu und beobachte, wie es mit viel Liebe zubereitet wird. Der Teig wird noch einmal aufgebacken, dann kommen hauchdünne Schinkenscheiben und etwas Salat dazu, ein wenig Käse. Alles frisch aufgeschnitten. Marco Galli, der Eigner des kleinen Lädchens, der mit den beiden Mädchen hinter der Theke steht, betont, dass alles, was hier angeboten würde, aus streng biologischem Anbau komme. Die Fruchtsäfte würden selber gepresst, und zwar mit einer Maschine, die bei niedrigen Drehzahlen die Enzyme im Saft schonen würden und ähnliches. Zum Nachtisch gibt es eine Reihe selbstgebackener Kuchen, so dass auch das unstillbare Verlangen der Italiener nach Dolce befriedigt werden kann.

Wenn alles so aromatisch und wunderbar komponiert schmeckt wie das simple Käse- und Schinkenbrötchen (wie profan sich die deutsche Übersetzung für das Focaccio anhört…), und wenn alle Biere so frisch und balanciert sind wie die beiden, die ich gerade getrunken habe, dann soll dieses kleine Lädchen wohl eine ausdrückliche Empfehlung wert sein.

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viel Platz ist nicht

Ich kann es aber nicht lassen und muss die beiden Mädels fragen, wie sich ein so kleines Lädchen mit einer so bunten Auswahl denn rechnen würde, bei gerade einmal sieben Hockern und so wenig Platz? Das sei gar nicht so schwierig, lautet die lachende Antwort. Zum einen sei es selten so ruhig wie jetzt, normalerweise stünden ganze Menschentrauben in und vor dem Lädchen, und es würde beliebig eng hier drin, und zum anderen gebe es zehn Meter weiter noch einen zweiten Eingang und dahinter größere Räumlichkeiten, in denen dann Familienfeiern, Verkostungen, kleine Konzerte oder was auch immer veranstaltet werden könnten. Und da gingen dann definitiv mehr Gäste hinein als nur sieben.

Ich bin beruhigt. Denn auch wenn es hier „nur“ Flaschenbier gibt, hat mich die Auswahl und Qualität sowohl vom Bier als auch von den Speisen überzeugt, und auch die nette Atmosphäre hat meiner holden Ehefrau und mir vom ersten Moment an gefallen. So schön, und das mitten in der Stadt!

Das kleine Bier- und Spezialitätenlädchen my-ale ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend geöffnet; sonntags ist Ruhetag. Es liegt in einer kleinen Gasse etwa 100 m südlich vom Corso Vittorio Emanuele II, der sich in Ost-West-Richtung durch die Stadt zieht. Dort ist auch die Bushaltestelle Chiesa Nuova, an der rund ein halbes Dutzend Buslinien hält.

Bilder

my-ale
Via dei Cappellari, 79
00186 Roma
Italien

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