Die Hausbrauer Nassauer Land zu Gast im Kommunbrauhaus Junkersdorf
Junkersdorf
DEU

Seit Monaten lief die Planung schon, immer wieder musste der Termin umgeworfen und neu angesetzt werden, aber am 30. August 2008 war es dann endlich soweit – die Hausbrauer Nassauer Land als regionale Braugruppe der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer Deutschland e.V. (VHD) waren zu Gast im Kommunbrauhaus Junkersdorf und konnten beim eigens angesetzten „VHD-Sud“ mit anfassen, mit diskutieren, mit essen und – natürlich – mit trinken.

Acht Hausbrauer aus dem Raum Limburg, Lahn, Taunus und Westerwald (Euckerbräu, Mühlenbräu, Brunnenbräu®, Paul Jakob Bräu und Froschbräu) waren wir und trafen uns am frühen Morgen des 30. August 2008 in freudiger Erwartung eines interessanten Tages vor dem Kommunbrauhaus Junkersdorf. Teilweise waren wir schon am Abend vorher angereist, hatten in der Nähe übernachtet und schon das eine oder andere lokale Bier verkostet.

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Kommunbrauhaus Junkersdorf – Außenansicht

Vor circa 200 Jahren war das Kommunbrauhaus Junkersdorf erbaut worden und diente bis 1988 seinem ursprünglichen Zweck, bis der Braubetrieb leider zum Erliegen kam. Zwar wurde das Gebäude schon 1992 unter Denkmalschutz gestellt, aber es verfiel zusehends weiter, bis sich Kurt Maria Adler, Ludwig Müller und Axel Fella 1995 zusammen taten, das Gebäude kauften und mit viel finanziellem und noch mehr handwerklichem Aufwand das Brauhaus wieder belebten. Ende 1998 war es dann soweit und der erste Sud im frisch renovierten Kommunbrauhaus wurde angesetzt. Schnell wurde das Brauhaus Junkersdorf zur örtlich, bald regional und schließlich auch bundesweit bekannten Institution, und die offizielle Einweihung als Kommunbrauhaus erfolgte im Juli 2001. Bis heute wurden fast 50 Sude angesetzt – unser „VHD-Sud“ trägt die Nummer XXXXVIII.

Neugierig strolchten wir erst einmal durch das alte Gemäuer, bestaunten das Sammelsurium von Gerätschaften, Bierkrügen und sonstigen interessanten Dingen und machten uns mit der antiquierten Technik vertraut. Kurt hatte am Vorabend schon einige Hektoliter Wasser vorgeheizt, und so konnten wir dann ohne Verzug beginnen. Einmaischen, rühren, heizen, fachsimpeln, wieder rühren. Dann wurde eine Dickmaische gezogen, mit der uralten Pumpe in den Sudkessel gepumpt und nach kurzer Wartezeit und erfolgreicher Jodprobe gekocht.

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jeder Sud beginnt mit dem kräftigen Einheizen

Zurückfließen lassen in den Maischebottich, und im Nu füllte sich das ganze Brauhaus mit dichtem Dampf. Und wieder rühren, rühren, rühren.

Nun aber erstmal die erste Pause und leckere Brotzeit – irgendjemand hatte einige Laibe frisches Brot und ein paar Kilogramm Käse geholt, und wir genossen in der strahlenden Sonne die Stärkung.

Einige von uns nutzten diese kleine Pause, um sich zu weiteren Erkundungen „davonzustehlen“ – Walter Simon, der in verschiedenen Kommunalbrauhäusern der Region Braukurse anbietet und sich daher hier auskennt, wie in seiner Westentasche, führte die Gruppe an. Erste Station war das Brauhaus Ueschersdorf in der Nachbargemeinde. Ähnlich wie in Junkersdorf wurde im Jahre 2003 auch hier auf Initiative eines Bürgers das alte Brauhaus wieder auf Vordermann gebracht und nun von einer Braugruppe mit fünf aktiven Mitgliedern betrieben.

Weiter ging es nach Thüringen zum Brauhaus in Schweickershausen. Nach kurzen einführenden Worten von Walter schloss uns der Bürgermeister persönlich das Brauhaus auf. Interessant zu sehen, dass trotz der fast fünf Jahrzehnte dauernden Abschottung zwischen Franken und Thüringen durch den „Eisernen Vorhang“ die Braukultur in ähnlicher Weise fortgeführt wurde und auch hier ein Kommunbrauhaus erhalten geblieben ist. Eine schöne Besonderheit am Rande: Die zwei hoch oben an der Wand befestigten, selbstgebauten und isolierten Tanks für das Anschwänzwasser.

Die Zeit begann, uns zwischen den Fingern zu zerrinnen – schließlich wollten wir ja zurück zu unserem „VHD-Sud“. Schnell weiter also zu unserer dritten und letzten Station in Lindenau. Hier empfing uns ein außen schon liebevoll renoviertes Brauhaus, welches mit seinen vier Gärkammern und einer Ausschlagwürzemenge von sage und schreibe 34 hl auch das größte kommunale Brauhaus unserer Tour sein sollte. Egon Meister, der mit Leib und Seele die traditionelle Braukunst weiterführt, begrüßte uns und zeigte uns enthusiastisch all die Besonderheiten dieses Brauhauses, insbesondere, dass hier die Biere in gepichten Fässer offen im Sandsteinkeller gelagert und ungespundet verkostet werden. Ein Bier, das es in dieser Form wohl nur einmal in der Region gibt, und das unsere Vorstellung, wie ein Bier zu sein hat, fast sprengt. Aber lecker!

Um nicht völlig die Zeit zu vergessen und den Junkersdorfer Sud zu verpassen, verabredeten wir uns mit Egon für abends in Junkersdorf, um dort die Fachsimpelei beim Feierabendbier fortzusetzen – ein Angebot, das er gerne annahm und anhand mitgebrachter Fotoalben auch gleichermaßen geduldig wie begeistert in die Tat umsetzte.

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in Junkersdorf wurde fleißig gearbeitet

In Junkersdorf war es mittlerweile schon fleißig weitergegangen – während die Reisevögel unterwegs waren, begann hier das Abläutern (was ja fast von selbst geht) und das Schwänzen – letzteres war harte Arbeit. Fast 700 Liter heißes Wasser hatten wir in großen Tonnen vorbereitet, und mit großen Kellen musste es nun auf den Treber geschöpft werden. Eine schweißtreibende Arbeit. Aber erfolgreich, denn nachdem wir die Würze wieder in den Sudkessel hoch gepumpt hatten, freuten wir uns über den Ertrag: 12° Stammwürze – die Mühe hatte sich gelohnt.

Zwischendurch schauten immer mal wieder Besucher aus dem Dorf herein, tranken ein Bier, plauderten, und auch andere VHD-Mitglieder ließen sich blicken – Walter Simon, der schon den Mittagsausflug angeführt hatte, Michael Mihm, Hans Rolf Linke, Andi Sperr und Petra Paulsen waren – zum Teil auch zig Kilometer weit – angereist, um mit dabei sein zu können.

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Würze kühlen auf dem Kühlschiff

Jetzt wurde aber der Kessel wieder angeschürt, neues Holz musste gehackt werden, und die Würze kochte fleißig vor sich hin. Erst als nach dem Hopfenkochen sich die heiße Würze in das Kühlschiff ergoss und das ganze Brauhaus erneut in dichten Nebelschwaden versank, wussten wir, dass für heute die meiste Arbeit erledigt war.

Der Sudkessel wurde noch gereinigt, der Treber bleibt bis zum nächsten Tag stehen, bis die Bauern der Region sich ihn abholen, aber eines war noch vorzubereiten: Die Gärbottiche mussten mit heißem Wasser geweicht werden, damit das Holz quoll und die Bottiche dicht wurden. Also erneut schüren, Wasser kochen und pumpen.

Und eins kam noch hinzu: Dieser VHD-Sud sollte für die Haus- und Hobbybrauertage im Oktober auch auf extra für diesen Anlass bedruckte Flaschen gezogen werden – wir mussten also noch über 300 Flaschen mit Keramikverschlüssen versehen und im Gärkeller verstauen.

Und so dauerte es doch tatsächlich bis zum Einbruch der Dunkelheit, bis alle für heute anstehenden Arbeiten getan waren und wir uns nun unter klarem Sternenhimmel an einem wunderschönen Sommerabend vor’s Brauhaus setzen konnten. Bei deftigem Gulasch und Nudeln, mit leckerem Junkersdorfer und Nassauer Bier. Müde, aber zufrieden und erfüllt mit schönen Eindrücken ließen wir den Abend gemütlich ausklingen.

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gemütlicher Ausklang des Brautags

Ein tolles Erlebnis – besonders für uns Hausbrauer aus dem Nassauer Land, einer Region, in der wir eine solche Tradition der Kommunbrauhäuser nicht kennen. Herzlichen Dank also an Kurt Maria Adler und seine Freunde, dass sie uns so offen aufgenommen und integriert haben, dass wir so lecker verköstigt wurden und jede auch noch so dumme Frage geduldig beantwortet wurde – und hoffen wir, dass das Bier genauso gut schmecken möge, wie der vorherige Sud, an dem wir uns heute den ganzen Tag gelabt haben!

Die Hausbrauer Nassauer Land zu Gast im Kommunbrauhaus Junkersdorf

Obiger Bericht erschien einige Wochen später auch im Vereinsblättchen der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland e.V. (VHD), dem Schalander:

Bericht im Schalander

2 Kommentare

  1. Es gibt noch ca 30 solcher Brauhäuser, die im Gegensatz zum oberpfälzer Zoigl so gut wie unbekannt sind aber ein wahres Juwel der Braukunst darstellen. Leider gibt es weder im Internet, noch in der Literatur eine vollständige Abhandlung darüber. Ich habe auf meiner Homepage auch nur eine Liste der der Orte, die aber inzwischen nicht mehr auf dem neuesten Stand ist. Aber immerhin habe ich sie alle besucht, wenn auch nicht überall Bier erhältlich war.

    • Hallo, Gernot,

      ja, mit der Bezeichnung „Juwel der Braukunst“ hast Du bei diesen Kommunbrauhäusern sicherlich recht. Besucht habe ich bisher nur wenige, leider – aber das in Junkersdorf war eine wunderbare Erfahrung, gerade weil wir auch beim Sud mit anpacken durften.

      Respekt übrigens, dass Du Dich auch durch die Uralt-Beiträge meines Blogs durcharbeitest.

      Mit bestem Gruß,

      VQ

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