Dargett Brewpub
Jerewan (ARM)

Nachtrag 22. November 2025: Heute reist ein Bierfreund und Sommelier-Kollege durch Armenien, nicht ohne vorher meinen Blog zu befragen, wo man dort gutes Bier finden könne.

Sein Fazit zum Dargett Brewpub könnte eindeutiger nicht sein:

„mega gute Lokalität, sehr viel Auswahl an Bierstilen, alles sehr gut, besten Dank für die Empfehlung! Mittlerweile findet man die Biere auch an jedem Kiosk in Flaschen, und gestern hatte ich schon das Apricot Ale von denen aus der Flasche – wie ich gelernt habe, ist das ja die Nationalfrucht von Armenien. Ansonsten auch ein phänomenal gutes Baltic Porter – ich werde dank der schriftlichen Prüfung nie wieder vergessen, dass dies ein untergäriges Bier ist.“

Und er hat mir eine Flasche von dort mitgebracht, eben das Apricot Ale, das es mittlerweile tatsächlich auch in Flaschen gibt: Dargett Craft Beer – Apricot Ale (5,0%)

Im Glas zeigt das Bier eine schöne, leicht ins Orangene changierende, dunkelgelbe Farbe, eine kräftige Trübung und einen schönen, weißen Schaum.

Der Duft ist fruchtig-säuerlich mit zurückhaltenden Aprikosenaromen.

Dargett Craft Beer – Apricot Ale

Dem frischen, spritzigen Antrunk folgt ein runder und süßlicher Eindruck auf der Zunge, der von einer ganz dezenten Fruchtsäure begleitet wird. Eine Hopfenbittere ist nur bei genauem Hinschmecken zu spüren. Retronasal sind die Aprikosenaromen sehr intensiv, sehr präsent – wirklich schön!

Nach dem Schluck gleitet das Bier frisch, aber sanft durch den Schlund, retronasal erblühen die Aprikosen noch einmal kräftig, und dann klingt das harmonische Bier gleichmäßig und zart ab.

Bildergalerie

Dargett Brewpub

21 Zapfhähne, fußläufig zum Stadtzentrum, holzbetonte, etwas grobschlächtige Einrichtung – damit reiht sich das Dargett Brewpub ein in hunderte von Kleinstbrauereien rund um den Globus. Die Holztische und Bänke sind voll von jungen Leuten, das Bier fließt in Strömen, die Musik wummert, es wird gelacht, und es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.

Mitten in Berlin? Nein. London? Nein. Portland? Wien? Rom? Alles falsch.

Das Dargett Brewpub befindet sich in Jerewan, in der Hauptstadt Armeniens, und es ist einer der Orte, an dem man rasch vergessen kann, wo man ist.

Zeitgeist

Das mag man positiv sehen, wenn man sich fremd fühlt in der Stadt, nach einer vielleicht anstrengenden Konferenz der Kopf brummt und beim besten Willen die Neugier auf neue Eindrücke, fremde Kulturen und spannende interkulturelle Begegnungen ein wenig nachlässt. Oder man sieht es negativ und beklagt die Einheitlichkeit der Craftbier-Kultur rund um den Globus.

Doch ist sie wirklich so einheitlich?

Die Inneneinrichtung mag diesen Eindruck erwecken. Auf zwei Etagen stehen relativ schlichte Holzmöbel. Die Treppe entlang ist die Wand verziert mit einer Darstellung des Brauprozesses – sorgfältig mit Kreide skizziert. Und im Tiefgeschoss sieht man durch große Glaswände auf das Edelstahlsudwerk der Firma BrauKon.

das Sudwerk kommt aus Deutschland

Aber spätestens bei der Bestellung, wenn sich der Besucher an den Tresen lehnt und den Blick über die 21 Zapfhähne schweifen lässt und die Qual der Wahl hat, merkt er wieder, dass er sich in Armenien befindet: Aprikosenbier. Das Flagship-Bier der Brauerei Dargett. Die Aprikose ist die Nationalfrucht Armeniens. Das süße, herrlich aromatische Obst stammt aus diesem Land im Kaukasus, und seine weiche, fleischige Konsistenz, sein parfümig-attraktiver Geruch und sein zuckrig süßer Geschmack ließen es die Welt erobern. Prunus armeniaca lautet sein lateinischer Name – die armenische Pflaume.

So ist denn auch das Aprikosenbier der Renner bei Dargett. Ein Weizenbier mit Aprikosen. Können viele Weizenbiere schon durch liebliche Aprikosennoten begeistern, die von der Hefe während der Gärung produziert werden, so ist die Kombination mit richtigen Früchten eine wahre Aromenexplosion. Spritzig vom Weizen, rund und fruchtig von der Aprikose, 6,0% Alkohol. Verkostungsempfehlung!

21 Zapfhähne

Leider aber nicht in der Flasche erhältlich. Zwar hat das Dargett Brewpub bereits rasch nach seiner Eröffnung 2016 damit begonnen, Teile seiner Biere auch in Flaschen anzubieten (zu viele Fans fragten danach, bedauerten, nicht öfter in Jerewan sein zu können …), aber das Apricot Wheat gehört heute, am 7. Oktober 2018, leider noch nicht dazu. Um in den Genuss zu kommen, bleibt dem Bierliebhaber also nichts anderes übrig, als sich auf den weiten Weg ins ferne Armenien zu machen …

Flaschenbier für zuhaus? Gerne, aber nicht das Apricot-Wheat.

Ein lohnendes Ausflugsziel also. Und die Bezeichnung Dargett? Es klingt Englisch, sind also ausländische Investoren mit im Spiel?

Nein, der Name Dargett leitet sich aus dem Logo der Brauerei ab. Das sternförmige Logo nimmt die Symbolik einer alten kreisförmigen babylonischen Weltkarte auf. Babylon in der Mitte, die Welt rundherum ist flach, und außerhalb des äußeren Kreises gibt es bis zum Rand nur noch Wasser. Untrinkbares Wasser – die Ozeane also, damals der bittere Fluss genannt. Arkadisch mar-ra-tum, armenisch Dary Get, und aus Dary Get wurde Dargett. Moderne Brautechnik mit historischem Branding.

Das Dargett Brewpub ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Im Obergeschoss kann man auf der offenen Terrasse sitzen. Neben den 21 selbst produzierten Fassbieren werden auch zahlreiche, vorwiegend belgische, Flaschenbiere angeboten. Die Speisekarte bietet internationale und regionale Küche; dem Zeitgeist entsprechend auch vegetarisch und vegan. Die nächstgelegene Metrostation ist Marshal Baghramyan / Մարշալ Բաղրամյան (Linie 1), von dort sind es etwa zehn Minuten zu Fuß in südlicher Richtung; alternativ mit einem der Stadtbusse bis in die Nähe der Hauptpost.

Fotos: Elena Quante & Florian Raupach

Bildergalerie

Dargett Brewpub
72 Aram Street
0002 Jerewan
Armenien

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