Laugar Brewery & Taproom
Gordexola
ESP

[Blick zurück auf Juni 2022 – ich bin weit hintendran mit meinen Beiträgen …]

„Du, ein bisschen außerhalb der Stadt liegt die Brauerei Laugar, das sind nur ein paar Minuten Fahrt. Und die haben einen Taproom, der heute auch geöffnet ist!“

Ich versuche, meine holde Ehefrau zu einem Ausflug zu überreden.

„Na gut, aber in Bilbao ist so ein chaotischer Verkehr mit diesen ganzen Einbahnstraßen – Du fährst!“

Oh, damit habe ich nicht gerechnet. Ein Brauereibesuch mit eingeschränktem Alkoholverbot … Doof! Wenn auch nicht ganz so doof wie gar kein Brauereibesuch. Also okay: „Ich fahre!“

Eine gute halbe Stunde später (es sind doch mehr als nur ein paar Minuten Fahrt …) rollen wir im Industriegebiet auf die Brauerei zu und hören es schon von weitem: Partymusik und lautes Geschrei. Auf der Straße liegen Plastikbecher, junge Männer torkeln über die Straße und johlen. Sieht nach Junggesellenabschied oder so aus. Ein paar Familien versuchen tapfer, sich trotzdem einen gemütlichen Nachmittag zu machen.

Laugar Brewery & Taproom

Ich schaue meine Frau verlegen an. „Im Internet stand nix von Party, nur von normalen Öffnungszeiten des Taprooms …“

Wir geben uns einen Ruck und gehen trotzdem rein. Draußen tobt die angetrunkenen Meute, drinnen im winzigen Taproom herrscht Ruhe. Nur ab und an kommt jemand und holt ein Tablett voll Nachschub.

Wir warten einen Moment ab, bis niemand mehr an der Theke steht, und bitten um zwei kleine Probiergläser. Der Barmann, der sich rasch als einer der Chefs persönlich entpuppt, gibt sich zerknirscht: „Heute gibt’s nur Plastikbecher, es tut mir leid. Aber die Besaufskis würden mir alle Gläser zertöppern, und überall lägen hier Glasscherben herum. Was willst Du machen? So eine Party ist ein gutes Geschäft, das kann ich mir nicht entgehen lassen. Ist schwierig genug mit der Scheißpandemie!“

Tja, dann halt im Plastikbecher …

Achselzuckend bestelle ich trotzdem zwei Biere, das 4,2%ige Anniversary 2022 Session Rice India Pale Lager und das 6,8%ige Eraso West Coast IPA. Ich probiere jeweils einen Schluck davon, und den Rest trinkt heute meine bessere Hälfte. Warum auch nicht?

Das Session Rice IPL schmeckt leicht und frisch, aber man merkt ihm auch an, dass es nur 4,2% Alkohol hat. Ein Zischbier für die große Sommerhitze.

Das Eraso West Coast IPA hingegen gefällt mit seinen kräftigen Hopfenaromen und lässt seine Muskeln durchaus spüren – 6,8% Alkohol sind im Hochsommer ja auch schon eine gewisse Herausforderung.

drinnen im Taproom ist es ruhig

„So, jetzt haben wir zwei Biere probiert, und es ist noch früh“, stellt meine Frau fest.

„Und was willst Du mir damit sagen?“

„Ganz einfach: Ich habe da auf der Tafel ein Russian Imperial Stout gesehen, und das würde ich gerne noch verkosten!“

Eine klare Ansage. Ich dackele wieder an die Theke und bestelle einen kleinen Becher. Dass es kein Glas gibt, weiß ich ja jetzt. Der Chef kuckt mich an: „Willst es aber wissen, oder?“

Ungerührt greift er nach einem Halbliterbecher und füllt ihn bis zum Rand mit dem viskosen Bier, dem man seine Stärke schon von weitem ansieht.

„Heh, nicht so viel. Ich habe gesagt, ein Kleines!“

„Ja, aber es ist Happy Hour, da gibt es das Große zum Preis eines Kleinen. Lasst es Euch schmecken!“ Er grinst von einem Ohr zum anderen. Hätte er keine Ohren, würde er wohl rundum grinsen …

Sein breites Grinsen weicht tiefem Respekt, als er sieht, dass ich das Bier meiner Frau gebe und sie sich im Folgenden tapfer durch einen halben Liter eines 12,4%igen Russian Imperial Stouts kämpft. Das hätte er wohl nicht gedacht.

„Viel zu schade, um davon etwas zurückgehen zu lassen“, stellt meine Frau später mit ein bisschen schwerer Zunge fest. „Fein war’s!“

drei Biere haben wir heute probiert

Oh, da kann ich ihr nur zustimmen. Einen winzigen Schluck habe ich probiert, und der hat mich überzeugt. Ganz, ganz hervorragend! Eine viskose Konsistenz, viel, viel Kakao-und Schokoladennoten, eine dicke, klebrige Malzsüße und ein laaanger Ausklang nebst feiner alkoholischer Wärme im Hals. Vielleicht herrscht nicht das passende Wetter dazu, die Sonne knallt heute ganz schön, aber das Bier ist trotzdem klasse!

Da könnten wir doch ein paar Flaschen für uns mitnehmen, denke ich, und schaue in den Verkaufskühlschrank. „Und für Dominik nehmen wir auch was mit. Und für Frank, für Frank und für Frank.“ Ich stelle fest, dass fast alle meine Bierfreunde Frank heißen, und kalkuliere mal schnell durch. Ein paar Flaschen zum Einlagern wären auch nicht schlecht.

Ich gehe zur Theke. „Ich möchte ein paar Flaschen mitnehmen. Hast Du einen Karton?“

„Klar!“

Es entspinnt sich ein netter Dialog: „Wie viele Biere möchtest Du? Sechs oder zwölf?“

„Achtundvierzig!“

„…?“

„…!“

„Äh, okay, dann hole ich ein paar größere Kartons …“

Er hat seinen Schrecken überwunden und wittert ein großes Geschäft. Nicht zu unrecht. Achtundvierzig edle Flaschen, das summiert sich. Die Rechnung ist entsprechend hoch, aber ich weiß: Es ist für einen guten Zweck. Für gute Freunde und für den guten Genuss!

Blick ins Sudhaus

Ich nutze die Gelegenheit und schau noch kurz in das Sudhaus rein. „Geh bitte nicht über die Absperrung“, bittet mich der Chef. „Dich würde ich da schon reinlassen, aber wenn die anderen das mitkriegen, dann wollen sie alle da rein, und die Betrunkenen will ich da nicht sehen …“ Na gut, ich äuge also nur über das Trassierband hinweg, kann aber trotzdem einiges sehen. Ist schon okay so.

Zum Abschluss hilft er uns noch, die Kartons ins Auto zu packen. Stocknüchtern rolle ich vom Brauereihof. Nett war’s. Trotz der Besaufskis.

Die Brauerei Laugar wurde 2011 von vier Hobbybrauern, Eneko Neira, Txus Cabrera, Sergio Valiente und Aingeru del Campo, gegründet. Recht bald begannen sie, in kleinem Maßstab kommerziell zu brauen, und seit 2014 gibt es die Brauerei in Gordexola, ein paar Kilometer südwestlich von Bilbao. Der Name Laugar kommt aus dem Baskischen, „lau“ steht für die Zahl „vier“, also die vier Gründer, und „garagardoa“ heißt „Bier“, also steht „laugar“ für „vier Bier“ oder so ähnlich. Die Brauerei ist bekannt für ihre schweren und fassgereiften Biere, macht aber den Hauptumsatz mit eher durchtrinkbaren Bieren, mit denen sie auch in der Stadt Bilbao in zahlreichen Bars vertreten ist.

Der Laugar Brewery Taproom ist freitags und sonnabends ab 17:00 Uhr geöffnet; Rampenverkauf der Brauerei ist an allen Werktagen von 08:30 bis 16:30 Uhr. Zu erreichen ist die Brauerei sinnvoll nur mit dem Auto. Es gibt zwar auch eine Buslinie, die hier vorbeifährt, aber das ist sehr aufwändig und zeitraubend.

Bilder

Laugar Brewery & Taproom
Zubiete Auzoa, 42
48 192 Gordexola
Spanien

Die mitgenommenen Biere geben mir die Möglichkeit, nun auch noch ausführliche Verkostungsnotizen zu veröffentlichen:

Verkostungsnotizen

Funeralopolis – The Doom Series – A Tribute to the Dark, Deep, Slow and Psychedelic Sounds – Russian Imperial Stout; Aupa Tovarisch – Ardbeg BA – Russian Imperial Stout; Midnight Harvest – Russian Imperial Stout; Basatia – Imperial Stout

Funeralopolis – The Doom Series – A Tribute to the Dark, Deep, Slow and Psychedelic Sounds – Russian Imperial Stout (10,0%)

Das Bier fließt tiefschwarz und leicht viskos ins Glas. Es ist ungefiltert und trüb, wie man am Bodensatz (und während des Einschenkens gegen das Licht) erkennen kann. Schaum bildet sich keiner. Ein typisches „Motorölbier“. Der Duft ist röstig, bitterschokoladig und weist einen Hauch von vanilleartigen Aromen auf, die wohl von der zugesetzten Tonkabohne kommen. Der dickflüssig-süße und trotzdem etwas kohlensäurespitze Antrunk leitet unmittelbar zu einer sehr intensiven, klebrigen Süße auf der Zunge über, die von Schokoladearomen und Vanille begleitet wird. Ein leichter Kaffee- beziehungsweise Mokka-Eindruck wird von den Tonkabohnen-Aromen in den Hintergrund gedrängt, bleibt aber spürbar. Der Schluck endlich offenbart eine gewisse röstige Bittere, die an der Zunge noch gar nicht zu spüren war. Gemeinsam mit einer leichten alkoholischen Wärme, die sachte die Speiseröhre entlangwandert, prägt sie den Abgang dieses Biers, ohne dabei aber dominant zu werden. Eine Röstbittere, die sich zurückhält und der schönen, süßlichen Aromatik dieses Biers bis zum Schluss den Vortritt lässt. Ein feines Dessertbier.

Aupa Tovarisch – Ardbeg BA – Russian Imperial Stout (13,5%)

Tiefschwarz, viskos, leicht trüb fließt das Bier ins Glas. Schaum bildet es keinen. Ein weiteres „Motorölbier“ aus dem Hause Laugar. Leicht bitterschokoladige Mokkaaromen mischen sich im Duft mit einer dezenten Torfnote – eine spannende Kombination, die mich neugierig macht, wie sich diese Düfte wohl geschmacklich widerspiegeln werden. Der Antrunk ist ebenso interessant: Trotz Viskosität und klebriger Süße spüre ich eine leicht spritzige Kohlensäurenote, die dann aber rasch in den Hintergrund tritt, als das Bier die Zunge in voller Breite erreicht. Stattdessen: Klebrige Malzsüße, Bitterschokolade, Mokka und … ein ungeheuer intensiver Torfrauch, der aufsteigt und den ganzen Nasen-Rachen-Raum füllt. Fast schon glaube ich, vom schwelenden Torf ein Brennen in den Augen zu spüren – aber das ist dann doch Einbildung. Die intensiven Torfraucharomen begleiten das Bier bis weit nach dem Schluck. Während sich in der Speiseröhre und im Magen eine alkoholische Wärme von den über dreizehn Prozent bemerkbar macht und der Malzzucker noch ein wenig vor sich hin klebt, raucht der Torf unverdrossen weiter wie der Meppener Moorbrand vor ein paar Jahren. Ob ich, wenn ich mich jetzt im Spiegel beobachtete, aus Mund und Nase qualmen würde wie ein Räuchermännchen aus dem Erzgebirge?

Midnight Harvest – Russian Imperial Stout (12,4%)

Dickflüssig, viskos, leicht trüb, tiefschwarz, fast kein Schaum. Der optische Eindruck kommt mir von den anderen Russian Imperial Stouts von Laugar her bekannt vor. Der Duft ist kremig weich und von Kakao- und Schokoladennoten geprägt – Mokka und Röstbittere suche ich nahezu vergebens. Kremig und klebrig süß fließt das Bier über die Zungenspitze in den Mundraum; eine ganz leichte Kohlensäureschärfe ist aber zu spüren. Auf der Zunge dann: Süße, Süße, Süße. Dazu feine Kakaoaromen, die dem Bier einen intensiv schokoladigen Charakter verleihen. Auch hier: Eigentlich keine Kaffeearomen, keine Röstbittere. Also eher Milchschokolade. Und so bleibt es auch beim Schluck. Die Süße bleibt ein ganzes Weilchen haften, die Schokoaromen dampfen langsam und gleichmäßig aus, und während ich so vor mich hin sensoriere, spüre ich in der Speiseröhre eine feine alkoholische Wärme, die sich langsam nach unten bis zum Magen hin ausbreitet. Ohne zu brennen, versteht sich.

Basatia – Imperial Stout (8,0%)

Gewissermaßen das Leichtbier unter den Imperial Stouts von Laugar. „Nur“ 8,0% Alkohol. Trotzdem fast schwarz, leicht trüb, zähflüssig viskos und fast ohne Schaum. Optisch und haptisch von den anderen Bieren eigentlich kaum zu unterscheiden. Im Geruch identifiziere ich Mokka, Bitterschokolade und einen Hauch von Rauch. Der Antrunk ist weich und viskos, er zeigt aber auch einen Hauch Säure an. Auf der Zunge wird die Säure deutlicher, sie bleibt aber kremig und süßlich. Sie begleitet eine schöne Malzsüße und eine kräftige, röstige Bittere, so dass das Bier erstaunlich komplex daherkommt. Retronasal kommen die Bitterschokoladen- und Mokka-Aromen wieder deutlicher hervor, während der Schluck sich eher auf die Röstbittere fokussiert. Der Abgang schließlich versöhnt alle sensorischen Themen miteinander – Schoko, Bittere, leichte Säure, kräftige Süße, Mokka. Alles spielt miteinander, ergänzt und verstärkt sich. Und während ich diesem Reigen hinterhersinniere, spüre ich, wie es in der Speiseröhre und in Richtung Magen angenehm alkoholisch warm wird.

Aupa Tovarisch – Russian Imperial Stout; Laugar & La Pirata Brewing – Smoke on the Slaughter – Rauchbier; Aurrera – Stanitsa – Russian Imperial Stout

Aupa Tovarisch – Russian Imperial Stout (12,0%)

Diesmal ist es nicht die Ardbeg BA Version, also die im schottischen Ardbeg-Whisky-Fass ausgebaute und daher sehr torfige Variante, sondern das Original. So, wie es in das Fass hineingekommen ist, nicht so, wie es herauskam.

Das Bier rinnt zäh und viskos ins Glas, ist tiefschwarz und leicht trüb, und – Überraschung! – es entwickelt durchaus Schaum. Beim Einschenken steht es zunächst schaumlos im Glas, dann aber beginnt die Kohlensäure, sich langsam zu entbinden und formt eine schöne, mittelbraune Schaumschicht, die in Konsistenz und Farbe an Schokoladenkreme erinnert. Ein sehr schöner Effekt. Aber auch ein gefährlicher, denn hat man das Glas vorsichtig bis kurz unter den Rand gefüllt, bringt der sich dann langsam entwickelnde Schaum das Bier zum Überlaufen. Der Duft ist dezent röstig, sehr malzig und kräftig schokoladig. Kakao- und Mokkaaromen spüre ich ebenfalls. Später, als das Bier langsam warm wird, kommen noch überreife Kirschen hinzu und erinnern mich ein wenig an die Füllung von Mon-Cherie-Pralinen.

Der Antrunk ist viskos, klebrig süß, und nur ganz langsam rinnt das Bier auf die Zunge. Dort bleibt es zunächst einmal sehr klebrig süß, füllt den Mundraum bereits mit ein paar winzigen Tropfen schon komplett aus. Dann beginnen die Aromen, langsam auszudampfen und machen sich retronasal bemerkbar. Kakao, Schokolade, Mokka, ein bisschen Süßholz und Lakritze. Bittere? Spüre ich eigentlich gar nicht. Säure? Ein winziger Hauch, ja, gerade so viel, dass die Süße einen spannenden Twist bekommt. Nach dem Schluck sind es die Kakao-Aromen, die die Oberhand über alle anderen bekommen, ohne dass diese jedoch ganz verschwinden. Und dann folgt eine angenehme alkoholische Wärme in der Speiseröhre. Sehr schön, heute, am ersten kühlen Abend am Ende eines historisch-heißen Sommers.

Laugar & La Pirata Brewing – Smoke on the Slaughter – Rauchbier (7,1%)

Ein Kollab zweier experimentierfreudiger, spanischer Brauereien.

Dunkelbraun und fast klar fließt das Bier ins Glas. Für einen kurzen Moment erzeugt es einen großblasigen, dunkelbeigefarbenen Schaum, der dann aber blitzschnell zusammenfällt. Von der Optik und dem Einschenkverhalten her hätte es jetzt auch eine Cola sein können … Der Duft ist nur dezent rauchig, und dahinter spüre ich süßes Dunkelmalz, so wie in einem süßlichen, tschechischen Tmavé.

Der Antrunk erinnert ebenfalls im ersten Moment an ein süßes, tschechisches Dunkelbier, so, wie man es beispielsweise im U Fleků ausschenkt. Auf der Zunge ändert sich das dann aber recht rasch. Zwar bleibt der süßliche Eindruck erhalten, aber es dampfen recht rasch erste Raucharomen aus. Noch lange nicht so intensiv wie bei einem Bamberger Rauchbier vom Typ Schlenkerla, aber doch deutlich spürbar. Mit dem Rauch einher gehen leichte Fruchtnoten, nach Dörrpflaumen, dunklen, überreifen Kirschen und Datteln. Eine hochinteressante Kombination. Der Abgang bringt noch eine feine, zurückhaltende Bittere hinzu, unterstreicht ansonsten aber den Kontrast von Rauch und dunklem Obst.

Ganz entfernt erinnert mich das Bier daher an die in Polen so beliebten Backpflaumen, die in Räucherspeck gewickelt und dann gebacken werden – Śliwki w Boczku Pieczone. Ein hervorragender Snack zum Bier. Zu diesem hier besonders!

Aurrera – Stanitsa – Russian Imperial Stout (11,2%)

Ein Bier, da schwierig zu trinken ist. Eine ganze Weile steht es nun schon im Kühlschrank, und jeden Abend, wenn ich es in die Hand nehme, schaue ich auf die Zutatenliste und denke mir: „Das ist mit Kaffee aus Honduras gebraut, wenn ich das am Abend trinke, kann ich danach nicht einschlafen …“ Und dann stelle ich es wieder zurück.

Tagsüber trinken geht aber auch nicht, oder? Wer möchte zum Mittagessen schon ein 11,2%iges Bier? Da ist der Rest des Tages doch gelaufen, oder nicht?

Es ist Urlaub, und ich gebe mir einen Ruck. Mittag hin, Mittag her. Ich trinke das jetzt, und wenn ich vom Alkohol müde werde, mache ich einen Mittagsschlaf, der genau so lange dauert, bis der honduranische Kaffee wirkt.

Ganz dunkelbraun, fast schwarz und lange nicht so dickflüssig-viskos wie erwartet fließt das Russian Imperial Stout ins Glas. Eine schöne, braune Schaumschicht bildet sich, die zwar nicht lange hält, zunächst aber mal sehr attraktiv aussieht. Wie eine frisch geschlagene Schokocreme. Der Duft ist dezent röstig und gaaanz intensiv kaffeeartig. Frisch aufgebrühter Kaffee, kräftige Mokkanoten und ein Hauch Bitterschokolade, dazu eine feine Säure im Hintergrund. Sehr schön.

Der weiche, süße und jetzt doch etwas viskose Antrunk bringt die Mokkaaromen in den ganzen Mundraum, wo sie sich verteilen, breit machen und an ein Treffen irgendwo in der Wüste erinnern. Vor mir das Feuer mit der eisernen Kanne, die leise vor sich hin röchelt und tröpfchenweise den Kaffee in die Tasse drückt. Viel, viel Zucker dazu, und das Ergebnis kommt diesem Bier schon recht nahe.

Aber, jetzt kommt ja noch der Schluck. Und der entfaltet eine kräftige Bittere, die gar nicht so röstig erscheinen mag, wie es der Kaffee sonst wäre, sondern die sich mit einer feinen alkoholischen Wärme paart, und gemeinsam prägen Bittere und warmer Alkohol den Nachhall dieses schönen Biers.

Nach dem Genuss setze ich mich zufrieden auf den Balkon und warte. Warte darauf, welche Wirkung zuerst eintritt. Die ermüdende des Alkohols oder die ermunternde des Koffeins.

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