10. Stuttgarter Craft Beer Festival
Stuttgart
DEU

[Blick zurück auf Anfang des Monats]

Mit diabolischem Grinsen grüßt mich der Saufteuf am Ausgang des Wizemann-Areals. „Na wieder zu lange gefeiert und zu viel getrunken?“, scheint seine imaginäre Fratze zu fragen.

Nein getrunken nicht zu viel, und auch nicht zu lange gefeiert, aber heftig war es schon!

Zwei intensive Tage mit so vielen spannenden Menschen, gefühlt ebenso vielen hervorragenden Bieren, feinem Streetfood und ausgezeichneter Musik. Wobei …

Letztere ist eigentlich auch der Grund, warum ich nicht zu lange gefeiert habe:

Wie in den Jahren zuvor ist das Festival ab 16:00 Uhr ein tolles Familientreffen mit tiefgründigen Verkostungen. Wer immer in der südwestdeutschen Bierszene produzierend oder konsumierend unterwegs ist, ist wenigstens an einem der beiden Tage hier vor Ort. Man trifft sich, man grüßt sich, man schnabuliert ein paar gute Biere, tauscht Tipps für noch bessere aus und erfährt so ziemlich alles aus der Szene, was gerade angesagt ist.

Brauer, Händler, Sommeliers, Bierautoren oder Nerds – sie alle finden hier zusammen. Wenn man wollte, könnte man die beiden Tage ausschließlich damit verbringen, Selfies zu machen. Mit alten Bekannten oder mit Menschen, die man schon gefühlt eeewig aus dem Netz kennt und hier dann zum ersten Mal live und „in echt“ trifft. Dann hätte man noch nicht viel geschwätzt und auch noch kein Bier getrunken, aber die Zeit wäre trotzdem verflogen.

Man könnte auch mal versuchen, alle Brauerei- und Bierstände fotografisch zu dokumentieren, einfach so, um eine Erinnerung an das Festival zu haben. Wäre auch eine formatfüllende Beschäftigung.

Das Festival ist bunt!

Und dann gibt es noch den harten Kern derer, die ebenfalls mit einem gewissen Anspruch auf Vollständigkeit, alle angebotenen Biere zu verkosten beabsichtigen. Wie ich weiß, ein hoffnungsloses Unterfangen, aber die Menschen sind unbelehrbar. Warum aus Erfahrungen anderer lernen, wenn man sie auch selbst machen kann? Vor allem die schlechten …

Trotzdem erstaunlich, wie weit manche mit diesem selbstzerstörerischen Plan kommen …

So gegen 21:00 Uhr verändert das Festival dann seinen Charakter. Wenn die Rockmusiker die Bühne erklimmen. Karaoke ‘til Death, oder so. Geile Mucke, toller Sound. In einer Lautstärke, die einem die Ohren freibläst.

Absolut und gut, aber … Bierfestival ist das dann nicht mehr, sondern Musikparty. Abzappeln, dass der Schweiß nur so spritzt.

Fachsimpeln, schnacken, diskutieren mit den Brauern, das alles geht nicht mehr. Zeichensprache ist angesagt: Ein oder zwei Finger – so viele Biere will ich. Fünf oder sechs Finger, dazu ein Zeigefinger – das fünfte oder sechste Bier von links möchte ich haben. Daumen und Zeigefinger eng oder weit – ein kleines oder ein großes. Die Antwort kommt genauso lapidar: Jeder gezeigte Finger entspricht einem Euro. Geht doch!

Dann kommt die Herausforderung: Mit dem vollen Glas mitzurocken, ohne zu viel vom kostbaren Nass zu verschütten.

Immerhin: Eines der wenigen knackigen Rockkonzerte in der Gegend, bei dem es das Bier nicht aus Pappbechern gibt, sondern aus dem Glas mit Sti(e)l. Aus Teku-Pokalen. Gebrandet, natürlich. Für die Sammler.

Wer richtig gute Kondition hat, verbindet beide Festivalteile. Genießt erst vier, fünf Stunden lang beste Biere und wechselt danach den Ansatz, rockt fortan mit solidem fränkischem Lagerbier oder höchst durchtrinkbaren kaltgehopften Pilsenern zu heftiger Musik ab. Wer weniger Kondition hat, entscheidet sich für die erste oder die zweite Hälfte des Festivals. Je nach Gusto.

Ich habe dieses Jahr aus Gründen eher wenig Kondition und nehme nach ausgiebiger Verkostung nur noch die erste Stunde Rock mit, dann muss es reichen. Nächstes Jahr wird’s wieder besser.

So kann ich denn auch die Fratze des Saufteuf ignorieren und den Heimweg antreten. Einerseits beschwingt, denn es waren tolle Biere, nette Menschen, spannende Begegnungen, informative Gespräche. Andererseits nachdenklich: Woran liegt’s, dass, wenn so richtig Stimmung sein soll, immer die Songs aus meiner Jugend gespielt werden? Rock aus den frühen 80ern. Da geht die Post ab, da können alle mitsingen, selbst die, die damals noch gar nicht geboren waren. Nach wenigen Minuten schon tobt die Halle, und es fließen nicht nur Schweißtropfen, sondern auch Tränen der Rührung und Freude – was waren das damals für gute Zeiten …

Ein dickes Dankeschön an Thorsten Schwämmle, der auch die zehnte Ausgabe des CBFS, des Craft Beer Festival Stuttgart, so hervorragend organisiert hat. Definitiv ein Muss! Auch wenn’s bis Stuttgart verdammt weit ist.

Der Chronist listet noch die an den beiden Tagen verkosteten Biere auf, und in der Bildergalerie finden sich die Biere, die Menschen und die Eindrücke wieder. Wie immer unvoreingenommen, aber streng subjektiv.

Tag 1:

  • Handwerksbrauerei Zwanzger – heißer scheiß – Chili Sour Stout (***) 5,3%
  • Brauerei Zwanzger – Vollbier Hell (***) 4,5%
  • orca brau – heimkehr – Fränkisch Dunkel (***) 5,5%
  • Camba Bavaria – Grün-Hopfen Pils (***) 5,5%
  • Camba Bavaria – Chiemsee Session Ale (***) 3,9%
  • The Sisters Brewery – Pchela – Russian Imperial Stout with Macadamia Nitro Foam (*****) 10,5%
  • The Sisters Brewery – Mitsubachi ʼ25 – Belgian Blonde with Kaffir (***) 5,8%
  • Munich Brew Mafia – Neid #sevensins – Bock Hell (****) 7,2%
  • Munich Brew Mafia – Zorn #sevensins – Chili Lime Lager (****) 4,9%
  • Camba Bavaria – Oak Aged – Dunkler Bock (*****) 7,0%
  • Camba Bavaria – Black NEIPA (****) 6,6%

Tag 2:

  • Nittenauer – Amanda – kaltgehopftes Pils (****) 5,1%
  • orca brau – anders! – modern IPA – Mosaic (****) 6,8%
  • Kalkbräu – Kellerbier unfiltriert (****) 5,2%
  • Hoppebräu x Outer Range Brewing – DDH Export (****) 5,4%
  • Hoppebräu – McCallista – Pale Ale (****) 5,3%
  • Hoppebräu – Oak Aged Imperial Stout 2024 – Slyrs (*****) 11,4%
  • orca brau – geselligkeit spritz! – Weißbier-Aperol-Cocktail (****) 5,8%
  • Camba Bavaria – IPA (****) 6,6%
  • Camba Bavaria – Free IPA (***) <0,5%

Bildergalerie

10. Stuttgarter Craft Beer Festival
Im Wizemann
Quellenstraße 7
70 376 Stuttgart
Baden-Württemberg
Deutschland

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