Was als erstes auffällt, noch bevor ich mich mit dem Inhalt des Buchs beschäftigen kann: Die Bindung. Eine Spiralbindung, die ja recht praktisch ist, weil das Buch auf jeder beliebigen Seite, die man aufschlägt, flach liegt und nicht von selbst wieder zuklappt. Aber eben auch eine Bindung, die im Bücherschrank unpraktisch ist, weil man statt des Buchrückens die Spirale sieht und bei mehreren Büchern mit dieser Bindung dann raten muss, welches welches ist.
Aaaber: Hier ist es pfiffig gelöst, denn das spiralgebundene Buch ist in einen dünnen Kartonumschlag hineingeheftet, der die Spirale außen umhüllt und einen ordentlichen und beschrifteten Buchrücken formt. Na bitte, geht doch!

Ferdinand Laudage:
Craftbier einfach selber brauen
So, und jetzt schauen wir mal in den Inhalt. Craftbier einfach selber brauen, verspricht der Titel, und der Autor geht diese Herausforderung sehr strukturiert an. Im ersten Kapitel „Vor dem ersten Brautag“ gibt er einen abstrakten Überblick, was alles zu tun ist, bevor man mit dem Hobby Brauen loslegen kann. Wer noch nie etwas von der Bierbereitung gehört hat, erfährt hier zumindest schon mal, welche Rohstoffe notwendig sind und welche (Küchen-)Ausrüstung man benötigt. Und dass man wegen der Biersteuer den Zoll informieren muss.
Kapitel 2 „Jetzt geht es los“ beschreibt dann den Brauprozess – heruntergebrochen auf die einzelnen kleinen Schritte, wie sie in Küche oder Keller anfallen. Die Beschreibungen der einzelnen Schritte lesen sich flüssig, sie sind ergänzt um ein paar Tipps und Kniffe, die man vielleicht jetzt schon in der Vorbereitungsphase kennen und nutzen kann, und sie sind aufgelockert durch ein paar bunte Bilder, die einen Hobbybrauer beim Brauprozess zeigen, aber nicht näher erläutert sind und wenig zur Wissensfindung beitragen. Immerhin sind sie farbig und nett anzusehen.
Das dritte Kapitel „Die Rohstoffe“ befasst sich mit … naja, den Rohstoffen. Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Welche Rolle spielen sie, welche verschiedenen Arten und Qualitäten gibt es, wie nutzt man sie. Auch hier gilt: Eingängig geschrieben, sich nicht in Details verzettelnd. Schön, dass in diesem Kapitel auch die Rede vom sogenannten „Reinheitsgebot“ ist: „Da das Reinheitsgebot heutzutage nur noch ein Marketinginstrument großer Brauereien ist, hat es uns eigentlich nicht zu interessieren.“ Jawoll!

zum sogenannten „Reinheitsgebot“
Um das angelesene Wissen dann in die Praxis umzusetzen, folgen im vierten Kapitel „Craftbier Rezepte“ eben diese. Einfache Rezepte ohne Fisimatenten, die es ermöglichen, erstmal „ein Bier“ zu brauen. Vielleicht sogar „ein Stout“. Der erfahrene Hobbybrauer wird rasch merken, dass es an den Rezepten viel zu verfeinern gibt, aber seien wir ehrlich: Auch ein Sterne-Koch hat irgendwann mal mit Rührei oder einem kurzgebratenen Steak angefangen, bevor er sich an hochkomplexe Gerichte gewagt hat. Passt schon.
Den Abschluss bildet das Kapitel „Gut zu wissen“ mit einem Glossar, ein paar Beispielen und Links und einem kurzen Selbstporträt des Autors.
Insgesamt habe ich das Gefühl, dass ich als Anfänger mit diesem Buch durchaus meine ersten Schritte machen könnte und mich mit der Anleitung gut aufgehoben fühlen würde.
Passt.
Und wer dann Blut geleckt hat, der kann dann die richtig dicken Wälzer studieren, in denen dann die Kniffe und Tricks für Hobbybrauprofis (ja, ja, das ist ein Paradoxon …) stehen.
Ferdinand Laudage
Craftbier einfach selber brauen
Eugen Ulmer KG
Stuttgart, 2017
ISBN 978-3-8186-0005-1

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