Ich kann mir Schlimmeres vorstellen, als so einen Wochenanfang: Am Montagvormittag klingelt der Paketbote und drückt mir ein Bierpaket in die Hand. Der Absender: Die Schönramer Brauerei!
Ich beginne zu ahnen, was dahintersteckt, und ein paar Minuten später finde ich meine Ahnung bestätigt: Die Schönramer Brauerei hat nämlich vor wenigen Wochen erst ihr neues Alkoholfreies auf den Markt gebracht – ein mit viel Aufwand per Umkehrosmose entalkoholisiertes und aus Geschmacksgründen mit Leichtbier verschnittenes Bier mit 0.4% Alkohol.
Wir wissen ja: Biere, bei denen die Gärung gestoppt wird, bevor die Hefe angefangen hat, nennenswerte Mengen an Alkohol zu produzieren, schmecken süßlich und haben einen intensiven Würzecharakter. Biere, die über Destillation entalkoholisiert werden, verlieren bei diesem Prozess viele Aromastoffe und wirken daher leer. Daher also das aufwändige Verfahren der Umkehrosmose plus Verschneiden.
Ob es was bringt? Das zeigen die Verkostungsnotizen weiter unten in diesem Text.
Aber mit zwei Flaschen Alkoholfreiem aus Schönram ist es nicht getan. Ich finde in dem Paket auch noch je eine Flasche der vier Schönramer Siegerbiere vom European Beer Star 2025! Das Pils und das Dunkel haben eine Gold-, das Zwickl eine Silber- und das Surtaler Schankbier eine Bronzemedaille errungen. Auch zu diesen Bieren gibt es natürlich Verkostungsnotizen, ist ja klar!

Ein paar Aufkleber, ein paar Bierdeckel und ein paar Werbematerialien runden den Inhalt des Pakets an. Ein herzlicher Dank geht an Oliver Klamminger (besonders lieben Dank für den freundlichen Begleitbrief, Oliver) und an die Schönramer Brauerei, und natürlich gibt es jetzt auch noch den kleinen Disclaimer, bevor es zu den Verkostungsnotizen geht: Auch wenn ich die Biere geschenkt bekommen habe, so habe ich mich beim Verkosten davon nicht beeinflussen lassen. Bei mir gilt: Nur weil es Freibier ist, gibt es doch keine Gefälligkeitsbewertung!
Ein herzliches Prost nach Schönram!
Verkostungsnotizen
Schönramer – Alkoholfrei (0,4%)
Eine schöne sonnengelbe Farbe, ein blanker Glanz und ein schneeweißer, schön feinporiger Schaum liefern schon mal eine sehr schöne Optik.
Im Duft deuten durchaus deutliche, aber nicht unangenehme getreidige Noten auf den Status „alkoholfrei“ hin, werden aber auch durch einen diskreten, zitronigen und leicht kräuterigen Hopfenhauch ergänzt.
Der Antrunk ist süßlich und weich; die Rezens durchaus zurückhaltend. Auf der Zunge wird die Süße noch ein wenig deutlicher, nach einem Moment kommt dann aber noch eine schöne, saubere, aber recht dezente Hopfenbittere hinzu. Ein paar mehr Bittereinheiten hätten es für mich persönlich jetzt schon sein können …
Retronasal bleiben die Getreidenoten prägend, die kräuterigen Akzente gehen etwas zurück und der zitronige Hauch wird etwas intensiver.
Der Abgang ist sauber und kurz, die Schleimhäute werden ein kleines bisschen trocken (Ha, so viel Hopfen ist also doch drin!) und machen so Lust auf den nächsten Schluck, um sie wieder zu benetzen.
Schöne Durchtrinkbarkeit!
Schönramer – Surtaler (3,5%)
Ha, ein Leichtbier! Die Bierkategorie, die vor vielen Jahren versucht wurde, in den Markt zu drücken. Ziemlich erfolglos. Denn beim damaligen Stand der Brautechnik haben diese Biere nahezu alle einen rauen, fast wie oxidiert wirkenden Nachgeschmack gehabt.
Hier beim Surtaler ist das, soviel sei vorweggenommen, völlig anders!
Das Bier hat eine schöne, goldgelbe Farbe und ist blank filtriert. Der üppige und schneeweiße Schaum hält recht lange.
Der Duft ist mild-malzig mit ein paar süßlichen, biskuitteigartigen Noten.
Der Antrunk ist frisch und spritzig, und auf der Zunge wirkt das Bier im ersten Moment schlank und trocken. Im zweiten machen sich malzige, ein kleines bisschen brotig wirkenden Aromen retronasal bemerkbar und verleihen dem Bier dadurch eine gewisse Fülle.
Der Nachtrunk ist angenehm sauber, und erst nach einem Moment spürt man, dass da „nach hinten raus irgendwas fehlt“. Ein kleines bisschen mehr Körper, vielleicht auch einfach nur ein bisschen mehr aromatische Hopfenbittere täten dem Bier aus meiner ganz persönlich subjektiven Sicht gut.
Aber trotzdem: Für einen Dreieinhalbprozenter sehr gelungen!
Schönramer – Zwickl (5,1%)
Zwickl muss nicht heißen, dass ein Bier milchig trüb ist. Eigentlich, historisch gesehen, ganz im Gegenteil, denn bei einer Zwicklprobe aus dem Lagertank wurde überprüft, ob sich die Hefe und anderer Trubstoffe schon schön abgesetzt haben und das Bier klar geworden ist. Manche Brauereien aber bedienen eine falsche Kundenerwartung und offerieren ihre Keller- und Zwicklbiere extrem trüb.
Hier ist das nicht der Fall. Die schöne, gelbe Farbe wird nur durch eine leichte Opaleszenz „getrübt“, der weiße Schaum gefällt ebenfalls sehr gut.
Der Duft ist malzig mit angenehmen Kuchenteig- und Biskuitnoten, der Antrunk ist weich und rund. Das Bier zeigt sich auf der Zunge angenehm süßlich, sanft und mit einer zurückhaltenden, milden Bittere. Retronasal kommen zu den Kuchenteignoten noch ein paar süßliche, ganz fein hefige Akzente hinzu.
In der Summe ein mildes, rundes, dadurch aber auch recht rasch saturierendes Bier. Ein Bier, wie eine kleine Zwischenmahlzeit.
Schönramer – Dunkel (5,0%)
„Das Bier aus einer Zeit in der es einzig und allein dunkle Biere gab“, schreibt die Brauerei auf das Etikett, und wir verzeihen ihr das fehlende Komma.
Aber schön muss sie gewesen sein, die Zeit, jedenfalls aus des Biertrinkers Sicht. Das Bier präsentiert sich nämlich vorzüglich. Eine dunkelbraune Farbe mit tiefrotem Glanz, ein gelblicher, feinporiger Schaum, ein runder, malziger, voller und ganz, ganz leicht röstiger Duft machen der Auftakt.
Der weiche, volle und harmonische Antrunk erfreut vom ersten Moment an. Malzige, dezent brotkrustige und ganz leicht röstige Aromen machen sich breit, eine angenehm süßliche, aber bei weitem nicht süße Basis wird von einer leichtfüßigen, zurückhaltenden Hopfenbittere ergänzt – gerade so viel, dass eine vorzügliche Balance entsteht und der zarte Gaumen der die Bittere nicht goutierenden Süddeutschen nicht verschreckt wird.
Weich und glatt zeigt sich auch der Schluck, der Abgang ist kurz und gefällig, für einen Moment schwebt noch ein Malzhauch im Mundraum, wird retronasal ausgeblasen und offeriert einen ganz feinen Hauch dunkler Trockenfrüchte, Datteln vielleicht.
Sehr gut durchtrinkbar – ein Dunkles, das wirklich ausnehmend gut gefällt.
Schönramer – Pils (5,0%)
„Europas bestes Pils“, steht auf dem Rückenetikett, und es wird auf die Goldmedaille im European Beer Star verwiesen. Warum so bescheiden? Der European Beer Star umfasst Biere aus der ganzen Welt, die Einschränkung „European“ bezieht sich ausschließlich darauf, dass bei diesem Wettbewerb nur europäische Bierstile verkostet werden! Insofern ist es mehr, als nur Europas bestes Pils. Eigentlich das beste der Welt.
Uneigentlich auch?
Schwer zu sagen, ich habe ja noch nicht alle Pilsener dieser Welt verkostet. Die Optik passt auf alle Fälle. Ein leuchtender gelber Glanz, ein schneeweißer Schaum, der ewig hält und der schöne Trinkränder hinterlässt – das ist schon mal nicht zu toppen.
Der Duft ist hopfig-herb, man bekommt, obwohl die Nase das gar nicht erfasst, ein Gefühl der Bittere, schon bevor man den ersten Schluck nimmt. Aber es sind auch feine kräuterige Aromen zu spüren, ein Hauch von Heu und ein feiner Whiff von Zitrone.
Der Antrunk ist spritzig, frisch, durch die Kohlensäure fast schon ein bisschen scharf, und dann macht sich sofort eine angenehme Bittere im ganzen Mund- und Rachenraum breit. Restsüße? Fast nicht zu spüren. Gut so! Schlank, knackig herb, nicht zu blumig, fast gar nicht malzig – so und nicht anders muss ein norddeutsches Pils schmecken. Das Datenblatt verspricht 45 Bittereinheiten, IBUs! Ja! So!
Aber halt, liegt Schönram nicht in Süddeutschland? Ach, was soll’s – stilistisch ist dies ein norddeutsches Pilsner par excellence. Ganz großes Alphasäurenkino!
Der Schluck und der lange, aber blitzsaubere Nachhall bestätigen das: Retronasal machen sich klassische, kräuterige und ganz, ganz leicht zitronige Hopfenaromen bemerkbar, die Schleimhäute werden trocken, ohne sich unter voller Gerbstofflast zusammenzuziehen, und nur ganz langsam klingt die Bittere ab. So langsam, dass sich Lust aufbaut. Lust auf den nächsten Schluck!
Ja, mehr davon! Viel mehr! Noch mehr! Ganz viel mehr!

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