Mark Dredge
Workshop Bier

Hm, also ich muss es ja zugeben: Als ich das Buch das erste Mal in die Hand genommen habe, da hatte ich keine großen Erwartungen. Das Layout und die simplen Grafiken in hellen Pastelltönen und im Clip-Art-Design – beides sprach mich nicht wirklich an und machte auf mich den Eindruck, als ob hier mal wieder ein eben schnell zusammengeschustertes Ratgeber-Buch für den Grabbeltisch vor mir läge.

Mark Dredge
Workshop Bier

Dementsprechend zögerlich war ich auch bei der Lektüre. Erst lag das Buch ein Weilchen rum, dann habe ich die Einleitung und die ersten Seiten gelesen und fühlte mich bestätigt. Die Einleitung in typischer Diktion der unzähligen Selbstfindungsratgeber, und dann – bei Bierbüchern nahezu unvermeidlich – der kurze geschichtliche Rückblick in die Anfänge des Bierbrauens.

Zum Glück bin ich als Norddeutscher aber stur und habe weitergelesen, und dann wurde das Buch besser. Viel besser!

Ziemlich strukturiert führt der Autor Mark Dredge insbesondere den Neuling an die Sensorik heran. Wie funktioniert Geschmack, wie spielen unsere Sinnesempfindungen zusammen, welches Vokabular haben wir?

Ein bisschen holprig wird es nochmal, wenn Mark die beiden Prozessschritte Würzebereitung und Gärung als Warmvergärung und Kaltvergärung bezeichnet (vielleicht ist aber auch der Übersetzer schuld), und bei den Beschreibungen der Zutaten schöpft der Grafiker noch mal aus allen passenden und unpassenden Pastelltönen (faszinierend, wie viele unappetitliche Grüntöne es speziell im Kapitel über den Hopfen gibt …).

simple Grafiken in hellen Pastelltönen und im Clip-Art-Design

Aber der lesenswerte Teil kommt dann ab Seite 94: „Biere nach Stil“. Auf über 120 Seiten werden nun die Bierstile der Welt beschrieben – kurz und knapp, aber eingängig. Ein paar Worte zu Geschmack, Herstellung und Geschichte, ein paar „technische“ Parameter wie Farbe, Trübung, Alkoholgehalt und Bittere, und dann ein paar kommerzielle Beispiele – letztere durchaus gut ausgewählt, wenn auch mit einem aus meiner Sicher unverhältnismäßig starken Fokus auf Biere aus den USA und Großbritannien.

Dieser Teil des Buchs ist sehr lesenswert: Je Stil eine Doppelseite, und das Ganze so formuliert, dass es den Anfänger nicht überfordert und den Profi nicht allzu sehr langweilt.

Das Ende kommt ein wenig abrupt. Nach dem letzten Bierstil ist Schluss. Einfach so, aus heiterem Himmel. Kein Schlusswort, kein Dank, keine Zusammenfassung oder resümierende Philosophie. Nur noch das Register.

Doch, halt! Ganz winzig klein, zwischen Bildnachweis und Register, da finden sich doch noch ein paar Dankesworte und ein paar ganz versteckte Sätze über den Autor.

Für alle Bierliebhaber, die ihr Getränk mal ein wenig systematischer genießen, die Bierstile etwas genauer kennenlernen und ein wenig über die Sensorik erfahren wollen, ist das ein nettes Buch. Auch wenn ich zunächst wenig begeistert war.

Mark Dredge
Workshop Bier
Dorling Kindersley Verlag GmbH
München, 2023
ISBN 978-3-8310-4640-9

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