PiepNitz Craft-Bier
Wattenscheid (DEU)

„So, da wären wir.“ Gerd dreht den Zündschlüssel rum, und der Motor erstirbt. Ich schaue raus auf die Straße und runzle die Stirn. Hier hätte ich den Taproom von PiepNitz nun nicht unbedingt erwartet – wer soll denn hier als Laufkundschaft vorbeikommen?

„Niemand“, grinst Lennart zwei Minuten später auf meine diesbezügliche Frage. „Die, die zu uns wollen, kommen ganz gezielt. Da ist nix mit Laufkundschaft.“ Er lacht. „Aber unser Bier ist gut genug, dass es sich rumspricht und die Leute extra hierher fahren. So wie Ihr!“

der nett eingerichtete Taproom

Ich drehe mich einmal um die eigene Achse, mache ein paar Bilder vom schön eingerichteten Taproom, und dann nehmen wir Platz und schauen auf die Kreidetafel. Ein gutes halbes Dutzend Biere steht dort angeschrieben – alle aus der Flasche. Gedanklich kremple ich die Ärmel hoch und mache mich an die harte Verkostungsarbeit. Gerd wird ja als mein Chauffeur immer nur einen symbolischen Schluck trinken, also bleibt die Masse an mir hängen.

Während ich mich also Flasche für Flasche voran arbeite, erzählt Lennart von der Geschichte der Brauerei. Gegründet von Alexander Pieper und Alina Gränitz – womit sich immerhin auch schon der ungewöhnliche Brauereiname erklärt. Ein kleines Sudwerk gebe es nur, in einer ebenso kleinen Halle direkt nebenan, da könnten wir nachher noch die Nase reinstecken, sagt er, und dann ist er schon wieder unterwegs in Richtung Kühlschrank, das nächste Bier holen.

Währenddessen sinnieren Gerd und ich über die Geschichte von PiepNitz. Wie bei vielen anderen Kreativbrauern hat es mit einem Hobbybraukit begonnen, und dann ist alles eskaliert. Die Bierszene in Wattenscheid ist, nachdem der Export-Boom zusammen mit der Schwerindustrie verschwunden ist, eine reine Pils-Domäne gewesen, und mit PiepNitz sind jetzt erstmals andere Bierstile und viel Kreativität in die Szene hineingekommen.

Wir trinken das nächste Bier, und jetzt übernimmt wieder Lennart den erzählerischen Part. 2015 hätte die ganze Story begonnen, erfahren wir, und dann ging es vom Hobbybraukit über einen ausgebauten Braukeller bis hin zum „richtigen“ Sudhaus hier am Wattenscheider Hellweg. Es seien auch mittlerweile nicht nur Alexander und Alina, die für die Brauerei arbeiteten, sondern neben Lennart auch noch Stella und Anton. Ein gutes und fleißiges Team.

Wir sind mittlerweile beim dritten Bier angekommen und stellen fest, dass der bisherige Erfolg wohl tatsächlich auf die Qualität der Biere zurückzuführen ist, denn alle sind grundsolide, sehr sauber gebraut und stiltypisch. Gerd und ich grinsen uns an. Was wir in Kleinbrauereien schon alles an merkwürdigen Bieren erlebt haben … Oxidiert, überlagert, infiziert oder mit massiven Braufehlern. Oder mit so extrem-exotischen Parametern konzipiert, dass nicht nur die Durchtrinkbarkeit massiv gelitten hat, sondern schlicht und einfach auch die Akzeptanz von Otto Normalbiertrinker.

Hier bei PiepNitz scheint das aber nicht der Fall zu sein – selbst die jenseits des sogenannten „Reinheitsgebots“ gebrauten Biere wie das Salt ‘n Lime sind harmonisch und bestens trinkbar.

So vergeht die Zeit im Flug, und irgendwann vermeldet Lennart, dass wir alle verfügbaren Sorten durchgetrunken hätten. Mit einer Ausnahme: Der noch nicht etikettierten und hopfengestopften Sonderedition des Hellen in der 0,75-l-Flasche. Gebraut und gestopft mit eigenem Hopfen und limitiert auf gefühlt „eine Handvoll“ Flaschen.

Nun denn, da versteht es sich doch von selbst, dass ich mir von dieser exotischen Spezialität eine Flasche mitnehme. Mit Ausnahme eben dieser beläuft sich somit unsere gerade getrunkene Ausbeute auf die folgenden Biere:

  • Kraft Pils (5,2%)
  • Hazy Ale – NEIPA (5,2%)
  • Salt ’n Lime (4,7%)
  • RuhrPott Blond (6,8%)
  • Delta – Single Hopped Red Ale (6,2%)

Jetzt gilt es noch, einen Blick in das Sudhaus zu werfen, und wir stehen vom Tisch auf. Ich schaue noch einmal auf die Flaschen zurück. „Sag mal, Lennart, zwei Fragen habe ich aber schon noch: Erstens sieht es so aus, als habt Ihr für jedes Bier wieder neu begonnen, ein Etikett zu entwerfen. Wollt Ihr mal eine durchgängige Linie mit Wiedererkennungswert schaffen? Ihr habt doch diese Strichzeichnung als PiepNitz-Logo. Die würde sich doch eignen. Und zweitens: Was stellt diese Strichzeichnung eigentlich dar?“

Lennart lacht laut. „Die Strichzeichnung soll ein Kaninchen sein, oder ein Hase. Manche interpretieren aber auch einen Fuchs hinein, der den Kopf dreht und sich umschaut. Wir selbst sehen es als Kaninchen.“

„Tja, und was einen durchgängigen Stil anbelangt“, fährt er fort, „da rennst Du jetzt gerade offene Türen ein. Kuck mal!“ Er nimmt sein Telefon und zeigt uns die Entwürfe, die vor wenigen Tagen erst entstanden sind und nun alle Biere auf eine Design-Linie bringen sollen. Und was soll ich sagen? Sie sind gelungen. Richtig gut! Da freut man sich jetzt schon, wenn die Flaschen mit den neuen Etiketten irgendwann in den Handel kommen.

ein kurzer Blick ins Sudhaus

Viel Zeit ist jetzt leider nicht mehr für das Sudhaus. Ein kurzer Blick, der aber immerhin ausreicht, um zu sehen: Hier herrscht Ordnung und Sauberkeit. Da wird nicht gemurkst und herumgewurschtelt, sondern jedes Gefäß, jedes Werkzeug hat seinen Platz, wird ordentlich weggeräumt, und dazwischen kann man vom Boden essen. Mustergültig!

Zufrieden und mit einer großen Flasche Bier im Rucksack und fünf kleinen im Bauch trolle ich mich und lasse mich auf den Beifahrersitz fallen. „Gerne mehr von solchen Brauereibesuchen“, lasse ich Gerd noch wissen, und dann fallen mir langsam die Augen zu.

Die PiepNitz Craft-Bier UG hat ihren Rampenverkauf und den kleinen Taproom freitags von 16:00 bis 19:00 Uhr geöffnet; wenn man höflich fragt, darf man während dieser Zeiten auch in das Sudhaus schauen. Außerhalb dieser Zeiten gibt es das Bier in einigen Supermärkten und Gastronomien der Region – ein Verzeichnis findet sich auf der Website der Brauerei. Zu erreichen sind Taproom und Sudhaus mit der Buslinie 363, Haltestelle Bochum Im Loh. Oder, wenn man mehr als nur ein paar Flaschen kaufen möchte, mit dem Auto.

Bildergalerie

PiepNitz Craft-Bier UG
Wattenscheider Hellweg 145
44 867 Bochum
Nordrhein-Westfalen
Deutschland

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.