Bergmann Brauerei
Dortmund (DEU)

[Blick zurück auf Februar]

Was für ein großer, schwarzer Klotz! Ich stehe vor dem 2017 errichteten Sudhaus und bin beeindruckt! Bevor ich da jetzt reingehe, lasse ich mir nochmal die Geschichte der Bergmann Brauerei durch den Kopf gehen.

der große, schwarze Klotz

Mehr als zwei Jahrhunderte reise ich dazu durch die Zeit: 1796 wurde nämlich von Wilhelm Bergmann in Dortmund die Bergmann Brauerei gegründet – ganz prosaisch nach dem Besitzer benannt, nicht nach den hart arbeitenden Bergleuten unter Tage. Sie hatte Bestand bis 1971, als sie von der Dortmunder Ritter Brauerei übernommen und ein Jahr später geschlossen wurde. Das Bergmann-Bier geriet in Vergessenheit, und vor allem: Niemand kümmerte sich mehr um die Markenrechte.

Bis Thomas Raphael 2005 entdeckte, dass die Marke „Bergmann“ nicht mehr geschützt war und sie sich beim Markenamt eintragen ließ. Um eine Marke dauerhaft zu besitzen, muss man sie aber auch nutzen, und so begann er, unter dieser Marke die ersten Biere zu produzieren. Zunächst geschah dies als Wanderbrauer bei der Brauerei Bosch in Laasphe, nach den ersten Erfolgen kam dann aber ab 2010 eine eigene Produktion für besondere Spezialitäten hinzu. Und 2017 war es dann soweit: Im Industriegebiet Phoenix West in Dortmund-Hoerde entstand eine komplett neue und recht große Brauerei mit einem eigenen Ausschank, der Stehbierhalle.

Die Qualität der Biere überzeugte von Anfang an, und insbesondere die geniale Werbung, simpel, aber das Herz der Dortmunder treffend, trug einen Großteil zum Erfolg bei. Der Slogan „Harte Arbeit, ehrlicher Lohn“ greift das Image des Bergmanns, des Malochers auf, der sich mit einen erfrischenden Bier belohnen darf. Trotz der Tatsache, dass der Brauereiname mit den malochenden Bergleuten eigentlich ja nix zu tun hat.

Egal. Die drei Buchstaben DBB für Dortmunder Bergmann Brauerei und der Slogan sind in der Bierszene bekannt, die Biere sind beliebt, und hier und heute, am 21. Februar 2026, findet jetzt gleich der Fassanstich des diesjährigen Adambiers statt!

Adambier!

Ach, das Adambier. Auch das ist eine gedankliche Exkursion wert! Es war ein schwarzes Starkbier mit rund neuneinhalb Prozent Alkohol, Dortmunder Altbier genannt und ewig lang in Fässern gereift. So lang, dass es eine deutliche Säure entwickelt hat, die durch eine kräftige Hopfung ausgeglichen wurde. Ron Pattinson hat sich in seinem Blog Shut up about Barclay Perkins mal die Mühe gemacht, über dieses Bier zu schreiben.

Fakt ist wohl, dass man das Bier in der Originalversion, also extrem stark und mit einer spürbaren Säure, im Deutschland des Jahres 2026 nicht vielen Kunden schmackhaft machen könnte, insofern beschloss die Bergmann Brauerei, die sich den Namen Adambier übrigens hat schützen lassen, das Bier etwas weniger stark zu machen (7,5%) und vor allem: Nicht sauer.

In dieser, historisch nicht ganz korrekten, abgewandelten Version ist es aber ein großer Erfolg, und die schon zur Mittagszeit gut gefüllte Stehbierhalle zeugt davon.

Nur mit Mühe finden wir noch einen Sitzplatz. Obwohl es noch zwei Stunden hin ist, bis auf der Bühne das Fass mit dem Adambier angestochen werden soll, gibt es das Bier an der Theke jetzt schon – eine gute Gelegenheit, es in Ruhe zu verkosten. Tiefschwarz ist es, rund, vollmundig, sehr malzig, gleichzeitig aber auch kräftig bitter – sowohl vom Röstmalz als auch vom Hopfen. Und es ist harmonisch, was es für ein so alkoholstarkes Bier erstaunlich durchtrinkbar macht. Schon bald steht ein zweites Glas vor uns …

Kleine schwarze Tonkrüge wären eigentlich das Trinkgefäss der Wahl, aber das wird mir erst bewusst, als ich einen unserer Tischnachbarn damit sehe. Ich habe es einfach nur in den normalen Standardgläsern geholt …

Was mir aber nicht entgangen ist: Es gibt eine auf hundert Flaschen limitierte Sonderedition des Adambiers – im Rotweinfass ausgebaut und dadurch in seiner Komplexität natürlich in einer ganz anderen Liga spielend. Ein paar Flaschen sind noch da, ich sichere mir schnell noch eine und verstaue sich vorsichtig in meinem Rucksack.

So, ab jetzt kann unbeschwert getrunken werden!

Rund ein Dutzend Biere sind am Hahn, und es gibt Testbrettchen mit jeweils vier Gläsern – da kann man sich schon systematisch das Angebot entlang trinken:

  • Adambier (7,5%)
  • Export trüb (5,2%)
  • Frühschicht 0,0 (0,0%)
  • Kellerpils (5,2%)
  • IPA (7,1%)
  • Nachtschicht (<0,5%)
  • Spezial (5,0%)
  • Hopfensünde (7,2%)
  • Amber Lager (5,7%)
  • Halbstark (3,4%)
  • Rot (6,3%)
  • Winterbock (7,5%)

Sehr vielfältig und durch die Bank sehr gut gebraut. Großes Lob!

Um 15:00 Uhr wird feierlich das offizielle Adambier-Fass angestochen und Freibier ausgeschenkt. Sehr schön, dass dabei auch ausführlich von der Geschichte der Brauerei und des Adambiers berichtet wird – trotz des Lärms in der Stehbierhalle sehr unterhaltsam und lehrreich!

Im Nu verfliegen die Nachmittagsstunden, und unsere eingeteilte Chauffeurin beginnt, ein wenig unruhig auf ihrem Hocker hin und her zu rutschen. „Okay, dann lass uns gleich aufbrechen“, höre ich mich sagen. „Ich schaue nur noch mal kurz nach hinten.“

Kurz …

Nun ja, wenn man „hinten“ dann aber den Brauwolf, Christian Wolf, trifft, der gerade vom rotweinfassgelagerten Adambier ausschenkt und noch dazu in einem zweiten Glas den Rotwein, der vorher in dem Fass gewesen war, zum Vergleich anbietet, dann dauert es doch ein wenig länger … Fachsimpeln, verkosten, Bilder machen – so schön!

Volker und „Brauwolf“ Christian

Mit schlechtem Gewissen komme ich nach viel zu langer Zeit zurück in die Stehbierhalle …

Ein sehr schöner und eindrucksvoller Nachmittag, und definitiv eine Veranstaltung, die die Anreise nach Dortmund wert gewesen ist!

Die Stehbierhalle der Bergmann Brauerei ist montags bis donnerstags von 16:00 bis 22:00 Uhr geöffnet, freitags bis sonntags bereits ab 12:00 Uhr. Brauereiverkauf ist täglich von 11:00 bis 20:00 Uhr. Kein Ruhetag! Vom Regionalbahnhof Dortmund-Hörde (und der gleichnamigen U-Bahn-Station) aus läuft man eine gute Viertelstunde bis zur Brauerei; es gibt auch einen Bus, der 451er, der alle halbe Stunde direkt um die Ecke neben der Brauerei hält.

Bildergalerie

Bergmann Brauerei
Elias-Bahn-Weg 2
44 263 Dortmund
Nordrhein-Westfalen
Deutschland

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