[Blick zurück auf März 2026]
Die Burgwedeler Brauerei hat eine besonders schöne Geschichte. Ihr Gründer und Besitzer, Sven Jan-Hendryk Harder, war 2005 im zweiten Lehrjahr als Koch, als er im Garten eines Freunds beim Umgraben eines Beets eine alte Bierflasche fand. Zwar schon angeschlagen, aber mit lesbarem Bügelverschluss, auf dem geschrieben stand: „Brauerei Burgwedel“.
Neugierig geworden, forschte er nach und erfuhr, dass es in Burgwedel seit dem 14. Jahrhundert bis 1903 eine Brauerei gab, die aber nach dem Tod des letzten Braumeisters Bartels geschlossen worden war.
Sven brachte seine Kochlehre noch zum Abschluss, sattelte dann aber um. Er begann eine zweite Ausbildung, diesmal zum Brauer in der Herrenhäuser Brauerei. Als frisch gebackener Geselle arbeitete er danach in verschiedenen Hausbrauereien, und dann machte er den großen Schritt und ging nach Berlin, an die Technische Universität, wo er Brauwesen studierte.
Als Diplom-Braumeister hätten ihm dann alle Wege offen gestanden, aber er blieb der Flasche treu, die er einst bei seinem Freund im Garten gefunden hatte. Er gründete 2017 die Burgwedeler Brauerei, ein Kleinstbetrieb, der in den ehemaligen Räumlichkeiten der Fleischerei Fortmüller beheimatet ist, mitten im Ortszentrum.
Im Sommer 2025 lernte ich Sven und seine Freunde auf dem Hopfenfest Isernhagen kennen, und es war klar, dass ich ihn in seiner Brauerei einmal besuchen muss.
Heute ist es soweit. Vorsichtig fahre ich durch die enge Hofeinfahrt und stelle mein Auto direkt vor der Brauerei ab. „Eigentlich bist Du ja viel zu früh“, begrüßt mich Sven lachend. Und er hat recht. Nicht nur ein paar Stunden zu früh, sondern ein paar Wochen! Er ist nämlich gerade dabei, sein Mini-Brauerei umzubauen in eine Event-Brauerei mit Hofladen und kleinem Taproom.

Burgwedeler Hell
Deswegen gibt es heute auch kein Sudwerk zu besichtigen – im Sudhaus sieht es aus wie Kraut und Rüben. Aber was schon eine kleine Ahnung davon gibt, was hier entstehen soll, das ist der Taproom. Eine Mischung aus altem, mit Ziegeln zugemauertem Fachwerk und modern verputzten Wänden. Ein elegantes Regal, in dem die Bierflaschen, -fässer und -kisten dekorativ präsentiert werden, ein Werbebanner an der Wand, rustikale Tische und Bänke und eine aus groben Ziegeln gemauerte Theke mit einer kleinen Zapfanlage.
Man ahnt schon, wie gemütlich es hier sein wird, wenn im Frühjahr eröffnet wird.
Sven zapft mir zunächst mal ein einfaches Burgwedeler Hell und fängt an, zu erzählen. Er konzentriere sich auf klassische Bierstile, die eine jeweils eigene Tradition haben, berichtet er. Handwerklich gebraut, aber ohne moderne, neuzeitliche Experimente. Mit exotischen Kreativbieren brauche er den Menschen hier in Burgwedel nicht kommen. Das seien alles eher konservative Biertrinker, die mit einem gut durchtrinkbaren Hellen hochzufrieden sein, und wenn sie mal was Besonderes trinken wollen würden, nähmen sie halt das Dunkle.
„Aber es muss wertig sein und einen eigenen Charakter haben“, fährt er fort. „Deswegen gibt es mein Bier in der Bügelflasche – ein bisschen teurer, aber auch ansprechender“ Und es gebe kleine Neuner-Kästen, erklärt er mir noch. Nicht so groß und nicht so schwer wie eine 20er Bierkiste, leichter handhabbar, leichter im Auto und im Keller zu verstauen und nicht zuletzt … bei einem Neunerkasten fiele es nicht ganz so sehr auf, dass die Burgwedeler Biere teuer sind als die Fernsehbiere im Sonderangebot im Getränkemarkt. „Bei einer kleinen Kiste kann man sich den Luxus eher mal leisten“, lacht er.
Das Bier schmeckt gut. Grundsolide. Malzbetont, nicht allzu bitter, mit einer schönen, ins Kupferne changierenden, dunkelgelben Farbe. Ich bin zufrieden.

DIE Bierflasche
Neugierig betrachte ich die Theke und sehe, dass mitten drin eine Bierflasche eingemauert und von hinten illuminiert ist. „Ist das DIE Bierflasche?“, frage ich Sven. „Also DIE, mit der Deine ganze Geschichte begonnen hat?“
Sven nickt stolz, und für einen Moment ist das Leuchten in seinen Augen genauso warm und hell wie das der von hinten illuminierten Bierflasche.
Die Burgwedeler Brauerei ist derzeit noch nicht für den Publikumsverkehr geöffnet; ein Bierkauf vor Ort ist nach vorheriger Absprache aber jederzeit möglich. Zu erreichen ist sie entweder mit dem Bus (Linie 620, Haltestelle Großburgwedel Am Markt) oder halt mit dem Auto. Man fährt zwischen der Gaststätte am Markt und dem Herrenfriseur Und Mehr durch die schmale Einfahrt, und dann liegt die Brauerei rechter Hand.
Burgwedeler Brauerei
Am Markt 5
30 938 Burgwedel
Niedersachsen
Deutschland

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