[Blick zurück auf Juni 2025]
So simpel kann es sein. Eine einfach und doch geschmackvoll möblierte Bar, ein paar Tische und Stühle draußen auf dem Bürgersteig, zehn Zapfhähne, ein paar gut sortierte Kühlschränke und ein minimalistisches Speisenangebot. Fertig.
Birra di Quartiere nennt sich selbst Nachbarschaftstreff. Und als solches funktioniert es offensichtlich ganz prima.

bei gutem Wetter sitzt niemand drinnen
Es sind nur wenige Schritte von unserem Hotel bis in die Via Felice Casati, und schon stehen wir vor der kleinen Bar. Drinnen sitzt niemand, warum auch. Die Sonne scheint, es weht ein leiser Wind, gerade so viel, dass es nicht brütend heiß wird. Also sitzen alle draußen. Autolärm, Straßenstaub, der Blick auf die Mülltonnen auf der anderen Straßenseite? Hat in Italien noch nie jemanden gestört. Man sitzt an den einfachen Biertischen, auf simplen Bierbänken, trinkt Bier und erzählt. Lautstark, natürlich.
Service? Nicht nötig. Man holt sich sein Bier an der Bar. Zehn Zapfhähne sind bespielt, die schwarze Kreidetafel liebevoll bunt und mit witzigen Schriftzügen bemalt. Da hat jemand künstlerisches Talent. Oder viel Langeweile. Oder beides. Jedenfalls wurde kalligraphiert, was die bunte Kreideschachtel hergegeben hat.
Der Biername, der Bierstil, der Alkoholgehalt, die Glasgröße und der Preis. Alles ist genau notiert.
Alles? Nee, nicht ganz. Was fehlt, ist der Name der Brauerei. Der steht bei keinem der Biere.

schön bunt, aber kein Brauereiname
Erst auf Nachfragen erfahre ich: Alle zehn Biere sind von der Birrificio War aus Cassina de Pecchi, einem kleinen Vorort im Osten von Mailand. Wobei „War“ nicht für das englische Wort für Krieg steht, sondern für „We are rising“. Ein kurzer Blick im Telefon auf die Website der Brauerei: Viele bunte Dosen, ein spannendes Angebot.
Ich entscheide mich erst für das 4,0%ige Ordinary Bitter namens Cookies, anschließend noch für ein 5,5%iges American IPA, das Jungle Bus. Beide Biere stilgerecht, sauber und ohne Fehlaromen, gut durchtrinkbar.
Wir bleiben ein Weilchen sitzen. Nachbarschaftstreff? Oh, ja. Eine ältere Dame kommt vorbei, halt ein Schwätzchen mit dem Barkeeper. Allerdings ohne ein Bier zu trinken … Ein Pärchen mit einem Säugling auf dem Arm, er holt sich ein Bier und kümmert sich um das kleine Würmchen, sie trinkt ein Wasser und macht irgendwas an ihrem Tablet. Genuss, Arbeit, Dach überm Kopf, Treffpunkt, Klönschnack.
Craftbier verbindet.
Das Birra di Quartiere ist täglich ab 17:30 Uhr geöffnet; montags ist Ruhetag. Fährt man mit den Straßenbahnen der Linien 1, 5 oder 33 (bei der 33 hat man die größte Chance, einen der hundert Jahre alten, musealen Straßenbahnwagen zu ergattern) und steigt an der Haltestelle Viale Tunisia aus, sind es lediglich anderthalb Minuten zu Fuß bis zur Bar.
Birra di Quartiere
Via Felice Casati, 27
20124 Milano
Italien

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