På Kornet
Stavanger
NOR

Gutes Bier in Norwegen?

Gibt es, und zwar verhältnismäßig problemlos und flächendeckend. Aber nicht alles überall, und vor allem: Es ist sündhaft teuer. Und dann möchte man natürlich eines, nämlich einen Reinfall vermeiden. Umgerechnet zwölf Euro für ein Glas Bier bezahlen, nur um dann feststellen zu müssen, dass genau dieses eine, was man sich ausgesucht hat, nicht wirklich gut schmeckt? Das gilt es unter allen Umständen zu vermeiden.

Durch fachkundige Beratung, beispielsweise.

Und wo findet man die?

Sicherlich nicht in jeder Bar, in jedem Restaurant, aber wenn es ein Gastropub ist, der vom Head Brewer der örtlichen Brauerei empfohlen wird, dann doch sicherlich.

Genauso ist es geschehen. Mike Murphy, der Head Brewer der Lervig Aktiebryggeri in Stavanger, hat mir das På Kornet wärmstens empfohlen: „You‘re staying at Victoria hotel? Around the back is my restaurant / bar, we have 20 taps and 8 of them Lervig. På Kornet food is good too ☺”

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På Kornet

Das lasse ich mir natürlich nicht zwei Mal sagen, und schon stehe ich am Abend vor der Tür des På Kornet. Bunte Weihnachtsbeleuchtung hängt in den Straßen und verleiht dem Gebäude warme Farben. Ich öffne die Tür, gehe eine Treppe in den Keller hinunter und stehe inmitten von fast schon kitschiger Weihnachtsdekoration. Hier oben im Norden sind die Tage im Winter extrem kurz, und daher, so scheint es, muss jeder Winkel, jede Ecke mit LEDs illuminiert werden, um die Dunkelheit der langen Nächte dann wenigstens symbolisch zu vertreiben.

Gemütlich wirkt es dadurch, hier im Restaurantbereich. Terrakottafußboden, unverputzte Ziegelwände, eine Decke aus hellem Holz und überall Weihnachtsdeko und Lichterketten. An der gegenüberliegenden Seite die Theke, und dahinter, an der Wand genau das, wessentwegen ich hierher gekommen bin: Eine große, schwarze Tafel mit einer langen Liste spannender Biere.

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fast schon kitschige Weihnachtsdekoration

20 Zapfhähne zähle ich, Mike hat also Recht gehabt. Zwei sind gerade nicht angeschlossen, macht also 18 Biere, die ich jetzt verkosten könnte. Ich wandere mit den Augen die Liste auf und ab, während der Barmann geduldig neben mir steht und abwartet. Da sticht mir ein Bierangebot ins Auge: Ein Kollaborationssud zwischen Weihenstephan und Nøgne Ø. Weihenstephan, die Grande Dame unter den Brauereien. Mit ihrem Gründungsjahr 1040 gilt sie als die älteste Brauerei der Welt und als Inbegriff deutscher Biertradition. Und doch: In den letzten Jahren hat sie vorsichtig begonnen, sich zu öffnen und mit anderen Brauereien den einen oder anderen Kollaborationssud anzusetzen, vor ein paar Wochen erst unter dem Namen Braupakt mit der Sierra Nevada Brewery.

Jetzt also mit Nøgne Ø. Zielsicher deute ich auf den Zapfhahn Nummer 7: „Den Bernstein-Weizenbock, den möchte ich gerne haben!“

Der Barmann schüttelt den Kopf. „Onsdag steht darüber, das heißt Mittwoch. Soll heißen, das Bier gibt es erst ab morgen. Tut mir leid!“

Es darf nicht wahr sein. Ungläubig schaue ich auf die Tafel. Heute ist Dienstag. Morgen, am Mittwoch, sitze ich schon wieder im Flieger, wenn das På Kornet wieder öffnet und dieses Bier angestochen wird. Was für ein Pech!

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das bunte Bierangebot

Stattdessen entscheide ich mich jetzt für etwas völlig anderes, etwas, das mich nach Möglichkeit nicht einmal annähernd an den Geschmack eines Weizenbocks erinnert, nämlich das Rustique der Lervig Aktiebryggeri. Ebenfalls ein Kollaborationssud, gemeinsam mit Magic Rock aus Großbritannien.

Ein Farmhouse IPA ist es, also ein India Pale Ale, das mit einer eher rustikalen Hefe (daher auch der Name) vergoren worden ist, wie sie sonst in Saison-Bieren zum Einsatz kommt. Zusätzlich angeblich auch noch mit wilder Hefe vom Typ Brettanomyces, und schließlich in Chardonnay-Fässern gereift.

Klingt spannend, schmeckt auch spannend. Hopfenbittere, eine intensive Strenge der Hefe und leicht säuerliche Noten der Fassreifung kämpfen um meine Aufmerksamkeit, um Platz auf meiner Zunge. Ein wildes Spiel der Aromen, bei dem keine der Komponenten die Oberhand gewinnen kann. Ein spannendes Erlebnis, aber bestimmt nicht jedermanns Sache.

Ein zweites Bier gönne ich mir noch, dann reicht es für heute. Aber nicht ohne mir eine Kleinigkeit zu Essen zu bestellen. Asiatisch gewürzte Chicken Wings, immer eine gute Option zum Bier. Zu diesen scharfen Aromen passt ein kräftig gehopftes Bier, und so entscheide ich mich für ein West Coast IPA, und zwar das Dank!, erneut eine Kollaboration, diesmal zwischen Lervig und der amerikanischen Brauerei Boneyard. 7,1% Alkohol, kräftig fruchtige und harzige Hopfenaromen und eine deutliche, kompakte Bittere. Passt in der Tat hervorragend zum Essen.

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Dank! – das West Coast IPA

Noch ewig könnte ich hier weiter degustieren. Die Liste der Fassbiere, heute „nur“ 17 verschiedene, ist spannend, und darüber hinaus gibt es auch noch eine schier unendliche Liste an Flaschenbieren, die sich systematisch zu erarbeiten im Arbeitsumfang einer mittelschweren Doktorarbeit gleich käme. Insofern: Ja, eine hervorragende Empfehlung, Mike. Es bestätigt einmal mehr den alten Grundsatz für die Bierdegustation: „If in doubt, ask the brewer!“

Das Restaurant mit Bierbar (Gastropub) På Kornet ist dienstags bis donnerstags ab 16:00 Uhr, freitags ab 14:00 Uhr und sonnabends ab 12:00 Uhr durchgehend bis mindestens Mitternacht geöffnet; sonntags und montags ist Ruhetag. Es liegt direkt in der Altstadt, nur wenige Schritte vom Hafen entfernt und ist somit bequem zu erreichen, gerade einmal 300 m nördlich der Domkirche.

Bilder

På Kornet
Øvre Holmegate 8
4006 Stavanger
Norwegen

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