Beer Factory
Plzeň
CZE

Plzeň, oder international, ohne diakritische Zeichen, Pilsen. Stadt, Bier, Brauerei – alles ist eins. Pilsner Urquell als das wohl berühmteste Bier der Welt, als stilsetzende Ikone, als globaler Standard. Bereits am Ortseingang der Stadt weisen alle Wegweiser zur Brauerei.

Dass es in diesem kleinen und sehr hübschen böhmischen Städtchen neben der großen Pilsner Urquell Brauerei, die übrigens mittlerweile in japanischer Hand ist und zum Asahi-Konzern gehört, aber auch noch weitere, weitaus kleinere Brauereien gibt? Ach, wer weiß das schon…

Die Beer Factory ist eine davon. Im November 2016 erst eröffnet, also gerade einmal anderthalb Jahre alt. Von außen, wie so oft in Tschechien, eher nichtssagend. Ja, natürlich, das alte Bürgerhaus aus Stein hat eine hübsche Fassade, es ist kein gesichtsloser Plattenbetonbau, aber das trifft in der Altstadt Pilsens eigentlich für alle Häuser zu. Rund um die Bartholomäus-Kirche stehen die schönen alten Bürgerhäuser, bilden kleine Gässchen zum Bummeln und Spazierengehen.

Hie und da könnte man die Fassade mal wieder auffrischen. Vorsichtig mit dem Sandstrahler dran gehen. Den Ruß und den Straßendreck abwaschen. Man kann es aber auch lassen, die Fassade Fassade sein lassen und sich stattdessen auf das Innere konzentrieren. So, wie die Macher in der Beer Factory.

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Blick in den Schankraum

Ich trete also durch die Eingangstür und finde mich ein einem großen, gepflegten Schankraum wieder. Blitzsauber und aufgeräumt. Ein bisschen Industrial Chic, ein bisschen Prager Bierhallenatmosphäre. Geschickt miteinander kombiniert. Eine langgestreckte Theke, darauf eine Zapfhahnbatterie aus viel Kupfer und Messing. Es glänzt und blitzt. Und direkt dahinter das kleine kupferne Sudwerk. Auf optischen Eindruck getrimmt. Als Gast sieht man nur die beiden relativ kleinen kupfernen Geräte. Schalter, Hebel, Verrohrung, Steuerung, alles ist geschickt hinter der Theke verborgen und den zufälligen Blicken der Besucher entzogen. Alles sieht so aufgeräumt auf, dass der Brauer, würde er jetzt anfangen, zu arbeiten und die Bierwürze zu bereiten, regelrecht die Ordnung stören würde.

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das kleine und schmucke Sudwerk

Nur ein paar Gäste verlieren sich am frühen Nachmittag im Saal. Ich bummle an der kleinen Brauerei entlang und biege dahinter ab, dem Schild pivní zahrádka folgend, Biergarten. Ein kleiner Innenhof, dieses Jahr wohl erst errichtet und gerade erst eröffnet. Noch ein bisschen kahl wirkt es hier, die robusten Holzmöbel (in einer Ecke auch in Mini-Version für die Kinder) stehen noch ein wenig verloren herum. Doch an den Wänden beginnen die ersten Pflanzen, sich hochzuranken und frisches Grün zu spenden. Hopfenpflanzen sogar, ganz stilecht für eine Brauerei! In den nächsten Tagen wird man den Ranken buchstäblich zusehen können, wie sich teilweise über zehn Zentimeter pro Tag an den Gerüsten hocharbeiten werden.

Viele junge Leute sitzen hier, genießen die Sonne und das Bier.

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das Grün im Biergarten muss noch ein wenig wachsen

Ich schlage die Karte auf. Sieben Biere werden angeboten, aber noch bevor ich auswählen kann, kommt der junge Kellner angeflitzt und informiert mich: Zwei Sorten seien nicht mehr oder noch nicht wieder erhältlich. Ich gönne mir zum Auftakt ein einfaches helles Lagerbier, ein Světlý Ležák. Nur 4,3% Alkohol, aber ein schöner, voller und runder Geschmack. Herrlich erfrischend, aber nicht zu hoch gespundet und somit nicht zu bizzelig. Sehr schön.

„Eine Kleinigkeit hätte ich gerne dazu zum Essen“, bedeute ich dem Kellner und frage, was er denn für den kleinen Hunger empfehlen könne. „Die Wurstplatte“, lautet die Antwort. Das sei nur eine kleine Portion. Also dann, die Wurstplatte halt.

Kleine Portion? Es ist immer noch reichlich. Ein Brotkorb, ein Brettchen mit vielleicht 300 oder 400 g Wurst und Schinken. Kräftige, rustikale Sorten. Da muss schnell ein weiteres Bier her.

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Světlý Ležák – der Klassiker

Das Amber. Bernstein. Seinem Namen macht es alle Ehre. Die Farbe ist kräftig, leuchtet geradezu in der tiefstehenden Sonne. Kräftige Malzaromen, ein voller und runder Körper. Bei jedem großen Schluck bleiben dicke Schaumringe an der Innenwand des Glases haften. Ein großer Genuss. Fast möchte ich es nicht glauben, dass auch dieses Bier nur 4,3% Alkohol haben soll. Viel zu kräftig ist der Geschmack, viel zu vollmundig wirkt es. Und doch: Der Kellner bestätigt es. Auch dieses Bier ist leicht.

Die Wurstplatte ist vertilgt, und ich gönne mir noch ein drittes, ein letztes Bier – diesmal aber in der Tat ein wenig stärker: Das India Pale Ale hat 6,5% Alkohol. Kräftige Hopfenaromen, ein ebenso kräftiger Malzkörper, der die Bittere des Hopfens schön einbettet, eine leuchtende Kupferfarbe.

Drei gute Biere in sehr angenehmer Atmosphäre. Freundlicher Service, ein Biergarten, der erst noch ein wenig altern muss, um richtiges Flair zu gewinnen, gutes Wetter und deftiges Essen. Passt!

Die Beer Factory ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Zu erreichen ist sie mit der Straßenbahn, Linien 1, 2 und 4, Haltestelle Náměstí Republiky, direkt an der Bartholomäus-Kathedrale. Von dort sind es 100 m in Richtung Norden.

Bilder

Beer Factory
Dominikánská 8
301 00 Plzeň
Tschechien

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