Restaurace Pivovar Hostivar
Praha
CZE

Sehr praktisch, dachte ich, als ich anhand des Prager Straßenbahnplans überprüfte, wie ich vom Hotel zur Brauerei Hostivar komme. Einfach nur in die Linie 22 einsteigen, und dann bis zur Endstation. Sehr bequem. Was ich nicht bedacht hatte, war die Tatsache, dass zwischen Hotel und Brauerei 34 weitere Haltestellen lagen – und so zuckelte ich fast eine Stunde lang durch Prag.

In der Tat, die Restaurant Brauerei Hostivar liegt knapp zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt in einem der weit draußen gelegenen Stadtteile. Von Idylle kann aber trotzdem keine Rede sein, denn direkt vor der Brauerei verläuft eine vierspurige Straße – nur ein schmaler, perfekt gepflegter Streifen Gras trennt die Brauerei vom Verkehr.

MiniaturModerne Architektur, eine große Glasfront, die den Blick auf die stählernen Installationen des Sudwerks und der Gär- und Lagertanks ermöglicht. Und ein riesiger Schriftzug – Hostivar!

Der Eingang liegt auf der der Straße abgewandten Seite. Ich laufe um das Gebäude herum und bin positiv überrascht. Ein Biergarten, oder fast schon ein kleiner Park. Leuchtend grüner und sorgfältig getrimmter Rasen, der jedem Golfplatz zur Ehre gereichen würde. In der Mitte eine Hütte, die als Ausschank dient. Ein paar Schritte weiter ein großer Kinderspielplatz, und über das ganze Gelände verteilt Sitzgelegenheiten. Und zwar nicht billige Biergarnituren, sondern solide Holzkonstruktionen, ansprechend und einladend.

Heute, am 1. August 2015, besteht aber ein Luxusproblem: Für den Biergarten ist es viel zu heiß. Die Mittagssonne brennt unbarmherzig herab, das Thermometer steht weit jenseits der 30°-Marke. In der Schankstube ist es wesentlich angenehmer. Zwar ist die ganze Glasfront aufgeschoben, die warme Luft von draußen kommt herein, aber genau dadurch weht auch ein ganz leichtes Lüftchen.

Die Getränkekarte verspricht fünf verschiedene Biere – und im Bewusstsein, noch einen langen Tag vor mir zu haben, beschränke ich mich auf zwei Sorten, beginne sogar mit einem leichten, elfgrädigen Bier. Hell, goldgelb steht es vor mir, ein feines Hopfenaroma, Spuren nur vom in Tschechien üblichen Diacetyl. Eine spürbare, aber nicht zu dominante Bittere, ein solider Malzkörper zum Ausbalancieren. Ein ausgezeichnetes Bier.

Zum Essen gibt es regionale und internationale Brauhausküche. Eine Haxe wäre bei der Gluthitze sicher nicht angebracht, aber eine ordentliche Portion Chicken-Wings passt ausgezeichnet zum Bier. Die Qualität überzeugt, der blitzschnelle und freundliche Service auch.

Das Ambiente? Modern, ein wenig skandinavisch wirkend. Viel Holz, klare Linien, schnörkellos. In der Mitte ein gewaltiger Bullerjahn, der auch im tiefsten tschechischen Winter den Schankraum auf mollige 27° aufheizen können wird. Und, überraschend: Noch ein paar liegende Ausschank-Tanks. Mitten im Restaurantbereich, tiefschwarz, statt stählern glänzend. Ein Blickfang, das definitiv, aber ob der Aufwand zur Kühlung hier nicht unverhältnismäßig hoch ist?

Die scharfen Chicken-Wings machen Lust auf ein knackig-hopfiges Bier. Mit dem H-Ale, das H wohl für hořké, also bitter, stehend, glaube ich, nichts verkehrt machen zu können. Und ich liege richtig. Zwar ist das H-Ale mit 15° Stammwürze recht kräftig bei der Hitze, aber seine kernige, aber trotzdem blitzsaubere Hopfenbittere passt hervorragend zum scharfen Essen. Keine übermäßigen Fruchtaromen oder moderne Hopfenakzente, sondern eine saubere, aromatische Bittere klassischer Art. Ein Herrenbier, schießt es mir chauvinistisch durch den Kopf.

Zwei ausgezeichnete Biere, ein gutes Essen, eine rundum stimmige Atmosphäre – ich bin zufrieden. Trotz der langen Anfahrt würde es sich jederzeit lohnen, hier wieder her zu kommen.

Das Bierangebot wechselt im Laufe der Monate – als besonderes Bier wird im Hochsommer ein achtgrädiges Leichtbier, das Cyklistická Osmička, also das Radler-Achter, angeboten, allerdings sollte man sich durch den Namen nicht täuschen lassen – es ist definitiv kein Radler, kein Biermischgetränk. Der Winter sieht dann eher ein tiefschwarzes Dreizehner oder ein IPA im Angebot, oder zur Adventszeit einen Doppelbock.

Die Restaurace Pivovar Hostivar ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Im Sommer sind der große Biergarten und die Terrasse geöffnet. Obwohl es direkt vor der Brauerei gebührenfreie Parkplätze gibt, empfiehlt sich doch eher die Anreise mit der Straßenbahnlinie 22 (etwa 800 m bis zur Haltestelle) oder dem Bus 175. Mit dem Fahrrad geht es auch – direkt am Biergarten ist ein Abstellplatz für die Räder.

Bilder

Restaurace Pivovar Hostivar
Lochotínská 656
109 00 Praha 15
Tschechien

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