Biermuseum Kuchlbauer
Ingolstadt
DEU

Naja, also, ein richtiges Museum ist es natürlich nicht, der Brauerei-Ausschank der Kuchlbauer-Brauerei im Herzen Ingolstadts, sondern eher eine grundsolide, bayerische, krachlederne Wirtschaft, die mit einem Sammelsurium von alten Braugerätschaften und Bierdevotionalien auftrumpft, das dem Schankraum seine ganz besondere Atmosphäre verleiht.

Nur wenige Schritte von der Ingolstädter Fußgängerzone entfernt in einer kleinen Seitenstraße residiert das Biermuseum Kuchlbauer. Ein altes, denkmalgeschütztes Gebäude, das irgendwann einmal eine Brauerei beherbergt hatte, ist hergerichtet worden zu einer urig-rustikalen Gastwirtschaft, in der das Kuchlbauer-Bier in origineller Atmosphäre präsentiert wird.

MiniaturSchon direkt hinter der Eingangstür begrüßen den Besucher die ersten alten Armaturen eines alten Kessels aus dem vorletzten Jahrhundert. Ein paar Schritte weiter, und man betritt den großen, auf zwei Ebenen angelegten Schankraum. Unten ein großer Saal, kleine und große Tische stehen dicht an dicht, dazwischen gewaltige Eichenbalken, die eine Zwischendecke tragen, und als Raumteiler zwischen den Tischgruppen sich windende alte, kupferne Rohrleitungen. Auf der Zwischendecke dann das eigentliche „Museum“, eine Sammlung von alten Kesseln, Fässern, Bottichen, Kühlern, Säcken, Eimern. Viel Kupfer ist zu sehen, alles ist sorgfältig beschriftet.

Linker Hand, wenn man vom Eingang kommt, ist auf quasi gleicher Höhe wie die Museumssammlung ein zweiter Bereich mit Tischen und Stühlen. Über die Balustrade blickt man nach unten, auf die anderen Gäste, oder mit dem Blick frei geradeaus auf die Museumsstücke. Nun ja, nicht ganz frei geradeaus, denn auf Augenhöhe schwebt frei über den Tischen des unteren Schankraums noch ein komplettes Fuhrwerk mit Fässern.

Sowohl unten als auch oben sind die Wände ebenfalls mit musealen Gerätschaften dekoriert. Zangen, Brenneisen, Eishaken, Fassdeckel – alles, was man für den Betrieb einer Brauerei in früheren Jahren so gebraucht hat.

Ein wenig überladen wirkt es, aber doch spannend und informativ. Man könnte eine Weile lang an den Wänden entlang wandern, die kleinen Schilder studieren und sich so Schritt für Schritt den historischen Brauprozess erarbeiten. Oder, wenn nicht viel los ist, sich in zwanzig Minuten durch die Sammlung führen lassen, sich die wichtigsten Exponate genauer erläutern lassen.

Oder man bleibt sitzen, bestellt sich ein Bier und staunt ganz einfach.

Zu letzterem werde ich heute durch die Umstände genötigt. Zwar ist der Schankraum noch komplett leer, als ich das Biermuseum Kuchlbauer betrete, aber die Bedienung weist mich gleich unmissverständlich darauf hin: „Ab heute geht es los mit den Weihnachtsfeiern, wir sind gleich komplett reserviert.“ Ein Bier darf ich trinken, eine Kleinigkeit essen, aber ich möge mich doch bitte darauf einstellen, nicht allzu lange bleiben zu können.

Ach ja, die Weihnachtsfeiern. Traum und Albtraum eines jeden Gastronomen. Einerseits eine hervorragende Geldquelle. Die Lokale sind rappelvoll, die Menschen essen und trinken, als wäre für morgen eine Hungersnot nebst monatelanger Dürre prophezeit, die Einnahmen fließen nur so. Andererseits aber auch eine arbeitsreiche, stressige Zeit. Zu wenig Personal, die Kellner und Kellnerinnen stets am Rande des Nervenzusammenbruchs, und die Metapher von der staden Zeit in den Adventswochen ist so unglaubwürdig, wie sie nur sein kann.

Ich bestelle mir einen Aloysius-Weizenbock und einen Spanferkelbraten, klassische, bayerische Spezialitäten für die kalte Jahreszeit. Wärmend und kräftig. Und während ich mein Mahl genieße, beobachte ich, wie die Gäste der Weihnachtsfeier hereinströmen. In Windeseile füllt sich der Saal, unten wie oben, der Lärmpegel schwillt an, die Kellnerinnen tragen Unmengen Bier und gewaltige Essensportionen herein.

Für mich wird es Zeit, zu gehen.

Ein kurzes Resümee? Der Weizenbock kräftig, sehr malzig, er hätte ein wenig mehr Fruchtnoten aufweisen können. Das Spanferkel solide und lecker. Die Bedienungen angesichts der zu erwartenden Hektik schon ein wenig angespannt, aber freundlich. Die Dekoration, beziehungsweise das Museum, vielleicht ein wenig überladen, aber interessant.

Na, und der Verweis auf das Reinheitsgebot, Das Reinheitsgebot von 1516 – ältestes Lebensmittelgesetz der Welt – wurde hier in Ingolstadt Landesgesetz, der über meinem Tisch prangte, völlig unangebracht. Und zwar gleich aus zweierlei Gründen. Erstens ist es nie das älteste Lebensmittelgesetz der Welt gewesen – bereits die alten Ägypter hatten schon Lebensmittelvorschriften, die unter anderem auch das Bier betrafen (und dem Bierpanscher das Ertränken in seinem eigenen Sud androhten…). Und zweitens sollte eine Weißbierbrauerei wie die Kuchlbauer zum Thema Reinheitsgebot schweigen – Weizen war nämlich ganz ausdrücklich vom Reinheitsgebot nicht zugelassen, wie wir alle wissen.

Das Biermuseum Kuchlbauer ist täglich von 11:00 bis 15:00 Uhr und von 17:00 bis 01:00 Uhr geöffnet, kein Ruhetag. Durch seine Lage in der Altstadt ist es problemlos zu Fuß oder mit dem Stadtbus zu erreichen; mehrere Parkhäuser befinden sich ebenfalls in fußläufiger Entfernung.

Bilder

Biermuseum Kuchlbauer
Schäffbräustraße 11 A
85 049 Ingolstadt
Bayern
Deutschland

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