Alles Elbe
Hamburg
DEU

Die Elbe – der große Strom Mitteleuropas. Kurz hinter der tschechisch-polnischen Grenze, hoch oben im Riesengebirge entspringt dieser Fluss, fließt in großem Bogen durch Tschechien und dann in weit ausholenden Windungen durch den Osten Deutschlands, bis er schließlich in Richtung Westen biegt und sich in die Nordsee ergießt. Auf fast 1100 km durchquert die Elbe zahlreiche unterschiedliche Natur- und Kulturlandschaften und prägt als großer Handelsweg die an ihrem Ufer liegenden Städte schon seit hunderten, wenn nicht tausenden von Jahren.

Besonders Hamburg als schönste und eine der wichtigsten Metropolen Deutschlands verdankt seine Rolle und Identität der Elbe, bringt sie doch Waren und Personen aus einem Einzugsgebiet von rund 150.000 km² in die Stadt und öffnet ihr gleichzeitig den Zugang zur Nordsee und den Weltmeeren.

MiniaturUnd Spezialitäten aus dem ganzen Einzugsbereich der Elbe sind es, was Jennifer Robinson-Schuré und Nigel Robinson in ihrer kleinen Wirtschaft Alles Elbe anbieten. Ist es eine Bierbar? Ein Restaurant? Ein Café? Ein Spezialitäten-Lädchen? Ach, es ist alles in einem – auch wenn ich zugeben muss, dass es natürlich die Bierauswahl war, die uns in erster Linie hierher gezogen hat.

Es ist früher Abend, und wir gehen die paar Stufen in das Tiefgeschoss hinunter, öffnen die Tür zum Alles Elbe. Rechts eine kleine Theke, und linker Hand ein langgestreckter Raum, gemütlich eingerichtet, fast wie ein Wohnzimmer. Es ist voll, mit etwas Glück finden wir noch ein kleines Tischchen, machen es uns gemütlich. Nur einen Augenblick später steht Jennifer neben uns, fragt nach unseren Wünschen.

Tja, also eigentlich sind wir wegen des Bieres gekommen, fange ich an, und noch bevor ich weiter fragen kann, was es denn so alles gebe, fangen Jennifers Augen an zu leuchten. Sie sprudelt nur so über von Informationen über die sechs Fassbiere, die sie im Angebot hat. Zu jedem einzelnen Bier erklärt sie, um welchen Stil es sich handelt, woher es kommt, wie es schmeckt. Wir entscheiden uns für ein Gypsy Porter und ein Christmas Ale der Brauerei Kocour in Varnsdorf, im Norden Tschechiens. Zwei wunderbare und ausdrucksstarke Biere, gerade recht für einen dunklen Winterabend in einer gemütlichen Gaststube.

Neben uns sitzt eine Gruppe dänischer Bierliebhaber. Eine große Flasche Spezialbier nach der anderen wird bestellt, auf vier Gläser aufgeteilt, von allen Seiten fotografiert und dann getrunken. Und die nächste. Schier endlos, immer wieder neue und interessante Biere tauchen auf.

Wir schauen interessiert zu und überlegen, was wir als nächstes bestellen. Quasi der Vollständigkeit halber ordere ich ein Pils von Kocour, obwohl es nach den beiden starken Bieren zum Auftakt gar nicht so richtig zur Geltung kommen wird. Meine holde Angetraute weiß es besser, sie fragt nach einem kräftigen Bier, das es mit dem Gypsy Porter geschmacklich aufnehmen kann. Vom Fass hätte sie da nichts Passendes mehr, meint Jennifer, aber Berlin läge ja auch im Einzugsbereich der Elbe, die Havel sei ja ein Nebenfluss. Und so würde sie von Thorsten Schoppe das Black Flag Imperial Stout empfehlen.

Passt!

Wir bekommen Hunger, bestellen uns ein paar Stullen. Kerniges, geradezu knuspriges Vollkornbrot mit aromatischem Schinken und mit Apfelgriebenschmalz bekommen wir, dazu zwei Pfefferbeißer und ein Schüsselchen saure Gurken. Herrlich, zum leckeren Bier. Und eigentlich auch eine ausreichend große Portion. Aber wir hatten den ganzen Tag noch nichts gegessen, und Bier macht noch hungriger, also darf es noch ein eingelegter Camembert sein, oder wie man in Tschechien sagt, ein nakládaný Hermelín. Selbst gemacht, erklärt Jennifer stolz, als sie ihn uns serviert. Aber so, wie es die Tschechen machen. Dazu erneut ein Stapel Vollkornbrotscheiben. Hm, lecker!

Das kräftige Essen macht natürlich wieder Durst – und so könnte es ewig weitergehen, immer im Wechsel, ein hervorragendes Bier, danach einen nicht minder hervorragenden Snack. Na gut, ein Bier geht noch, sagen wir uns, und während ich das Samuraj IPA von Kocour probiere, bleibt meine Frau Thorsten Schoppe treu und bestellt sich auf Jennifers Empfehlung hin ein Holy Shit Ale.

Letzteres ist allerdings stark genug, den Abend für heute zu beenden. 10% Alkohol, da sagt die Vernunft, dass es jetzt Schluss ist mit dem Wechsel zwischen Bier und Snacks. Wir sind sicher, es hätte noch unendlich viele leckere Kleinigkeiten und herrliche Biere gegeben, aber das sparen wir uns für ein andermal auf. Denn eins steht fest: Hier waren wir heute zum ersten, aber definitiv nicht zum letzten Mal. Das nächste Mal dann auch gerne schon am Nachmittag, zu Tee und Scones (dann aber ein Bier hinterher…), und vielleicht auch ein bisschen länger, um noch mehr von den leckeren Kleinigkeiten probieren zu können. Denn die Liste der leckeren Dinge, die es hier gibt und die alle von kleinen Handwerksbetrieben entlang und aus dem Einzugsgebiet der Elbe stammen, ist noch lang. Und der liebenswerte Service ist so herzlich, dass man sowieso gar nicht gehen mag.

Die urgemütliche kleine Wirtschaft Alles Elbe ist mittwochs bis sonnabends ab 16:00 Uhr durchgehend bis keine Gäste mehr da sind geöffnet; sonntags von 14:00 bis 22:00 Uhr (gegebenenfalls abweichende Öffnungszeiten auf der Homepage). Montags und dienstags ist Ruhetag. Zu erreichen ist das Alles Elbe per U-Bahn (Station St. Pauli) oder S-Bahn (Station Reeperbahn), zu Fuß sind es dann fünf bis sieben Minuten, je nachdem, wie groß Hunger und Durst sind, die einen antreiben.

Bilder

Alles Elbe
Hein Hoyer Straße 63
20 359 Hamburg
Hamburg
Deutschland

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