Naïv
Frankfurt
DEU

Frankfurt ist eine internationale Stadt, vielleicht sogar die internationalste Stadt Deutschlands. Der Ausländeranteil liegt bei knapp 30 %, die Menschen kommen aus rund 180 verschiedenen Ländern der Welt. Da ist es eigentlich schon verwunderlich, dass die neue Bierszene hier nur so zögerlich Fuß fasst. Fast überall bekommt man nur das Bier der Großkonzerne und das ebenfalls industriell hergestellte Binding. Und natürlich Äbbelwoi, flüssigen Sauerampfer aus Äpfeln, die im Rohzustand niemand essen würde…

Na klar, es gibt sie mittlerweile schon, die jungen und experimentierfreudigen Brauer, aber man kann sie an einer Hand abzählen. Und so richtig erobert haben sie die Gastronomie und die Szene in Frankfurt noch nicht.

Eine der immer noch seltenen Ausnahmen in dieser Einfalt ist somit das Naïv in der Fahrgasse, am Nordrand des Fischerplätzchens.

Miniatur (1)An einer Bar aus massivem Beton werden hier vier verschiedene Craftbiere gezapft und zusätzlich rund fünfzig oder mehr Flaschenbiere angeboten. Die Zahl der Zapfhähne könnte größer sein, ja, aber wenigstens ist die Auswahl, die für die vier Hähne getroffen wurde, eine gute, und man kann sich ein Tasting-Tray mit vier kleinen Probiergläschen bestellen.

Der Bierreigen beginnt mit dem Single Hops Pils von Hanscraft & Co, ein außerordentlich erfrischendes Bier. Ausschließlich mit Hallertauer Blanc gebraut und gestopft, weist es eine fruchtige Note und eine fast schon minzige Frische auf, die am Gaumen kitzelt und bereits nach dem ersten Schluck Lust auf mehr macht. Tolles Bier!

Hahn Nummer Zwei bietet die Hopfenlust von Glaabsbräu. Das unweit von Frankfurt in Seligenstadt gebraute Bier weist ebenfalls schöne und frische Hopfennoten auf, geht aber eher in die mittlerweile schon fast klassisch zu nennende Zitrusrichtung, unterscheidet sich also vom Hanscraft-Bier deutlich.

Am dritten Zapfhahn heute das Lovebeer der Camba Bavaria. Eigentlich ein Weizenbier, aber so kräftig und hemmungslos gehopft, dass es seinen Charakter völlig ändert und selbst mich mit meiner Weißbierphobie zu überzeugen vermag. Knackig und fruchtig-herb.

Und schließlich am letzten Hahn ein India Pale Ale. Nach wie vor gilt: Keine Craftbier-Bar ohne IPA! Heute das Drunken Sailor von der Crew Republik. Eine deutlich dunklere Farbe als die anderen drei Biere, ein kräftiger Malzkörper und darüber feste, erdige Hopfennoten. Leicht blumig, leicht fruchtig, aber auch harzig und fest. Ein ganz anderer Charakter als die drei Biere vorher – weniger sommerlich, eher schon den bald beginnenden Herbst ankündigend.

Miniatur (2)Nach ausgiebiger Verkostung entscheide ich mich für ein großes Glas des Hanscraft Single Hops Pils – das Bier passt heute einfach am besten. Die freundlichen jungen Damen, die fleißig zwischen den Tischen im Außenbereich hin und her wuseln, bringen dazu ein Pulled-Pork-Sandwich mit Pommes Frites. Schönes, zartes Schweinefleisch im leckeren Brötchen – fein, allerdings passen die tendenziell eher süßliche Würze des Schweinefleischs und die knackig salzigen Pommes nicht hundertprozentig zusammen, irgendwie harmoniert es nicht wirklich. Gleichwohl, es ist lecker. Muss es für diesen Preis aber auch sein. Nun ja, wir sind in Frankfurt. Preiswertes Essen ist hier schwer zu finden.

Der Schankraum ist am frühen Abend noch leer, die Gäste genießen die Wärme der untergehenden Sonne – wer weiß, wie lange man dieses Jahr noch draußen sitzen kann. Das Publikum ist gemischt, und die großen Tische, lang wie eine Bierbank, aber deutlich breiter, laden dazu ein, sich zu anderen dazuzusetzen. Als Einzelperson einen so großen Tisch allein zu besetzen, das geht gar nicht, und so wird die Kommunikation zwischen den Gästen gefördert. Auch drinnen sind die Tische ähnlich groß, auch hier wird wohl, wenn es voll wird, der eine oder andere neue Kontakt geknüpft.

Insgesamt also eine nette Adresse. Die Anzahl der Fassbiere könnte höher sein, aber davon abgesehen ist es für den Bierreisenden definitiv eine Empfehlung wert. Bevor man sich mit Äbbelwoi Sodbrennen holt, lohnt es sich doch eher, ein wenig spazieren zu gehen und die Fahrgasse zu suchen. Die ja durchaus zentral liegt!

Und dann im Naïv gutes Bier genießen.

Das Naïv ist montags bis freitags ab 17:00 Uhr, sonnabends, sonntags und feiertags ab 12:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Zu erreichen ist es mit den Öffis problemlos, sowohl die U-Bahn-Station am Römer als auch die Straßenbahnstation am Börneplatz sind nur 150 m entfernt.

Bilder

Naïv
Fahrgasse 4
60 311 Frankfurt
Hessen
Deutschland

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