BernardiBräu
Bier Alp
Rettenberg
DEU

Nachtrag 27. Juni 2021: Langsam, ganz langsam kehrt eine gewisse Normalität ein. Die Infektionszahlen sind so niedrig wie seit einem Jahr nicht mehr, mehr und mehr Menschen sind geimpft, und so tastet die Gesellschaft sich langsam an ein neues Miteinander heran. Man muss es ja nicht gleich so übertreiben wie die Fußballfanatiker während der Europameisterschaft, aber kleine Schritte sind erlaubt – zum Beispiel Blasmusik im Biergarten.

Blasmusik und Gigglstuinar Märzen

So bleibt denn heute die Küche kalt und wir setzen uns bei Blasmusik, vollmundigem Märzen und deftigem Essen in den Biergarten der BierAlp und verbringen einen ganzen Sonntagnachmittag in der Sonne. Wir verhocken den ganzen Tag, wie man im Fränkischen sagt. Das heißt, wir sitzen und sitzen und sitzen. Und irgendwann ist er viel zu schnell vergangen, der Sommersonntag, der Biersonntagnachmittag, der Biergartentag. Schade? Einerseits schon, weil so schnell vergangen, aber andererseits eben auch einfach nur schön.

BernardiBräu / Bier Alp

Nachtrag 5. Juni 2021: Es ist natürlich ein gewisses Risiko für einen Bierautor, seine Lieblingsbrauerei zu oft zu besuchen. Zwar wird er immer seine Freude am Bier vor Ort haben, aber er muss seinen Mitteilungsdrang über all die einzelnen Besuche zügeln, andernfalls aus einem Blog-Beitrag schnell so etwas wie eine Chronik oder ein öffentliches Biertagebuch wird. Oder nicht?

Es ist gerade eine Woche seit unserem letzten Besuch vergangen, aber noch haben wir uns nicht wieder an die Öffnungen, an die neue alte Normalität gewöhnt und betrachten ein Weißwurstfrühstück unverändert als etwas Besonderes. Darum die Nachricht am Freitagnachmittag an unsere Freunde aus St.: „Habt Ihr Lust auf ein Weißwurstfrühstück auf der Bier Alp morgen um zehn Uhr?“

Es dauerte einen Moment, bis die Antwort kam. Ungewöhnlich, diese lange Reaktionszeit. Aber die nachträgliche Begründung für diese Verzögerung überzeugte uns: „Die Einladung von Quantes zum Weißwurstfrühstück kam etwas kurzfristig. Da mussten wir erst überlegen, denn mit denen muss es immer etwas länger dauern können …“

… ja, finden wir auch!

Recht so. Es muss länger dauern können. Denn so ein Weißwurstfrühstück auf der Bier Alp ist eine Ganztagesveranstaltung. Das Zitat von Frau S. aus St. gegen 16:00 Uhr (das Treffen hatte um 10:00 Uhr begonnen) „Ist eigentlich schon Mittag?“ paarte sich mit der selbstreflektorischen Feststellung, nun nach einigen Weißwürsten, einer großen Portion Currywurst mit Pommes, diversen Bieren und zunehmend begehrlicher werdenden Blicken auf die Kuchenteller an den Nachbartischen wohl doch den Überblick über die rasch verronnene Zeit verloren zu haben …

Und das, liebe Leserinnen und Leser, das ist es, was einen Besuch auf der Bier Alp ausmacht.

BernardiBräu / Bier Alp

Nachtrag 29. Mai 2021: „Ist es wirklich? Kann ich es glauben, was meine Augen dort sehn? Vielleicht ist es nur eine Traumfantasie …?“ Wir sitzen zum ersten Mal seit vielen, vielen Monaten an einem Tisch und lassen uns bedienen. Alles scheint noch unwirklich, wie im Traum, wie in einer Traumfantasie, und mir geht der Text aus dem Musical Cats fortan nicht mehr aus dem Kopf.

Aber es ist Realität. Allerdings kommt nicht Alt-Deuteronimus, sondern die nette Bedienung. Seit ein paar Tagen sind die Biergärten und Freisitze wieder geöffnet; die Presse und die Politik haben extra einen neuen Begriff dafür geprägt: Außengastronomie.

Wir sitzen also an dem gewaltigen Holztisch auf der Bier Alp, über uns ein großer Schirm, der uns vor dem Nieselregen schützt, und Petra, die Chefin, erzählt, wie toll die Gäste alles wieder annehmen würden. Trotz des Regens kämen die Wetterfesten, so wie wir, und sowie die ersten Sonnenstrahlen zwischen den Wolken hervorspitzen würden, wären ruckzuck alle Tische mit Wanderern besetzt. Wobei „besetzt“ natürlich ein Haushalt pro Tisch hieße, und kein dichtes Gedränge wie vor zwei Jahren. Oder zwei Haushalte, aber dann nur mit Schnelltest oder Impfnachweis. Alles noch ein wenig kompliziert.

Weißwurstfrühstück

Wir fühlen uns ermuntert, für ordentlich Umsatz zu sorgen, und so bleibt es nicht bei einem Weißwurstfrühstück mit zwei Würsten, einer Breze und einem Weißbier, sondern es wird fleißig nachbestellt. Noch mehr Weißwürste, noch mehr Brezen, noch mehr Weißbier. Der Nieselregen stört uns schon lange nicht mehr, wir genießen das frische Bier, die heiße Weißwurst, die resche Breze und den freundlichen Service. Ein Hauch von Normalität nach so vielen Monaten des Entzugs.

Endlich wieder Biergarteln!

BernardiBräu / Bier Alp

Nachtrag 10. Oktober 2020: Viele Wochen früher als von den Politikern und Fachleuten prophezeit steigen die CoViD-19-Infektionszahlen zum zweiten Mal an. Ein letztes Mal vor den zu erwartenden Ausgangsbeschränkungen treffen wir uns mit Freunden in der Bier Alp, nutzen es aus, dass der Raum riesig ist und sich mögliche Aerosole gut verteilen, und wir achten mit Ausnahme eines kurzen Moments für ein Foto auch darauf, an den entgegengesetzten Enden des großen Tischs zu sitzen.

eine kleine Foto-Collage von Frank

Es ist wie immer sehr schön, und ich überlasse es meinem guten Freund, dem Biersommelier Frank Di Marco, unsere Eindrücke festzuhalten:

„Toller Abschluss unseres Urlaubs beim BernardiBräu in Rettenberg mit Volker R. Quante mit leckerem Bier. Das Petras No 1 dunkle Lager konnte mit seiner Röstbittere und seinen Schokoladenaromen Punkten. Das Märzen war schön malzig mit Aromen von Steinobst. Dazu gab es einen Leberkäs mit Spiegelei und tollem Kartoffelsalat. Allein das Allgäuer Hirtenbier helles Vollbier hat etwas enttäuscht. Das 10 SauStark, ein Tripel Bock mit 10%Vol, war allerdings ein großartiger Abschluss.“

eine kleine Foto-Collage von Frank

Die Bier Alp ist derzeit mittwochs bis freitags ab 14:30 Uhr, sonnabends ab 10:00 Uhr und sonntags ab 11:30 Uhr geöffnet.

BernardiBräu / Bier Alp

Nachtrag 11. Juli 2020: Fast ein Jahr ist vergangen. Wir machen einen Ausflug mit Kollegen und wollten eigentlich erneut zu Fuß zur Bier Alp laufen. Allein, das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Wir sind ja gewiss nicht zimperlich, was ein bisschen Nieselregen oder einen Schauer anbelangt, aber seit gestern Abend schüttet es, dass wir das Nachbarshaus gegenüber nicht sehen können, und schweren Herzens entschließen wir uns dazu, mit dem Auto zu fahren. Einer von uns vieren darf also nichts trinken …

Mit dem Auto dauert es nicht zwei Stunden, sondern nur zehn Minuten, und just als wir auf den Schotterparkplatz vor der Bier Alp fahren, hört der Regen auf und die ersten Sonnenstrahlen kommen hervor. Es ist zum verrückt werden … Hätten wir nicht doch wandern sollen?

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die neu hinzugekommene zweite Terrasse

Ein bisschen mit dem Schicksal hadernd gehen wir rein und werden zu unserem vorreservierten Platz geleitet – spontane Biergarten- und Restaurantbesuche sind unter CoViD-19-Bedingungen nach wie vor nicht möglich.

Wir starten mit Gigglstuinar Märzen und mit Hirtenbier, den gefälligen und sehr süffigen Alltagsbieren der kleinen Brauerei. Während wir auf unser Weißwurstfrühstück warten, deutet mein Kollege auf das Fenster: „Doch gut, dass wir nicht gelaufen sind!“, und nimmt einen großen Schluck. Ich drehe mich um und sehe, wie draußen erneut die Welt unterzugehen scheint. Die Sonne ist verschwunden, es regnet in Strömen. An der Ecke des Dachs läuft die Regenrinne über und ein kleiner Wasserfall ergießt sich vor dem Fenster auf die schöne, neu angelegte Terrasse, die es letztes Jahr so noch gar nicht gegeben hat. Nur schemenhaft kann ich durch das Wasser den riesigen Bierkrug erkennen, der als Blumentopf dient und das neue Markenzeichen der Bier Alp geworden ist.

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das Gigglstuinar Märzen präsentiert sich auf dem Trachten-Barhocker

„Na, dann machen wir es uns halt hier drinnen gemütlich“, stelle ich fest und bestelle erstmal eine zweite Runde Bier für alle. „Damit das zweite Frühstück besser rutscht!“

Wie schon letztes Jahr ist die Qualität der Biere über alle Zweifel erhaben – Brauer Bernie versteht sein Geschäft. Die Biere sind durch die Bank stilsicher gebraut, und es liegt lediglich an der persönlichen Präferenz, ob man nun drei, vier Märzen, Hirtenbiere, Weizen oder Dunkle trinkt. Oder, so wie ich, nach den deftigen Weißwürsten auf die gute Grundlage vertraut und das Starkbierbrettchen bestellt.

Dieses Mal behagt mir der dunkle SteinBock mehr als letztes Jahr. Vielleicht liegt’s am würzigen Essen vorher, vielleicht an meiner Stimmung, aber er kommt mir nicht so mastig-wuchtig vor, sondern viel gefälliger, und fast schon bereue ich es, davon nicht ein großes Glas bestellt zu haben.

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erneut muss es eine kleine Starkbierprobe sein

Genauso gut wie beim letzten Mal, aber diesmal ganz für mich allein, schmeckt der GamsBock, der Weizenbock. Mit großen Augen schaut meine holde Ehefrau auf mein Glas und wie ich es ganz allein austrinke, ohne etwas abzugeben. Aber sie hat sich vorhin freiwillig angeboten, uns zu fahren, und muss sich nun in Verzicht üben. Der Neid wird allerdings nicht lange anhalten, denn wenn wir uns alle später am Nachmittag noch bei uns daheim treffen, warten noch einige wunderbare Bier-Spezialitäten im Kühlschrank.

Das letzte Starkbier – der 10.0 Sau Stark Triple-Bock – soll den Abschluss der Bierprobiererei für heute Mittag markieren, anschließend wird einfach nur noch gesellig weitergetrunken. Draußen wechseln sich heftige Schauer und kurze sonnige Abschnitte ab, drinnen kümmert sich das Personal liebevoll um uns und herrscht trotz der Größe des Saals und der CoViD-19 bedingt nur geringen Besetzung der Tische eine sehr angenehme Atmosphäre.

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Ja, wollen wir denn heute gar nicht satt werden?

Übermütig leiten wir vom Weißwurstfrühstück direkt zum deftigen Mittagessen über. Es schmeckt halt gar zu gut. Und wir brauchen ja auch einen Grund, mit noch einem oder zwei feinen Bieren nachzuspülen …

BernardiBräu / Bier Alp

Nachtrag 24. August 2019: Ein heißer Sommertag – die Sonne lacht vom wolkenlosen Himmel. Keine Termine stehen im Kalender, und so ist der Entschluss schnell gefasst: Heute wandern wir zum BernardiBräu. Nicht, um dort Bier zu kaufen, sondern um in der seit Anfang Juni dieses Jahres eröffneten Bier Alp ein Bierchen zu trinken und eine Brotzeit zu essen.

Bernard Göhl hat sich, nachdem seine kleine Brauerei die üblichen Anfangshindernisse überwunden und sich am regionalen Markt mit ihren wunderbaren Bieren etabliert hat, ein zweites Standbein geschaffen: Eine Hütte mit Schankbetrieb direkt neben der Brauerei. Die Bier Alp.

Nach gut zwei Stunden Fußweg erreichen wir die ehemalige Talstation des Skilifts. Der Schweiß brennt in den Augen und die Kehle ist mittlerweile trocken – der Bierdurst ist gewaltig. Wie wunderbar ist es dann, wenn hinter der letzten Kehre plötzlich das Hinweisschild auf Brauerei und Bier Alp auftaucht. Und dann sehen wir sie auch schon vor uns, die neu errichtete, große und geräumige Hütte.

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die Bier Alp

Doch was heißt neu errichtet? Ja, sicher, es handelt sich um einen Neubau, doch viele der Hölzer, aus denen sie errichtet ist, sind uralt. Sie stammen von alten Bauernhäusern und Stadeln und sind zum Teil wohl bis zu hunderten von Jahren alt. Im Resultat sieht die Bier Alp aus, als hätte sie „schon immer“ hier gestanden, und nur wer ganz genau hinsieht, erkennt, dass es sich um einen Neubau handelt.

Neugierig schauen wir hinein. Ein großer Saal, der rundherum in Sitzecken und an großen Tischen viel Gemütlichkeit bietet, in der Mitte, unter einem riesigen Kronleuchter aus ‘zig illuminierten Bierflaschen, aber auch eine große Fläche für Konzerte, Tanz- und sonstige Veranstaltungen bereithält.

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der Innenraum ist beeindruckend

Heute Mittag ist drinnen aber alles leer. Das wunderbare Sommerwetter lockt die Gäste nach draußen, und auf den Bänken vor der Hütte unter den Sonnenschirmen ist kaum noch ein Platz frei.

Bernie Göhl und seine Frau Petra wuseln höchstpersönlich zwischen den Tischen und Bänken hin und her und kümmern sich um ihre Gäste. Es ist Hochsaison im Allgäu. Wenn da mal eine Servierkraft ausfällt, gibt es keinen Ersatz, und da müssen Chef und Chefin auch mal selbst in den Service gehen. Und sie machen es mit Liebe und Herz. Später werden wir auf dem Kassenbon den dezenten Vermerk sehen: „Es bediente Sie die CHEFIN.“

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heute exklusiver Service

Bis zum Zahlen ist es aber noch lange hin – zunächst wollen wir unseren Bierdurst stillen. Was wäre dafür besser geeignet als der Grüntengurglar, ein Kellerbier mit 4,7% Alkohol. Würzig und frisch, nicht zu hoch gespundet und dadurch wunderbar süffig. Nach der langen Wanderung habe ich das Gefühl, das Bier würde bereits auf der Zunge verdunsten. Zisch, und schon ist es weg.

Meine holde Ehefrau beäugt mich kritisch: „Wenn Du so weitermachst, erlebst Du nicht einmal mehr, wie gleich das Essen serviert wird!“

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Umstieg auf den Biertester

Ganz unrecht hat sie nicht, und so steige ich jetzt erstmal auf einen Biertester um. Acht Biersorten werden hier angeboten, die vier leichteren davon (außer dem Grüntengurglar) stehen Augenblicke später auf einem kleinen Brettchen vor mir. Das ähnlich wie der Grüntengurglar sehr süffige Allgäuer Hirtenbier (4,9%), das volle und runde, ziemlich kräftige Gigglstuinar Märzen (5,6%), das eigentlich das bekannteste Bier aus dieser kleinen Brauerei ist, das Gigglstuinar Weizen (5,6%), denn ohne ein Weissbier ist eine bayerische Brauerei keine bayerische Brauerei, und schließlich das Petras N° 1, das mit seinen 5,2% Alkohol nach der Chefin benannt ist und als halbdunkles, fast bernsteinfarbenes Bier die Farbpalette auf dem Brettchen nach unten hin abrundet. Schöne und saubere Biere alle vier, und müsste ich mich für einen Favoriten entscheiden, fiele mir die Auswahl schwer – vermutlich das Gigglstuinar Märzen.

Keines dieser Biere ist übermäßig stark gehopft und insofern passen alle recht gut zum Saibling, den ich mir als Brotzeit bestellt habe. Die Bitterstoffe des Hopfens beißen sich manchmal mit den Ölen im Fisch, insofern ist die Kombination Bier und Fisch eine riskante. Sparsame Hopfung und magerer Fisch sind der Schlüssel zum kulinarischen Erfolg.

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Bier und Fisch? Heute eine besonders gelungene Kombination!

Ach, es ist heute Mittag gar zu schön hier auf der Bier Alp, und so packt mich der Übermut. Drei Starkbiere hat Bernard Göhl nämlich im Angebot, und auch diese bietet er als Biertest an – drei kleine Gläschen. Der dunkle SteinBock mit 7,0% gefällt nicht auf Anhieb, er ist mir etwas zu mastig, und das Malz tritt mir zu sehr, zu aufdringlich in den Vordergrund. Aber noch bevor ich mich darüber ärgern könnte – ach, ärgern wäre sowieso zu viel gesagt – versöhnt mich der GamsBock, der 7,1%ige Weizenbock, mit der Brauerei und der Welt. Herrliche Fruchtaromen verströmt er, rund und vollmundig, süßlich und trotzdem ein wenig spritzig, fordernd und komplex kommt er daher und zwingt mich in seinen Bann. Jeder einzelne Schluck ist ein Erlebnis. Ich lasse das Bier über die Zunge rinnen und wage kaum, zu schlucken, in der Sorge, dass der Geschmack dann abklingen und verschwinden wird und mir nur die Erinnerung an dieses wunderbare Bier bleibt.

Versonnen blicke ich vor mich hin.

„Das scheint Dir gut zu schmecken“, stellt meine holde Ehefrau fest, greift sich das noch zu einem Drittel gefüllte Glas und trinkt mir den Rest weg. „Hm, fein“, stellt sie lapidar fest und riskiert einen handfesten Ehekrach.

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drei gewaltige Biere wetteifern um die Gunst des Genießers

Aus diesem Konflikt rettet uns das letzte Bier, das 10.0 Sau Stark, der helle Tripel Bock, zum Glück heraus. Es steht in Qualität dem Weizenbock nicht nach, wenn es auch aromatisch und geschmacklich aus einer ganz anderen Richtung kommt. Wuchtig und dominant fesselt er mich und lässt mich rasch vergessen, dass mir eben mein herrlicher Weizenbock weggetrunken worden ist.

Noch ein Weilchen sitzen wir in der Sonne. Auch wenn die Biere Nummer zwei bis acht nur in winzigen Gläschen serviert worden sind, spüre ich die Wirkung. Noch zwei Stunden Fußweg bis nachhause liegen vor uns, aber die werden wir schon noch schaffen. Für daheim verstauen wir eine Flasche des Tripel Bocks in unserem Rucksack – so können wir heute Abend oder morgen den Genuss noch einmal wiederholen, und das Wissen darum beflügelt unsere Schritte auf der Wanderung heim.

Die Bier Alp ist mittwochs bis freitags ab 14:30 Uhr, sonnabends ab 10:00 Uhr geöffnet.

BernardiBräu / Bier Alp

Als sich das kleine Bergsträßchen durch Wiesen und Wälder langsam höher windet, vorbei an einem kleinen Bachlauf mit idyllischen Wasserfällen, durch Weiden mit braunen Kühen, bekomme ich das Gefühl, als müsse hinter der nächsten Kurve unbedingt die Hütte vom Alm-Öhi auftauchen, und Heidi und Peter müssten mit ihren Ziegen über die vom Löwenzahn gelb leuchtende Wiese gelaufen kommen.

Aber wir sind nicht in der Schweiz, sondern in den Allgäuer Alpen, direkt hinter dem Örtchen Kranzegg im Allgäu. Und vor uns liegt auch nicht die Hütte vom Alm-Öhi, sondern die ehemalige Station vom Skilift, in der sich seit 2014 eine kleine Brauerei befindet, und zwar die nach eigenen Angaben höchstgelegene Privatbrauerei Deutschlands, das BernardiBräu.

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einst war hier die Talstation des Skilifts

So richtig offiziell ist sie heute, am 4. Mai 2015, noch gar nicht richtig eröffnet, obwohl schon gebraut wird und natürlich der Bierverkauf schon angelaufen ist. Aber die große Eröffnungsfeier ist erst für den 14. Mai, den Himmelfahrtstag, geplant – mit Hoffest, Gaudi und Livemusik. Was mich natürlich trotzdem nicht davon abhält, mich mit Bernard Göhl, dem Inhaber und Braumeister zu verabreden.

„Ich bin zwar Diplom-Braumeister und habe nach meiner Ausbildung in München anschließend in Weihenstephan studiert, aber hauptberuflich arbeite ich zur Zeit in der Abfülltechnik. Und da ich das Brauen vermisse, habe ich nebenher die kleine Brauerei hier aufgebaut.“, erzählt Bernhard, während wir die Treppe zum Sudhaus hochgehen. „Angefangen hat es mit einem kleinen 80-l-Sudwerk, und mittlerweile habe ich eine 5-hl-Anlage, die ich mir in großen Teilen selbst aufgebaut habe.“

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das Sudwerk

Sehr solide schaut die Technik aus. Zwei kupferne Geräte der Firma MBT bilden das Rückgrat, alles andere rundherum hat Berni selbst konstruiert. „Eine wunderschöne Patina, oder?“, fragt er mich und streicht über die Sudpfanne. Und in der Tat, das in allen Farben schimmernde und irisierende Kupfer wirkt viel schöner und lebendiger, als manche steril und seelenlos auf Hochglanz polierte Schauanlage. Es ist blitzsauber, das sieht man, aber die Spuren der Arbeit sind doch zu sehen. Hier ist ein wenig saure, dort eher basische Flüssigkeit übergelaufen und hat ihre Spuren auf dem Kupfer hinterlassen. Nach sorgfältigem Putzen bleibt die ganz leicht eingeätzte Spur sichtbar und verleiht dem Sudwerk Leben.

Im Nachbarraum stehen die Gärbehälter. Offene Gärung, das ist Ehrensache. Und daneben wiederum in zwei Reihen die kleinen ZKGs, in denen das Bier der BernardiBräu bis zur Abfüllreife lagert. Blitzsauber und zweckmäßig.

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sauber aufgereihte ZKGs

Im Stockwerk darunter die Abfüllanlage. Ein kleine Gruber-Anlage, auf der Berni seine Spezialbiere und die ungewöhnlichen Flaschengrößen abfüllt; das Brot-und-Butter-Bier, also das Gigglstuinar Märzen, das regelmäßig in größeren Mengen gebraut wird, wird bei einer befreundeten Brauerei abgefüllt.

Und nebenan, in einer großen Scheune, wird das abgefüllte Bier gelagert und verkauft. „Neben dem Märzen, das hier überall steht, braue ich ein dunkles Bockbier, das ich in Ein-Liter-Flaschen abfülle, schau her! Dann gibt es immer mal wieder ein besonderes Bier, zum Beispiel das Alms, ein Weizenbock mit rund 7% Alkohol. Das gibt’s in kleinen Flaschen, zum bewussten Genießen. Und hier liegen schon die Etiketten für das Gigglstuinar Weizen – das wird das zweite Standbein der Brauerei!“

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gelegentlich bleibt sogar noch Zeit für ein Schaubrauen irgendwo auf einem Volksfest

Bernhard erzählt von seinen Plänen, und man merkt, dass sich hier jemand seinen ganz persönlichen Traum erfüllt. Im Brauen geht er auf – da macht es überhaupt nichts, dass das Ganze (noch?) als Nebenerwerb läuft und die Abende und Wochenenden drangegeben werden müssen. Neben all dem findet Bernard auch noch Zeit, gelegentlich auf Volksfesten ein Schaubrauen zu veranstalten, mit einer kleinen, aber sehr hübschen Anlage. In Tracht steht er dann da und rührt im kupfernen Maischebottich; daneben der hölzerne Läuterbottich, das Ganze auf einem Ziegelstein-Sockel und, Zugeständnis an die Mobilität, auf Rollen.

Das Brauereidorf Rettenberg, das seit vielen Jahrzehnten damit wirbt, zwei erfolgreiche Allgäuer Brauereien zu beherbergen, hat eine dritte Brauerei dazu bekommen. Viel kleiner als die anderen beiden, aber mit viel Herzblut. Und idyllisch gelegen. Oberhalb des Ortes, umgeben von Wiesen und Wäldern, inmitten der Natur. Wenn jetzt der Wettergott für den Himmelfahrtstag noch mitspielt, dann steht einer zünftigen offiziellen Eröffnung und einem großen Erfolg in der Region nichts mehr im Weg!

Das BernardiBräu ist mittwochs und freitags von 16:00 bis 19:00 Uhr und sonnabends von 09:00 bis 12:00 Uhr für den Rampenverkauf geöffnet. Möchte man zu anderen Zeiten Bier kaufen, sollte man unbedingt vorher anrufen; da es sich noch um einen Nebenerwerbsbetrieb handelt, ist nicht immer garantiert, dass jemand da ist. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Brauerei nicht wirklich gut zu erreichen – selbst wenn man bis Kranzegg mit dem Bus fährt, hat man noch eine ordentliche Wanderung das Bergsträßchen hinauf vor sich. Und auch mit dem Rad sollte man stramme Wadeln vorweisen können. Es gibt halt Situationen, in denen das Auto fast alternativlos ist.

Bilder

BernardiBräu
Bier Alp
Kammeregger Weg 7
87 549 Rettenberg OT Kranzegg
Bayern
Deutschland

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