Hirschbrauerei Flözlingen
Zimmern ob Rottweil
DEU

[Blick zurück auf den 29. August 2020]

Meine privaten und beruflichen Reisen und meine Brauereibesuche unter einen Hut zu bringen, gestaltet sich mitunter nicht ganz einfach. Mal passen die Reisetermine und die Öffnungszeiten der Brauereien oder die Daten ihrer Bierfeste partout nicht zusammen, mal ist es auch ganz einfach nur meine eigene schlampige Planung, die mir einen Strich durch die Rechnung macht.

Es ist schon eine Weile her, dass ich über die Hirschbrauerei Flözlingen einen schönen Blogbeitrag gelesen hatte, und mich hatte die uralte Konstruktion des Sudhauses fasziniert. Eine Turmbrauerei ist es, bei der der Läuterbottich oberhalb der Maische- und Sudpfanne sitzt und somit nicht nur einmal Umpumpen eingespart, sondern auch die Wärme doppelt ausgenutzt werden kann. Sie wird noch mit Holz angefeuert, was die Temperatursteuerung ganz schön schwierig macht – da kommt es auf den Brauer an, der mit viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung so anheizen muss, dass die Rasttemperaturen gut eingehalten werden.

Gerne hätte ich mir das mal genauer angesehen, und ich hatte mir vorgenommen, wenn ich mal in der Nähe sein sollte, die Hirschbrauerei vorher zu kontaktieren, um mir das Sudhaus näher ansehen zu können.

außen weist ein Wandbild auf die lange Geschichte der Brauerei hin

Heute, am 29. August 2020, stelle ich beim Blick auf die Landkarte fest, dass wir ganz in der Nähe von Flözlingen entlangfahren und dass ich das durchaus bei der Planung unserer Reise vor ein paar Tagen schon hätte wissen und berücksichtigen können …

Habe ich aber nicht, und so kommt es einmal wieder zu einem Spontanbesuch in einer Brauerei, bei dem ich mich auf die Inaugenscheinnahme von außen und ein Probierbier beschränken muss.

Es ist gerade erst elf Uhr, als wir den Wagen vor der Brauerei abstellen – für ein Mittagessen angesichts des opulenten Frühstücks, das wir gerade erst im Hotel genossen haben, noch viel zu früh. Ich umrunde das alte Gebäude, mache ein paar Bilder, blicke in den coronagerecht hergerichteten und ausgeschilderten Biergarten, und dann gehen wir die paar Stufen in den Schankraum der Brauerei hinauf.

Blick in den Biergarten

Uns empfängt ein Ambiente, in dem von vielen Jahrzehnten die Zeit stehen geblieben ist. Ein alter Kachelofen, Tische mit Resopalplatten, alte und zum Teil schon etwas wackelige Stühle – aber alles passt so schön zusammen, dass es auf Anhieb ansprechend wirkt. Auch wenn wir zu dieser frühen Stunde noch die einzigen Gäste sind.

„Hier ist doch seit Eröffnung der Brauerei nichts mehr verändert worden“, bemerkt meine holde Ehefrau vorlaut, aber ich muss sie korrigieren: „Die Brauerei ist über 200 Jahre alt, die wurde 1793 gegründet. Ich denke mal, damals hat es völlig anders ausgesehen!“

ein altmodisches, aber ansprechendes Ambiente

Ich bestelle bei der freundlichen Wirtin das Naturtrüb, und nur wenig später bekomme ich das Bier in einem schlichten, aber hübsch bedruckten Becherglas serviert. Die Farbe ist helles Kupfer, der kremige Schaum darüber ist schneeweiß, und sowohl das Aroma als auch der Geschmack sind süßlich, rund und malzig. Weich geht es über den Gaumen, eine leichte Herbe ist nur kurz spürbar. Ein für die Region sehr typisches, malzig-mildes Bier.

Es passt hervorragend zum deftigen Schmalzbrot, das ich mir gewissermaßen als zweites Frühstück dazu bestellt habe. Ein einfaches, simples Essen zu einem ebenso simplen Bier in einer schlichten und doch ansprechenden Gaststube – manchmal sind es doch die einfache Dinge, die harmonisch zusammenpassen und Freude bereiten.

Hirsch Naturtrüb – schmeckt so gut, wie es aussieht

Hätten wir nicht noch andere Ziele und Verabredungen heute, könnten wir hier ein Weilchen sitzen bleiben, die anderen Biere verkosten, zusehen, wie sich die Gaststube langsam füllt, und vielleicht käme auch der eine oder andere wetterfeste Gast in den Biergarten. Schön wäre das.

Aber auch so war es ein netter Zwischenstopp – und ab heute kann ich zumindest mitreden, was die Qualität des hier auf der historischen Anlage gebrauten Biers anbelangt. Und ein Besuch im Sudhaus? Nun, da bleibt die Hirschbrauerei Flözlingen unverändert auf meiner Liste der noch abzuarbeitenden Bierziele.

Die Gastwirtschaft in der Hirschbrauerei Flözlingen ist mittwochs bis freitags ab 14:30 Uhr, sonnabends und sonntags ab 10:00 Uhr durchgehend geöffnet; Ruhetage sind Montag und Dienstag. Von der A81, Abfahrt Rottweil, sind es nur drei, vier Minuten bis zur Brauerei im Ortsteil Flözlingen der Gemeinde Zimmern ob Rottweil.

Bilder

Hirschbrauerei Flözlingen
Eschachstraße 15
78 658 Zimmern ob Rottweil
Baden-Württemberg
Deutschland

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.