Verkostungspaket
Sitzenberger Biermanufaktur

„Hej, ich bin übrigens der Christian“, so fing unsere Unterhaltung in der Mittagspause zwischen zwei anstrengenden Verkostungssessions der Austrian Beer Challenge 2025 an. Sie endete damit, dass sich mein Gegenüber als Christian Tomitsch, Inhaber der Sitzenberger Biermanufaktur, entpuppte und er mir einen Sixpack zum Verkosten in die Hand drückte: „Ich würde mich freuen, wenn Du diese Biere mal verkosten würdest.“

Was für eine schöne Überraschung! Dankeschön!

alles heil angekommen

Der Transport war nicht einfach, war doch mein kleiner Koffer schon randvoll und die Fahrt mit der Eisenbahn mit x Mal umsteigen sicherlich nicht die komfortabelste. Aber: Alle Flaschen kamen gut an, wanderten sofort nach dieser Odyssee wieder in die Kühlung und wurden dann nach und nach verkostet.

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Verkostungsnotizen

Sitzenberger – Smaragd – Hopfen trifft Weintraube (6,66%)

Ein Italian Grape Ale. Aus Österreich. Ein Bier, bei dem sowohl der Hopfen (Smaragd) als auch die Weintrauben (Blüten-Muskateller) lokal in Sitzenberg angebaut, geerntet und verarbeitet worden sind.

Das Bier ist dunkelgelb und dezent trüb, und es entwickelt einen üppigen Schaum, der aber relativ zügig auf ein „normales Maß“ zurückfällt und dann recht lange hält.

Der Duft ist intensiv weinig. Danach kommt erstmal eine Weile nichts, aber nachdem sich das Bier im Glas ein wenig erwärmt hat, finden sich dann doch noch zwei Aromen zusätzlich ein – zum einen eine feine Malznote, klassisches, helles Malz ohne Fisimatenten, und zum anderen, ganz im Hintergrund, ein Hauch Schwefel. Letzterer stört allerdings nicht, sondern verleiht dem Bier eher noch eine Tiefe, die den Wein und das Malz besser und harmonischer vereint.

Der Antrunk ist mild mit einer leicht weinigen Säure. Auf der Zunge wird zunächst die Muskateller-Traube dominant und serviert auch eine feine Adstringenz, mit ihrem Abklingen wagt sich aber das Malz wieder zaghaft nach vorn und bereitet den Weg für den Hopfen, dessen feine Bittere nach dem Schluck den Mut hat, sich zu zeigen.

Retronasal dominiert wieder der Wein, und eine feine alkoholische Note kommt hinzu, die nach dem Schluck auch den Rachen ganz sanft anwärmt.

Sitzenberger – Rubin – Das scharfe belgische Blonde (6,0%)

Ein belgisches Blond mit in Sitzenberg angebauten und geernteten Chilis veredelt – und zwar mit richtig scharfen Sorten: Carolina Reaper, Trinidad Scorpion, Aji Charapita und Bhut Jolokia. Das verspricht mehr Schärfe, als das Bier hinterher wirklich einlöst. Vielleicht ist es besser so, dass die Chilis nur sehr zaghaft eingesetzt worden sind …

Das Bier ist dunkelgoldgelb, bei vorsichtigem Einschenken absolut klar, und es trägt einen schönen, nicht allzu üppigen, aber ästhetischen Schaum.

Der Duft ist geprägt von etwas parfümiert wirkenden, floralen und fruchtigen Estern, so wie es bei belgischen Hefen häufiger mal der Fall ist. Dahinter klingen ein paar höhere Alkohole und Lösungsmittel mit an.

Der weiche, süßliche, für einen Moment fast zuckrig wirkende Antrunk geht über in einen sehr dezent phenolischen, ansonsten aber ebenfalls zuckrigen Eindruck auf der Zunge; retronasal dominieren die Ester. Der Abgang bleibt sehr mild – ich spüre kaum Hopfenbittere, und von den vier zugesetzten Chilisorten spüre ich nur einen ganz feinen aromatisch-scharfen Hauch. Oder eher einen schärflichen. Gibt es zu Hauch einen Diminutiv?

Interessant, aber ich hätte mir nicht nur nach der Lektüre der Zutatenlisten etwas mehr Wumms erhofft!

Sitzenberger – Helles (5,2%)

Ohne prosaische Namensgebung. Einfach nur Helles. Ein Name, so simpel wie der Bierstil. Und doch: So schwierig zu brauen. Keine Hopfenbittere, keine Malzsüße, keine Hefearomen, die einen eventuellen Fehlgeschmack überdecken könnten. Allerhöchste Braukunst, so ein Helles wirklich fehlerfrei herzustellen.

Also: Die Optik ist schon mal okay. Leuchtend blond und, obwohl unfiltriert, bei vorsichtigem Einschenken blank. Der Schaum etwas zurückhaltend, aber schneeweiß. Passt erstmal.

Der Duft sehr zurückhaltend. Kein Schwefel, was dieses Helle wohltuend vom Münchner Kultbier aus dortiger Privatbrauerei unterscheidet! Ein feiner Malzhauch und eine süßliche Frische, bei der ich mir nicht sicher bin, ob sie vom fruchtigen Hopfen oder von doch etwas estriger Hefegärung stammt – so zart ist sie.

Ein frischer, sauberer Antrunk. Nicht so aggressiv bizzelig wie die Fabrikbiere aus Deutschland oder gar Österreich. Auf der Zunge schlank, dennoch mit erkennbarem, feinen Malzkörper. Ein Hauch Keksteig. Angenehm. Eine zaghafte Bittere. Gerade genug, dass sie sich traut zu sagen „Ich bin auch noch da.“

Retronasal feiner Butterkeks. So fein, als hätte ich ihn vor Stunden schon gegessen und würde jetzt erst bewusst hinterherschmecken.

Der Schluck? Zunächst sauber. Dann aber eine ganz zart, nun ja … Schleimige? Seifige? Was nehme ich denn für ein Wort, das keine so negative Konnotation hat? … Textur. Basisch-mineralisch vielleicht? Damit würde ich aber die Begründung bereits vorwegnehmen, ohne sie zu kennen.

Wirklich stören tut sie jedenfalls nicht.

Prüfung bestanden. Ein feines Helles. So, und nicht anders!

Sitzenberger – Opal (6,7%)

„Dieses spezielle India Pale Ale enthält ca. zehn mal mehr Hopfen als ein herkömmliches Bier“, weiß das Rückenetikett zu berichten. Es ist aber deswegen noch lange nicht zehn mal so bitter, füge ich in Gedanken hinzu.

Die Farbe ist ein dunkles Strohgelb, das Bier ist nur leicht trüb, und es entwickelt einen üppigen, sehr, sehr stabilen Schaum – dicke Trinkränder zeugen von hohem Proteingehalt.

Der Duft ist geprägt von kräftigen Hopfennoten, die zunächst in die grasige, kräuterige und leicht holzige Richtung gehen. Der auf dem Etikett angekündigte fruchtig-blumige Zitrus-Geschmack fehlt zunächst. Spoiler: Er kommt später, nach dem Schluck, aber dann retronasal und nur recht zurückhaltend.

Der Antrunk ist angenehm rund, nicht zu spritzig, aber auch nicht zu weich und voll – sehr schön ausbalanciert. Im Mund gibt sich das Bier im ersten Moment vollmundig, dieser Eindruck weicht aber sehr schnell und macht einer kernigen Hopfenbittere Platz, die direkt nach dem Schluck schon schön trockene Schleimhäute hinterlässt und mich so direkt nach dem nächsten Schluck gieren lässt.

Ein schönes Exemplar eines eher klassisch britischen India Pale Ales, dem ich ein bisschen mehr fruchtige Komplexität gewünscht hätte.

Sitzenberger – Weizen (4,4%)

Im Glas präsentiert sich das Bier artgerecht. Eine kräftige, gelbe Farbe, eine Trübung, die nach zunächst vorsichtigem Einschenken und dann Aufschwenken des Bodensatzes in schönen Wölkchen langsam nach unten sinkt, und ein üppiger Schaum, der sich als sehr stabil erweist und der feine Brüsseler Spitzen hinterlässt – die Optik passt ganz einfach.

Der Duft ist intensiv fruchtig, vorwiegend bananig, mit einem Hauch roter, überreifer Äpfel, und im Hintergrund mit einer dezenten Note von Kümmel.

Der Antrunk ist frisch und angenehm füllig, auf der Zunge im ersten Moment schön bananig, dann aber wirkt das Bier leider ein wenig rau, kartonartig und fast schon kratzig. Ich weiß nicht, ob die Flasche oxidiert ist (gealtert kann sie angesichts eines Mindesthaltbarkeitsdatums von noch fast elf Monaten ja wohl nicht sein) oder ob der adstringierende, raue Effekt von der Hefe kommt. Jedenfalls trübt er den ursprünglich geradezu fehlerfreien Eindruck ein wenig.

Sitzenberger – Winterbock (8,0%)

Ein Winterbock mitten im Juli? Na klar, warum nicht. Ich habe ihn ja nun gerade neulich erst geschenkt bekommen, und ehe er unnötig vor sich hin altert …

Das Bier ist dunkelkupferfarben, dezent trüb, und es entwickelt einen kremigen, leicht beigefarbenen und lange haltbaren Schaum.

Der Duft wird dominiert von Gewürznelke. Nicht von 4-Vinyl-Gujakol, das als Gärungsnebenprodukt im Weißbier den typischen nelken- oder kümmelartigen Geruch erzeugt, sondern von echter Gewürznelke. Das Bier ist nämlich neben Gersten- und Weizenmalz, Haferflocken, Waldhonig, Ingwer, Hopfen und Tannentrieben auch mit Gewürzen gebraut. Ein echtes Winterbier.

Der Antrunk ist rund, würzig-kräuterig, und er leitet über zu einer vielschichtigen Sensorik auf der Zunge. Die Ingwer- und Honignoten sind ganz dezent zu spüren, bei den Tannentrieben muss man schon sehr genau hinschmecken und -riechen, und selbst dann bin ich mir noch nicht hundertprozentig sicher, ob ich sie eindeutig identifizieren kann. Ganz anders bei den Gewürzen – die schlagen voll durch. Allen voran die Gewürznelke. Leider das Problem bei fast allen Gewürzbieren, sei es Kürbisbier oder Weihnachtsbier. In guter Absicht werden verschiedene Gewürze oder weihnachtliche Gewürzmischungen hinzugegeben, und in neunzig Prozent aller Fälle erhält man ein Bier, dass nur, ausschließlich und viel zu doll nach Gewürznelke riecht und schmeckt und von ihr auch eine gewisse, raue, fast schon kratzige Schärfe mitbekommt.

So leider auch hier. Ein Bier, bei dem man ein ganz wunderbares Fundament identifizieren kann, wird von der Gewürznelkendominanz, nun ja, nicht ruiniert, es schmeckt schon noch sehr schön, aber doch zumindest beeinträchtigt.

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Sitzenberger Biermanufaktur CT GmbH
Karl Fischer Straße 21a
3454 Sitzenberg-Reidling
Österreich

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