[Blick zurück auf Juli 2025]
Seit dem 16. Jahrhundert entwickelte sich Antwerpen in rasendem Tempo zu einer blühenden und pulsierenden Hafenstadt. Die Stadt brauchte Arbeiter, und die Arbeiter hatten Durst. Durst auf ein kräftigendes, wohlschmeckendes und erfrischendes Getränk. Bier! Überall entstanden Brauereien, und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts betrug ihre Zahl weit über hundert. Als bevorzugter Bierstil kristallisierte sich ein nahrhaftes Blond mit erfrischendem, fruchtigem Charakter heraus, leicht zu trinken und dennoch gehaltvoll: Das Seef Bier. Es galt als „Champagner der Arbeiterklasse“, und es prägte Antwerpen so sehr, dass der Stadtteil, in dem die meisten Brauereien errichtet worden waren, bis heute Seefhoek, Seef-Viertel, heißt.
Industrialisierung, zwei Weltkriege und zahlreiche weitere Veränderungen ließen das Seef Bier verschwinden, andere Biere kamen in Mode, das Rezept wurde vergessen. Bis nach der Jahrtausendwende ein findiger Brauereimanager, Johan van Dyck, auf die Idee kam, dieses Bier neu zu erschaffen. Er forschte nach dem ursprünglichen Rezept, fand Hinweise auf Buchweizen und spezielle Hopfensorten und fand in Hefebanken auch alte Hefestämme, wie sie vermutlich verwendet worden waren. Um das Bier wieder brauen zu können, gründete er sogar eine eigene Brauerei, die Antwerpse Brouw Compagnie, und seit knapp zwei Jahrzehnten gibt es wieder Seef Bier.

hier reift das Seef Bier
Aber nicht nur. Bei diesem einen Bier ist es nicht geblieben – das Portfolio der Antwerpse Brouw Compagnie umfasst eine Reihe weiterer Biere: Tournée Antwerpen Kruidig Blond, Seef Aged on Wood, Bootjes Bier, Radio Minerva Tripel, Miss T. Lucie Sterk Blond, Super Cadix Dry Hopped Lager, Eilandje New England IPA, Hussy Tripel, Mr T. Sterk Blond, Nonkel Pater.
Alles zusammen Grund genug, während unseres leider viel zu kurzen Antwerpen-Aufenthalts mal eine halbe Stunde in Richtung Norden aus der Altstadt heraus zu wandern – im Bewusstsein, dass der Taproom der Brauerei geschlossen ist. Aber von außen ankucken kann man sie ja mal, und der Spaziergang hier raus ist auch ganz nett.
Wir biegen um die Ecke, und da sehen wir schon den etwas verwilderten Biergarten. Die Biertische und -bänke alle etwas ungepflegt wirkend, die hölzernen Pflanzkübel recht verwittert, die Pflanzen fast vertrocknet. Hm, vor dem geistigen Auge versuchen wir uns vorzustellen, wie es aussehen könnte, wenn hier ein bisschen Pflege-Arbeit investiert würde und fragen uns, ob es wirklich nur die Sommerhitze ist, wessentwegen alles so vertrocknet und leicht angegammelt wirkt.
Wir drehen uns um und sehen, dass die Tür zum Taproom und zur Brauerei offen steht. Neugierig stecken wir unsere Nase hinein und sehen: Es wird auch am Ruhetag gearbeitet. Klar – es muss ja auch mal in Ruhe gebraut werden können … „Wir wollen nicht stören, aber dürfen wir im Taproom denn ein paar Bilder machen?“ Der Brauer nickt freundlich, lässt sich aber bei der Arbeit nicht stören.

Wir dürfen Bilder machen!
Na prima, fünf Minuten geben wir uns, bestaunen die beeindruckend große Brauerei, die Zapfhahnbatterie hinter der Theke und den hier drinnen sehr gepflegt und blitzsauber wirkenden Taproom. Tja, da müsste man doch glatt noch mal herkommen, wenn auch offen ist, und nicht an einem Ruhetag … Wie so oft, klebt uns bezüglich unserer Reisezeiten das Pech an den Fingern …
Zum Glück gibt es die hier entstehenden Biere aber in den Lokalen der Stadt fast überall!
Der Taproom der Antwerpse Brouw Compagnie ist mittwochs und donnerstags ab 16:00 Uhr, freitags bis sonntags ab 12:00 Uhr durchgehend geöffnet; montags und dienstags ist zu. Zu erreichen ist die Brauerei mit der Straßenbahnlinie 24, Haltestelle Cadix, und von dort aus sind es noch etwa fünf Minuten in Richtung Nordosten.
Antwerpse Brouw Compagnie
Indiestraat 21
2000 Antwerpen
Belgien

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