Die Markthalle gilt als der Bauch von Hannover – hier kann man sich von morgens bis abends abwechslungsreich durchfuttern und verkosten. Rustikales und einfaches Essen gibt es ebenso wie feine Gourmet-Schmankerln, es gibt große Portionen oder kleine Snacks, und unkompliziert kann man sich auch zwischen zwei Stände setzen oder stellen und sowohl von links als auch von rechts ordern und probieren. Ist zwar nicht offiziell so vorgesehen, wird aber gerne geduldet.
Nur mit der Bierauswahl hapert es. Wohin man auch schaut – es gibt nur lokales Pils oder Null-Acht-Fuffzehn-Weizen einer der bundesweit präsenten Biermarken.
Mit einer Ausnahme: Der Südafrikaner.

Der Südafrikaner
Der Südafrikaner, das ist Dean Yon mit seinem Team, der an einem der Stände in der Halle nicht nur fünfundsechzig verschiedene südafrikanische Weine sowie einige afrikanisch angehauchte Spezialitäten anbietet, sondern auch eine überraschend große Auswahl an Flaschenbieren aus aller Welt anbietet. Da sind zwar auch viele Industriebiere dabei, wie beispielsweise das Asahi aus Japan, das Tiger aus Singapur oder das Super Bock aus Portugal, aber die bunt verzierte Kreidetafel offeriert auch einige Biere, von denen ich noch nie gehört habe.
Das macht natürlich neugierig, und während meine Liebste und ich uns ein paar italienische Spezialitäten von rechts gönnen, ordern wir das Bier beim Südafrikaner links.
„Das Akosombo hätte ich wohl gerne“, bestelle ich und hoffe auf ein Bier aus Ghana, so wie es auf der Kreidetafel steht.
Ein Weilchen wird in den Kühlschränken hin und her gekramt, und dann kommt die Flasche auf den Tisch. König Bansah Akosombo Premium Lagerbier steht auf dem Etikett, ein Alkoholgehalt von 5,5% ist vermerkt, und das Mindesthaltbarkeitsdatum ist unleserlich.

König Bansah Akosombo Premium Lagerbier
Im Glas schaut das Bier gut aus – kupferfarben, leicht trüb, schöner Schaum. Aber leider … Sein Geschmack ist von Alterung getrübt. Honignoten und ein Aroma von feuchtem Karton zeugen von zu langer oder zu warmer Lagerung. Oder beidem …
Es ist noch trinkbar, aber ich merke, dass es frisch bestimmt ganz anders geschmeckt hätte.
Und: Ein richtiges ghanaisches Bier ist es nicht …
Gebraut wird es bei der Brouwerij Strubbe in Belgien für das Haus der 131 Biere in Hamburg, und von dort aus wird es auch vertrieben. Der Erlös aus diesem Projekt kommt Hilfsprojekten im Königreich Hohoe in Ghana zugute – man unterstützt durch das Trinken also Krankenhäuser, Schulen oder Brückenbau.
Mit ein bisschen Recherchieren erfahre ich mehr über dieses Bier und über König Bansah. Letzterer ist tatsächlich König im Königreich Hohoe und damit Herr über rund 200.000 Untertanen im Osten Ghanas. Er selbst übt seine Herrschertätigkeit aber von Deutschland aus aus, wo er als Landmaschinen-Mechaniker-Meister eine Autowerkstatt in Ludwigshafen besitzt. Céphas Bansah lebt also gewissermaßen zwischen zwei Welten (was er auch in seiner Biographie „Zwischen Krone und Schraubenschlüssel – König zwischen zwei Welten“ beschrieben hat).
Ist alles hochinteressant, aber aus Sicht der Biergenießers bleibt mehr als nur ein Beigeschmack. So schön es ist, für den guten Zweck zu trinken, so schade ist es, für sein Geld (der Preis ist zugegebenermaßen aber fair!) ein überlagertes Bier quasi verschleierter Herkunft zu bekommen.
Wie das mit anderen Bieren des Angebots aussieht?
Keine Ahnung. Vielleicht treibt mich irgendwann die Neugier erneut hierher, und ich prüfe dann mal die Biere aus Nambia, der Mongolei, Benin oder woher auch immer …
Der Marktstand Der Südafrikaner liegt ziemlich in der Mitte der Markthalle. Diese ist täglich von 07:00 bis 20:00 Uhr geöffnet; sonnabends nur bis 16:00 Uhr. Sonntags ist zu. Zu finden ist die Markthalle unmittelbar am Rand der Hannoveraner Altstadt. Die Stadtbahn-Station Markthalle/Landtag mit den Linien 3, 7, 9, 12 und 13 ist direkt daneben.
Der Südafrikaner
Karmarschstraße 49
Markthalle, Stand 25A
30 159 Hannover
Niedersachsen
Deutschland

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