Crowdfunding
„Schneeeule zieht um“

[Blick zurück auf März 2025 – jetzt, in der Rückschau, wissen wir, dass das Crowdfunding gescheitert war und die Schneeeule ihren Betrieb Ende September 2025 eingestellt hat]

Oh, ich hatte es fast schon vergessen …

Tja, wenn Crowdfunding-Aktionen eine lange Laufzeit haben und wenn gleichzeitig im Leben so viel Neues passiert, dann kann man schon mal vergessen, dass man seinerzeit mal was gespendet hat … Jedenfalls schaue ich im ersten Moment etwas überrascht, als der Paketbote mir eine Sendung mit sechs Bieren von der Schneeeule vor die Tür stellt.

Aber ein paar Minuten später fällt mir alles wieder ein – als ich nämlich das T-Shirt mit dem Aufdruck „Supporter – One of 700“ aus dem Karton ziehe. Ach ja, stimmt ja, im April des letzten Jahres war das, als Ulrike Genz für ihre Brauerei Schneeeule Unterstützung benötigte. Die Schneeeule brauchte ein neues Zuhause!

Die Abwicklung des Crowdfunding scheint geklappt zu haben, die Belohnung ist auch da: Sechs Biere, ein Bierdeckel und das T-Shirt. Prima!

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Verkostungsnotizen

Schneeeule – Irmgard – Ginger Ale nach Berliner Weiße Art (3,5%)

Das Bier ist sehr hellgelb, gleichmäßig trüb und entwickelt, wie fast alle Berliner Weissen, nahezu keinen Schaum. Ist eigentlich nicht schlimm, sieht halt leider im Glas aus wie Pipi.

Der Duft ist spritzig frisch – der Ingwer ist deutlich zu riechen und wird durch eine feine Säure auch noch in seiner Frische betont.

Schon auf der Zungenspitze spüre ich die kräftige Säure dieses Biers. Der durch diese Säure fast schon zitronig wirkende Geschmack des Ingwers lässt an Zitronensaft denken, und erst, als das Bier sich im Mund verteilt, spüre ich auch weitere, etwas „dunklere“ Noten. Retronasal bleibt es beim Ingwer, aber er wirkt „im Rückwärtsgang“ etwas erdiger als in der unmittelbaren, orthonasalen Duftwahrnehmung.

Nach dem Schluck erzeugt die kräftige Säure einen leicht rauen Eindruck; nach einem großen Schluck muss ich mich sogar räuspern und habe für einen kurzen Moment eine raue Stimme.

Vielleicht ein bisschen viel des Guten, aber wird sicherlich trotzdem seine Liebhaber finden.

Schneeeule – Yasmin – Berliner Weisse mit Jasminblüten (3,5%)

Optisch ist dieses Bier vom vorherigen nicht zu unterscheiden.

Im Duft aber schon: Hier herrscht eine ausgeprägte Säure mit recht präsenten, ledrigen Brettanomycesnoten vor. Was leider fehlt, ist der Jasmin. Da das Bier ein Mindesthaltbarkeitsdatum hat, das noch fünf Monate in der Zukunft liegt, kann es immerhin nicht daran liegen, dass es nicht mehr frisch sei. Schade.

Der kräftig saure Antrunk, der trockene Körper, die auch retronasal gut spürbaren Brettanomyces-Aromen – all das passt stilistisch gut für eine klassische Berliner Weisse (auch wenn es mir persönlich nicht so sehr behagt), aber unverändert fehlt das Jasmin-Aroma.

Tja.

Schneeeule – Kennedy – Ich bin ein Berliner Weisse (3,5%)

Irgendwie sehen die alle gleich aus …

Hier bei diesem, dem Kennedy also, ist der Duft frisch säuerlich mit einer feinen Zitrusnote und nur dezenten, ledrigen Noten. Deutlich milder und handsamer also als beim vorherigen Bier.

Der Antrunk ist frisch, spritzig und kräftig sauer, und auf der Zunge paaren sich die Zitrusaromen mit einer feinen Säure. Auch retronasal machen sich die ledrigen Aromen einen schlanken Fuß, treten kaum in Erscheinung und machen das Bier dadurch für mich sehr viel eingängiger.

Ist in Ordnung.

Schneeeule – Marlene – Original Berliner Weisse (3,5%)

Das Bier ist hellgelb, fast schon blassgelb, ist leicht trüb und entwickelt nur wenig Schaum, der obendrein sehr rasch zerfällt, ohne die geringste Spur zu hinterlassen.

Der Duft ist säuerlich, ein bisschen undefinierbar fruchtig und kräftig ledrig.

Der Geschmack wird geprägt von ausgeprägter Säure, die sich hervorragend dafür eignet, dieses Bier mit fettigem Käse zu kombinieren oder es an glühend heißen Sommertagen als Erfrischung zu trinken, aber als einfach nur mal so Bier ist es eigentlich zu ausgeprägt sauer. Es ist sehr schlank, ohne Restsüße und nahezu ohne spürbare Bittere. Lediglich direkt nach dem Schluck blinzelt eine zarte Hopfenherbe vorübergehend auf, aber nur ganz schamhaft im Hintergrund.

Schneeeule – Hot Irmi – Berliner Weisse mit Ingwer und Habanero (3,5%)

Ganz blassgelb und leicht trüb ist das Bier, und Schaum entwickelt es überhaupt keinen.

Aber schon der Duft macht den fast schon unappetitlichen optischen Eindruck wieder wett: Eine feine Säure, dezent ledrige Noten und eine feine, aromatische Schärfe von den Habaneros gefallen sehr gut.

Der Geschmack setzt dann fort, was der Duft versprochen hat: Feine Säure, eine sehr intensive, aber saubere und gut aushaltbare Habanero-Schärfe, und retronasal kommt zu Säure, Leder und Chili nun auch die fruchtig-scharfe Ingwernote hinzu. Zum deftigen Essen passt dieses Bier in kleinen Schlucken hervorragend; als Zischbier bei sommerlicher Hitze und auf nüchternen Magen eher nicht.

Sehr schön!

Schneeeule – Gurkenkaiser – Berliner Weiße mit Gurke und Dill (3,7%)

Na, das ist ja mal ein Bier! Nehmen wir das Fazit mal vorneweg: Das Bier ist eine hervorragende Erfrischung an heißen Sommertagen und mit Sicherheit eine perfekt passende Begleitung zu einer Vorspeise mit Lachs. Oder zum Hauptgang. Auch mit Lachs.

Die Farbe ist ein eher blasses Gelb mit kräftiger, gleichmäßiger Trübung. Schaum gibt’s so gut wie keinen.

In der Nase spüre ich zuallererst den Dill. Intensiv, kräftig, aber nicht übermäßig, sondern genau so, dass er richtig schön Appetit auf den ersten Schluck macht. Und auf den ersten Happen Lachs.

Der Antrunk ist spritzig, dezent säuerlich (sehr dezent sogar – von allen Schneeeule-Bieren ist es das am wenigsten sauer wirkende), und dann kommt die erfrischende Gurkennote, die vom kräuterigen Dill die ganze Zeit harmonisch begleitet wird.

Nach dem Schluck sinniere ich retronasal dem Dill und im Hintergrund auch den Gurken hinterher, aber das Bier klingt recht rasch ab. Es hinterlässt … wenig. Außer der Lust auf den nächsten erfrischenden Schluck. Und das ist doch etwas Tolles!

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  1. SchneeeuleSalon für Berliner BierkulturBerlin (DEU) – Brunnenbräu Bier-Blog

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