[Blick zurück auf Mitte Februar]
Fast sieben Jahre sind seit meinem letzten Besuch in den „Heiligen Hallen“ der Mashsee Brauerei in Hannover vergangen. Wie oft haben Kolja Gigla und ich uns getroffen, auf Tap Takeovers, Bierfestivals oder einfach mal so auf ein Bier, aber in seine Brauerei habe ich es seitdem noch nicht wieder geschafft. Heute soll’s aber sein.
Und zwar nicht zum Kucken, sondern zum Brauen!
Ein ganz besonderes Bier soll heute entstehen, eines, bei dem Rezept und Stil schon klar sind und wir auch schon wissen, wo es ausgeschenkt werden soll – als Hausbier beim Küsters in Wunstorf nämlich. Aber auch eines, für das erst noch ein Name gefunden werden muss.
Lennart Tietz, der Eigentümer, Wirt, Visionär und Mädchen für alles beim Küsters, und ich treffen uns also in der Brauerei. Kolja hat schon ein bisschen vorbereitet und eingemaischt, aber es gibt noch genügend Handlangerarbeiten zu tun. Und zu erzählen gibt’s auch viel. Vom großen Heißwassertank, der die Energiekosten der Brauerei jetzt massiv senken wird. Vom zweiten Läuterbottich, der den Prozess beschleunigt und das Läuterverhalten verbessert. Und vom großen Gärtank, der jetzt Doppel- und Dreifachsude erlaubt und der deswegen sogar einen eigenen Namen bekommen hat.
„Rate mal, wie er heißt“, grinst Kolja und zeigt auf die rosafarbene Beschriftung. Wir sehen drei Buchstaben G Ä R und ein rotes Herz, und es dauert schier ewig, bis der Groschen fällt. Gerhard – Gär-Heart!

Gär-Heart!
Wir schlagen uns auf die Stirn, und dann geht es an die Arbeit. Hier einen Tank ausspülen, dort Schläuche umklemmen, putzen, Temperaturen kontrollieren, Proben nehmen, putzen und wischen, Stammwürze und pH-Wert messen, rühren, aufräumen, trocken wischen, umpumpen, saubermachen, läutern, schwänzen, putzen, Hopfen abwiegen, reinigen, austrebern, umpumpen, säubern, wischen, kochen, putzen, spülen, desinfizieren, wischen, kühlen, reinigen, putzen, wischen, putzen, putzen, putzen … Neunzig Prozent des Brautags bestehen aus Reinigungsarbeiten.

putzen, putzen, putzen …
Kaffee gibt’s zwischendurch. Pizza auch. Und Bier. Aber nur wenig. Die Arbeit geht vor.
Sieben Stunden später: Das Jungbier steht im Gärtank. Im kleinen, nicht im großen. Heute war es nur ein einfacher Sud – ungefähr 140 Liter. Ein Test. In wenigen Wochen wissen wir mehr. Wissen, wie es schmeckt, wie es bei den Gästen im Küsters ankommt, und hoffentlich weiß Lennart bis dahin auch, wie es heißt.
Spaß hat’s gemacht!
Und ein kleiner Blick in die Zukunft:
Das Bier wird den Namen „So’n Saftladen“ bekommen, wird zu einem riesigen Erfolg und schon wenige Wochen später in größerem Maßstab, also in richtig großem, um genau zu sein, gebraut – zwanzig Hektoliter statt einem werden im Sudhaus der Freien Brau Union Bremen entstehen. Doch davon ein andermal.
Mashsee Brauerei
Am Eisenwerk 17
30 519 Hannover
Niedersachsen
Deutschland

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