„Eine gute Nachricht, aber auch ein schönes Beispiel für Framing!“, ist der erste Gedanke, der mir durch den Kopf geht, als ich am 25. März 2026 die gemeinsame Pressemitteilung des Verbands Deutscher Hopfenpflanzer und des Deutschen Hopfenmuseums Wolnzach lese.

die gemeinsame Pressemitteilung
„Framing? Wieso?“, mag sich jetzt der oder die eine oder andere fragen.
Na, fangen wir mal von vorne an: Erstmal ist es ja eine gute Nachricht. Der Hopfenanbau in Deutschland ist jetzt als eine lebendige Ausdrucksform kulturellen Erbes anerkannt; die Tatsache, dass er Leben und Alltag der Menschen, die mit dem Hopfen zu tun haben, prägt, steht außer Frage. Wissen und Kenntnisse über seinen Anbau werden über Generationen weitergegeben, wirtschaftliche, wissenschaftliche, emotionale und gesellschaftliche Aspekte verschmelzen zu einem Lebensgefühl und zu gelebter, stetig weiterentwickelter Tradition.
Wie schön!
Aber …
Immaterielles Kulturerbe?
Wer diese Überschrift ohne weiteren Kontext liest, denkt immer automatisch an das Verzeichnis des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO, einer Unterorganisation der Vereinten Nationen. Ein Register, in dem die allerprägendsten Kulturtechniken und -werte aufgenommen werden, und das globale Bedeutung hat. Im Sprachgebrauch entspricht dieses Register dem „immateriellen Kulturerbe“.
Von einem Eintrag in dieses Register ist der Hopfenbau in Deutschland aber weit entfernt. Ebenso wie die deutsche Bierkultur, übrigens, die es im Gegensatz zur belgischen Bierkultur (und das schon vor zehn Jahren, 2016!) nicht in dieses Verzeichnis geschafft hat.
Stattdessen ist das handwerkliche Bierbrauen in Deutschland in das (nationale!) bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden; der Hopfenanbau in Deutschland sogar nur in das Bayerische Landesverzeichnis. Zweite und dritte Liga nur.
Per se ist das nichts Schlechtes – auch das bundesweite Verzeichnis und das Bayerische Landesverzeichnis haben strenge Hürden und Vorgaben, die erklommen und erfüllt werden müssen, bevor es zu einem offiziellen Eintrag kommt. Darf man auch stolz drauf sein!
Aber man sollte es nicht nur im Kleingedruckten erwähnen, sondern von Beginn an den Fokus klarmachen und darauf verzichten, Formulierungen zu wählen, die beim Leser erstmal eine andere Vorstellung erwecken.
Framing halt!
Leider entwertet das aus meiner ganz persönlichen Sicht diese Pressemitteilung und reduziert meine Freude über diesen Erfolg signifikant.

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