Opulent. Ich glaube, das ist das einzige Wort, das mir einfällt, wenn es darum geht, die heutige Bierverkostung in der Finne Hafenbrauerei adäquat zu beschreiben. Es geht ja schon damit los, dass statt eines Aufwärmbiers gleich ein ganzes Zehn-Liter-Fass aufgebockt und angestochen wird. Ich schaue prüfend in die Runde. Neun Männer, eine Frau. „Wer von Euch möchte das Fass anschlagen?“
Betretenes Schweigen. Neun gestandene Männer, keiner traut sich.
„Wenn die sich nicht trauen, dann mach‘ ich es“, heißt es, und die einzige Frau in der Runde erhebt sich, nimmt das Zapfbesteck und knallt es ohne viel Federlesens mit der Hand in das Fass. Das Bier läuft, und in der Männerrunde herrscht schuldbewusstes Schweigen.

„Männer, so macht man das!“
Das Bier läuft, und zwar nicht nur in die Gläser, sondern auch in die Kehlen.
Dazu gibt es eine kleine Brotzeitplatte. Käse, Wurst, Schinken, Schmalz, Treberbrot. Alles vom Feinsten.
Dann die ersten drei Festbiere. Kräftiges Gold leuchtet in den Gläsern. Genauso kräftig im Alkohol sind die Biere, immer so um die sechs Prozent. Und es wird großzügig eingeschenkt – Festbieren und speziell Oktoberfestbieren nähert man sich nicht in winzigen, demütigen Schlückchen, sondern es gilt, sie in großen Schlucken, Zügen schon fast, zu genießen. Durchtrinkbarkeit ist das wichtigste Kriterium. Das Bier, das daran scheitert, hat als Festbier seinen Beruf verfehlt. Immerhin soll es ja auch im Maßkrug ausgeschenkt werden können.
Die Gesichter röten sich, die Stimmung steigt, der Lärmpegel auch. Zeit für eine kurze Pause. Einmal den Kopf an die frische Luft, für die Raucher ein schneller Zug aus dem Suchtstengel. Und weiter geht’s.
Eine kräftige Mahlzeit wird serviert – eine Schüssel Kartoffelsalat und eine große Frikadelle für jeden. Als Grundlage für das, was noch kommt.
Und es kommt …
… das einzige Nicht-Festbier. Ein Bio-Helles. Frisch aus dem Lagertank gezwickelt, denn ein kleiner Rundgang durch die Brauerei darf in der Finne Hafenbrauerei natürlich nicht fehlen. Und kein Brauereirundgang ohne Zwickelprobe, so will es das Gesetz.
Schon geht es weiter mit drei weiteren Festbieren. Alle drei jetzt deutlich dunkler, deutlich kräftiger in der Farbe als die ersten. Näher am Original, am Märzenbier, von dem die Festbier stilistisch abstammen. Vollmundige, kräftige, nährende Märzenbiere. Aber eben auch sättigende, so dass die Financial Controller in den Großbrauereien Alarm geschlagen haben: Es könne doch nicht sein, dass ein Biertrinker nach zwei Mass zwar noch nicht betrunken, aber satt, trinksatt, sitt sei. Das Bier müsse durchtrinkbarer werden, erscholl der Ruf, damit man jedem Trinker drei Mass andrehen kann, und die Brauer fügten sich.
Nein, die nicht alle. Die letzten drei Biere, das sind noch Festbiere alten Schlags. Die Begeisterung ist groß.
Und sie wird noch größer, als zum letzten Bier ein kleines Stück Schokoladenkuchen serviert wird. Zu einem runden, vollmundigen Märzenbier passt der nämlich hervorragend. Zum helleren, schlankeren Oktoberfestbier der neuen Generation eher nicht so.

die „Strecke“
Zeit, einmal auf die „Strecke“ zu schauen. Acht Biere hat es gegeben. Jedes für sich hervorragend!
- Finne Hafenbrauerei – Birthday Brew Golden Ale (5,1%)
- Landbrauerei Schönram – Schönramer Gold (5,7%)
- Staatliches Hofbräuhaus München – Hofbräu Oktoberfestbier (6,3%)
- Augustiner-Bräu – Augustiner Oktoberfestbier (6,3%)
- Finne Hafenbrauerei – Bio Helles [gezwickelt] (4,9%)
- Giesinger Bräu – Giesinger Festbier (6,0%)
- Störtebeker Braumanufaktur – Herbstfestbier (5,8%)
- Hofbräuhaus Traunstein – Fürstentrunk Festbier (5,7%)
Eine leichte Erschöpfung steht nach fast dreieinhalb Stunden Festgelage in die Gesichter geschrieben. Aber eine wohlige! Zufrieden grunzend sitzt man auf der Bierbank, spürt den deftigen Speisen und den nicht minder deftigen Bieren hinterher. Auch die Geschichten rund ums Bier waren deftig.
Also doch: Opulent!
Eine wahrhaft üppige Bierverkostung.
Und für den gastgebenden Sommelier, also für mich, gab es keine Erholungspause, denn es schloss sich noch eine Brauereiführung mit kleiner Verkostung an. Fun Fact: Sieben Teilnehmer. Alles Damen! Immer noch ein Seltenheit in diesem Umfeld. Leider, denn Fachkompetenz und Interesse waren hoch. Sehr hoch.

Es hat Spaß gemacht, meine Damen!
Es hat Spaß gemacht, meine Damen! Großen sogar!
Beer-Tasting
„Oktoberfest- und andere Festbiere“
Finne Hafenbrauerei
Am Mittelhafen 20
48 155 Münster
Nordrhein-Westfalen
Deutschland

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